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NBA - Russell Westbrook bei den Los Angeles Lakers: Es droht das Szenario Allen Iverson

Von Robert Arndt
Das Zusammenspiel von LeBron James (l.) und Russell Westbrook bei den Los Angeles Lakers war nicht von Erfolg gekrönt.

Russell Westbrooks Tage bei den Los Angeles Lakers scheinen gezählt. Der umstrittene Point Guard soll getradet werden, doch es gibt jede Menge Hindernisse. Das liegt auch am 33-Jährigen selbst, dessen Karriere an einem gefährlichen Punkt angekommen ist.

Von diversen Wettanbietern werden inzwischen Wetten angenommen, bei welchem Team Russell Westbrook in der kommenden Saison spielen wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Point Guard zum Saisonauftakt noch Teil der Los Angeles Lakers ist, wird zum Beispiel bei rund 40 Prozent beziffert. Das ist nicht viel und zeigt, welche Dynamik die Sache in den vergangenen Tagen entwickelt hat.

Der frühere MVP hat vor der Free Agency wie zu erwarten seine Spieler-Option über 47 Millionen Dollar gezogen, eine Garantie auf einen Verbleib in Los Angeles ist das aber nicht. Jedes noch so kleine Detail wird inzwischen von der Medienlandschaft ausgeschlachtet, selbst wenn Mitspieler LeBron James ihn in Las Vegas bei der Summer League nicht begrüßt, ist das eine Story.

Das sind Kleinigkeiten, aber es gibt auch richtige Anzeichen, dass Westbrooks Tage in Los Angeles gezählt sind. Ausgerechnet dessen langjähriger Berater Thad Foucher ließ am vergangenen Wochenende die Bombe platzen und veröffentlichte via ESPN ein Statement, dass die Zusammenarbeit nach 14 Jahren, also Westbrooks kompletter NBA-Karriere, aufgrund "unüberbrückbarer Differenzen" beendet wurde. Hier ein Auszug:

"Sollte es zu einem vierten Trade in vier Jahren kommen, müssten die Lakers zusätzliche Assets mit Russell abgeben, damit ein Trade zustande kommt. Und selbst dann müsste Russell vermutlich über einen Buyout ein neues Team finden.

Ich glaube, dass ein solcher Move Russells Wert schaden würde und deswegen ein Verbleib bei den Lakers die beste Option ist. Er muss die Rolle akzeptieren, die ihm Head Coach Darvin Ham öffentlich angeboten hat."

Russell Westbrook: Akzeptiert er die neue Lakers-Rolle?

Vieles an diesen Aussagen ist richtig und doch gibt es keinen vergleichbaren Fall für solch ein Vorgehen. Hier kritisiert ein Berater einen ehemaligen Klienten und riskiert so gewissermaßen seine Zukunft. Welcher Spieler möchte schon einen Berater haben, der nach der Zusammenarbeit den Spieler im Anschluss öffentlich kritisiert - egal, wie viel Wahrheit dahinter steckt?

Westbrook war nicht das einzige Problem einer verkorksten Lakers-Saison, so viel steht fest, dennoch wurde mehr als deutlich, dass der 33-Jährige nicht in das System passte, weil er den Ball in der Hand braucht, dieser aber besser in den Händen von LeBron James aufgehoben ist. Sündenbock Nr. 1 war Head Coach Frank Vogel, der entlassene Meistercoach von 2020. Der Coach ist meist das erste Opfer, so war es auch bei den Lakers.

Der neue Coach Darvin Ham sieht in Westbrook deswegen eher einen Rollenspieler, der sich über seine Verteidigung definieren soll. "Er muss ein Defense-First-Spieler werden. Das ist die Identität unseres Teams", sagte Ham auf seiner ersten PK bei den Lakers. "Er hat das akzeptiert und das ist es, wenn man sagt, dass man Opfer bringt. Wir wollen auch, dass er variabler in der Offense wird. Er soll nicht nur Tempo machen und jedes Mal gegen drei Verteidiger spielen."

Weniger wild, seriös, konzentriert, im Dienste der Mannschaft - so lassen sich die Forderungen zusammenfassen. Das Problem dabei: Westbrook ist nicht bekannt dafür, sich anzupassen oder sein Spiel umzustellen - eine Kritik, die ihn schon seit gemeinsamen Zeiten mit Kevin Durant in OKC verfolgt und auf die er stets renitent reagierte.

Russell Westbrook: Seine Statistiken in der NBA

TeamSpieleMINPTSFG%3P%REBAST
Thunder82134,523,043,430,87,08,4
Rockets5735,927,247,225,87,97,0
Wizards6536,422,243,931,511,511,7
Lakers7834,318,544,429,87,47,1

Russell Westbrook: Allen Iverson als mahnendes Beispiel

Der Erfolg gab ihm recht. Die Thunder waren über Jahre ein heißer Titelanwärter, ohne Durant gewann Westbrook 2017 sogar einen MVP-Award, auch wenn das eigene Team nur bedingt konkurrenzfähig war. Nach vier Teams in vier Jahren wird die Luft aber langsam dünn für den Point Guard, der sich mit bald 34 Jahren seinem Karriereherbst nähert.

"Wenn Russell Westbrook nicht aufpasst, dann könnte seine Karriere ähnlich enden wie es bei Allen Iverson der Fall war", warnte ESPN-Experte Kendrick Perkins, der diesen Vergleich nicht zum ersten Mal zog.

Auch Iverson war mal MVP, auch er war wie Westbrook das Gesicht einer Franchise, um dann im weiteren Verlauf seiner Karriere herumgereicht zu werden. Am Ende verweigerte sich "The Answer" als Sixth Man aufzulaufen, ein Jahr später war seine NBA-Laufbahn mit 34 Jahren abrupt beendet. Dass A.I. mal drei Spiele für die Memphis Grizzlies auflief, wissen heute nur noch die Wenigsten.

Westbrook selbst wurde auf diesen Vergleich bereits während der Saison angesprochen - und antwortete genau so, wie man es vom Spielmacher erwarten würde. "Einen Spieler wie mich gibt es nur einmal. Ich habe Respekt vor Allen und was er für das Spiel gemacht hat, aber man kann mich nicht mit Allen Iverson vergleichen", sagte Westbrook im Dezember.

"Ich habe immer versucht, dem Team so gut es geht zu helfen. Das werde ich auch weiterhin machen. Wenn wir so eine Meisterschaft gewinnen, cool. Wenn es uns nicht gelingt, ist das auch okay. Das Leben geht weiter."

Russell Westbrook: Bei LeBron in Ungnade gefallen?

Ob LeBron das auch so sieht? Erst kürzlich bei "The Shop" sagte LeBron folgendes: "Siege treiben mich an. Ich habe schlaflose Nächte, wenn ich weiß, wenn in deinem Team nicht jeder die gleiche Einstellung hat." Auch das kann als kleiner Seitenhieb in Richtung Westbrook gewertet werden, gleiches gilt für diesen Tweet von Jeanie Buss (überhaupt, warum tweetet eine Besitzerin um kurz vor Mitternacht? Wir ändern die Regel von Virginia Mosley auf: Keine Tweets nach 22 Uhr, weil diese schlechte Entscheidungen sind).

Die Lakers werden zwar von GM Rob Pelinka geführt (plus Buss, die alles absegnet), doch LeBron und seine Agentur Klutch ziehen im Hintergrund die Fäden. Acht der 14 Spieler im Kader werden von Klutch vertreten, darunter auch die Neuzugänge Troy Brown Jr., Juan Toscano-Anderson und Lonnie Walker IV.

Dazu hat James ein weiteres Druckmittel in der Hand, seine eigene Zukunft. Stand jetzt wird der 37-Jährige im kommenden Sommer noch einmal Free Agent, ab dem 4. August kann er seinen Vertrag in Los Angeles vorzeitig verlängern. Selbst wenn James im Vorjahr etwas abgebaut hat, vor seiner Ankunft in L.A. waren die Lakers über Jahre irrelevant, entsprechend gefestigt ist spätestens seit dem Titel 2020 seine Position in Tinseltown.

LeBron selbst galt vor einem Jahr noch als ein Westbrook-Befürworter (er ist der Lieblingsspieler von Sohn Bronny), doch im Laufe der Saison war eine Entwicklung erkennbar, dass James mehr und mehr den Glauben daran verlor, dass dieses Lakers-Team mit Westbrook Erfolg haben könne.

Dem gegenüber stehen zahlreiche positive Kommentare aus der Franchise in diesem Sommer im Hinblick auf Westbrook. Dies lässt sich aber auch so erklären, dass man den ohnehin geringen Wert des Spielmachers nicht noch weiter in den Keller sacken lassen möchte. Dass sogar der ehemalige Berater glaubt, dass es nach einem Trade nur mit einem Buyout weitergehen würde, spricht Bände.

Russell Westbrook und die Lakers: Es wird wohl schmutzig

Westbrook muss sich der Realität stellen. Ein Star spielt nicht für fünf Teams in fünf Jahren. Wenn es an all diesen Orten Probleme gibt, sollte man früher oder später erkennen, dass man womöglich selbst das Problem ist. Bis heute scheint Westbrook dies nicht verstanden zu haben und betritt damit ein gefährliches Territorium.

Was ist der Nutzen eines Spielers, der nach Stephen Curry die meiste Kohle einstreicht, den Ball für sich einfordert, aber nicht mehr zu den besten 30, 40 Spielern der Liga zählt? Westbrook ist schon jetzt ein Hall of Famer, sein Abgang könnte jedoch einer der traurigeren Sorte werden - ähnlich wie eben bei Iverson.

Und die Lakers? Die werden weiter krampfhaft versuchen, Westbrook abzustoßen, ohne dabei draufzahlen zu müssen. Mit Indiana und San Antonio gibt es zwei Cap-Space-Teams, die Westbrooks Deal schlucken könnten, dazu gibt es weiter den Fiebertraum eines Tauschs mit Kyrie Irving von den Brooklyn Nets.

Womöglich gibt es aber gar keinen Trade und Westbrook steht auch Mitte Oktober noch im Team. Ob er dann auch spielt, ist eine andere Frage. Sollte Westbrook die von Ham angebotene Rolle tatsächlich nicht akzeptieren, gäbe es auch die Option "Roter Knopf", indem man Westbrook klassisch ausbootet und diesen lieber zuhause sitzen hat.

Die Trennung vom Berater hilft den Lakers in dieser Hinsicht nicht, vielmehr könnte es die Fronten weiter verhärten. So oder so: Egal, wie es letztlich ausgehen mag, es ist hochgradig wahrscheinlich, dass es verbittert und schmutzig wird. Wenn Westbrook in seiner Karriere etwas nie war, dann einsichtig.

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