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NBA

NBA - Erpressung oder riesiger Bluff? Wie sich die Los Angeles Lakers 1996 Kobe Bryant angelten

Von Robert Arndt
Kobe Bryant kam via Trade im NBA Draft 1996 zu den Los Angeles Lakers.

Heute vor 26 Jahren wurde Kobe Bryant von den Charlotte Hornets gedraftet. Er sollte kein Spiel für die Franchise machen und später zu einer Ikone bei den Los Angeles Lakers aufsteigen. Dass die Lakers überhaupt die Finger an Bryant bekamen, war vor allem Bryants Agenten und dessen rigorosen Methoden zu verdanken.

Der Glanz der Los Angeles Lakers war Mitte der Neunziger etwas verblasst. Nach der HIV-Diagnose für Magic Johnson und dem abrupten Ende der Showtime-Lakers im Herbst 1991 steckte die Glamour-Franchise über Jahre im Mittelmaß der NBA fest. Zwar qualifizierten sich die Lakers viermal in fünf Spielzeiten für die Playoffs, allerdings wurde in diesem Zeitraum nur eine Serie gewonnen - zu wenig für die hohen Ansprüche in Tinseltown.

Die Wende kam im Sommer 1996, als die Lakers via Free Agency Shaquille O'Neal jagten und im Draft mit Glück und Geschick den Jackpot zogen. Die Klasse von 1996 ist legendär, Spieler wie Allen Iverson, Steve Nash, Ray Allen, Peja Stojakovic oder Stephon Marbury kamen alle gleichzeitig in die Liga, wurden über die Jahre aber von einem damaligen Teenager überstrahlt - Kobe Bean Bryant.

Mit gerade einmal 17 Jahren meldete sich der selbstbewusste Youngster zur Talentziehung an und verkündete, dass er "der nächste Michael Jordan" sein wolle. Bryant hatte in einer Zeit, als das Internet erst langsam seinen Weg in den Alltag der Menschen fand, schon etwas Hype, dennoch gab es auch jede Menge Zweifler am Shooting Guard, der in der Turnhalle seiner High School (vor zahlreichen Kameras und mit Sonnenbrille auf der Nase) verkündete, "seine Talente in die NBA" zu bringen.

Kobe Bryant: Die Legende wird in Philadelphia gestrickt

Den ersten Pick in diesem Jahr hielten ausgerechnet die Philadelphia 76ers, das Team aus Kobes Heimat und die Franchise, welche die meisten Informationen für den Guard hatte. Schon vor dem Draft 1995 hatte Bryant Workouts für das Team absolviert und der damalige GM John Lucas war überzeugt vom Talent des Teenagers.

Lucas war durch seine Tochter auf Bryant aufmerksam geworden, die wie Kobe selbst die Lower Merion High School besuchte. So kam der Kontakt zustande und Bryant durfte 1995 gegen alle potenziellen Draft-Picks in diesem Jahr trainieren. Mit Ausnahme des späteren Nr.2-Picks Antonio McDyess schlug er sie alle, auch Jerry Stackhouse. Dieser streitet bis heute ab, dass er als NBA-Spieler von einem High Schooler hergespielt wurde.

"Für mich war es keine Frage, dass Kobe der beste Spieler war. Er hatte nicht nur die meisten Skills, sondern arbeitete auch härter als alle anderen, die ich jemals gesehen hatte", sagte Lucas später dem Philadelphia Inquirer. Das Problem: Lucas wurde von der neuen Besitzergruppe nach der Saison 1995/96 entlassen - und diese hatten andere Pläne.

Kobe Bryant: Auch New Jersey wollte ihn

Aber nicht nur die Sixers hatten Kobe auf dem Radar, auch der heutige Kentucky-Coach John Calipari, damals Coach der New Jersey Nets war überzeugt, dass in diesem 17-Jährigen ein echtes Juwel schlummerte. New Jersey war eine graue Maus, kein Star wollte im Schatten des Big Apples auflaufen und so gab es innerhalb der Besitzergruppe Zweifel, ob es sich überhaupt lohnen würde, einen 17-Jährigen zu draften, der fünf Jahre später ohnehin wieder weg wäre.

Trotzdem schaffte es Calipari, seine Besitzer zu überzeugen. Bei einem Abendessen mit Bryants Eltern teilte Coach Cal mit, dass er ihren Sohn im Draft mit dem achten Pick nehmen werde. Was Calipari damals nicht wusste: Im Hintergrund zog bereits Kobes neuer Agent Arn Tellem, selbst aus Philadelphia, die Fäden und arrangierte kurzfristig noch ein Workout bei den Los Angeles Lakers.

Der Berater wollte Bryant in die bestmögliche Situation bringen und blockte daher jegliche Anfragen für Workouts oder Interviews mit den Teams, wohl wissend, dass sich keine Franchise trauen würde, ohne jegliche Hintergrundinformationen einen 17-jährigen Guard direkt aus der High School in der Lottery zu ziehen.

Kobe Bryant: Workout gegen Cooper überzeugt Jerry West

Bryant überzeugte West umgehend in seinem Workout, sodass der Hall of Famer ein weiteres Training ansetzte und den früheren Showtime-Edelverteidiger Michael Cooper (damals 40) in die Halle holte, der bereits mehrfach kommende Draft-Picks testete. "Kobe hat ihn vernichtend geschlagen", bilanzierte John Black, damals Pressesprecher der Lakers, später. West war so überzeugt, dass er nach nur 20 Minuten Cooper erlöste. Die Lakers hatten ihren Jungen, nun mussten im Draft nur noch die Würfel richtig fallen.

Am Tag des Drafts rief Tellem schließlich bei den Nets an, um diese zu informieren, dass die Bryant-Familie kein Interesse an einem Engagement in New Jersey hätte. "Ich habe ihnen versucht, unsere Position klar und deutlich zu übermitteln, so professionell das eben ging", erinnerte sich Tellem später gegenüber SLAM.

Dieser zog dabei alle Register und drohte den Nets an, dass Bryant nach Italien wechseln würde, wenn New Jersey Kobe doch an Position acht draften würde. "Sie haben viele Dinge falsch dargestellt. Es war ein Bluff und sie haben gewonnen", ärgerte sich der damalige Nets-GM John Nash später bei ESPN.

Kobe Bryant: Der Sommer, in dem ShaKobe entstand

Die Lakers hatten in der Zwischenzeit einen Deal mit Charlotte eingefädelt, um von Position 24 auf 13 hochzutraden, doch es gab Probleme. Vlade Divac sollte im Gegenzug nach Charlotte gehen. Der stolze Serbe stellte sich jedoch quer und drohte, seine Karriere zu beenden, sollte er tatsächlich getradet werden.

West überzeugte den Center doch noch und musste nun hoffen, dass sein Pokerspiel aufgehen würde. Zwischen 8 und 13 zogen schließlich noch vier andere Teams, die den Lakers in die Suppe hätten spucken können, doch Dallas, Indiana, Golden State sowie Cleveland wählten alle einen Big Man und auch die Nets hatten kalte Füße bekommen und sich lieber für Kerry Kittles entschieden.

In L.A. brach dagegen eine neue Ära an. Wenige Wochen nach dem Draft setzte auch Shaq seine Unterschrift unter den neuen Vertrag und mit ein wenig Anlaufzeit entwickelten sich die beiden zu einem der gefürchtetsten One-Two-Punch aller Zeiten, der in acht Jahren drei Titel errang, bevor die Zweckbeziehung im Streit endete. Kobe Bryant sollte dennoch für 20 Jahre das Jersey der Lakers tragen und zählt zusammen mit West und Magic Johnson zu den größten Lakers-Spielern aller Zeiten.

NBA Draft 1996: So sah die Lottery aus

PickTeamSpieler
1Philadelphia 76ersAllen Iverson
2Toronto RaptorsMarcus Camby
3Vancouver GrizzliesShareef Abdur-Rahim
4Milwaukee Bucks (nach Minnesota getradet)Stephon Marbury
5Minnesota Timberwolves (nach Milwaukee getradet)Ray Allen
6Boston Celtics (via Dallas)Antoine Walker
7Los Angeles ClippersLorenzen Wright
8New Jersey NetsKerry Kittles
9Dallas Mavericks (via Boston)Samaki Walker
10Indiana Pacers (via Denver)Erick Dampier
11Golden State WarriorsTodd Fuller
12Cleveland Cavaliers (via Washington)Vitaly Potapenko
13Charlotte Hornets (zu den Lakers getradet)Kobe Bryant
14Sacramento KingsPeja Stojakovic
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