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NBA Playoffs - Al Horford führt Boston zum Sieg vs. Bucks: Vom Abstellgleis zum wichtigsten Celtic der Serie

Al Horford liefert in Spiel 4 gegen Giannis und die Bucks eine starke Vorstellung ab.
© getty

Al Horford hat mit dem besten Playoff-Spiel seiner Karriere die Boston Celtics in Spiel 4 vor dem womöglich vorzeitigen K.o. gegen die Milwaukee Bucks bewahrt. Der 35-Jährige ist auch im hohen Alter enorm wertvoll und straft damit allen Kritikern Lügen.

"Das ist wirklich selten, aber wenn er mal aus sich herausgeht, dann richtig", sagte Celtics-Guard Marcus Smart zu dem seltenen emotionalen Ausbruch von Al Horford zu Beginn des vierten Viertels, als dieser über Giannis Antetokounmpo dunkte. Der oft stoische Horford machte mit 35 Jahren sein womöglich bestes Playoff-Spiel und unterstrich in dieser Serie noch einmal seinen Wert.

Nein, Horford ist nicht mehr der Giannis-Stopper, der er vor drei, vier Jahren war - keiner ist das - und doch stellt kaum ein Gegenspieler den MVP vor so viele Schwierigkeiten wie der Celtics-Big. Dass Antetokounmpo Horford zuvor im dritten Viertel aufs Poster packte, nagte an ihm, das fiel auch dessen Schwester auf. Die Reaktion des Oldies hatte es in sich.

"So wie er mich angeschaut hat und wie es in diesem Moment lief, das hat mir nicht gepasst. Das hat bei mir einen Schalter umgelegt", so Horford nach dem Spiel. 30 Punkte, fünf verwandelte Dreier - Horford packte die Celtics auf seine Schultern, als es danach aussah, als ob der amtierende Meister in dieser Serie tatsächlich auf 3-1 stellen und Boston an den Rand des Abgrunds drängen würde.

Stattdessen lieferte Horford zu Beginn des vierten Viertels die richtige Antwort, als die Bucks eine 7-Punkte-Führung inne hatten. In nur sieben Minuten erzielte der Big 16 Zähler (6/6 FG) und Boston führte plötzlich wieder mit 4 Punkten. Zwei Jumper aus der Mitteldistanz, der Dunk mit Foul, ein kleiner Hook Shot mit Foul sowie zwei Dreier - Horford zeigte sein ganzes Arsenal an Fähigkeiten, bevor Jayson Tatum den 116:108-Sieg nach Hause brachte.

Al Horford: Der X-Faktor für die Celtics

"Al ist für uns das ganze Jahr über schon wichtig und heute haben wir ihn wirklich gebraucht. (...) Wir wissen, dass wir diesen Wurf zu jeder Zeit bekommen können. Er muss nur aggressiv den Wurf suchen", sagte Coach Ime Udoka. Nicht wenige hätten Horford eine solche Vorstellung vermutlich gar nicht mehr zugetraut, auch wenn er schon über die ersten drei Spiele der beste Akteur in den Reihen der Celtics war.

Big Al war nie der große Scorer, auch nicht als er in seinen besten Jahren der Franchise-Star bei den Atlanta Hawks war. Horford suchte nicht unbedingt den eigenen Wurf, stattdessen war er darauf gepolt, das richtige Play zu machen. In dieser Serie involviert dies häufig Pick'n'Pops, da die Bucks mit Brook Lopez darauf bedacht sind, die Zone abzuriegeln.

Vor gut einem Jahr war Horford schon lange im Urlaub, Jumper nahm er nur zum Spaß an der Freude, nicht in wichtigen Momenten in den Playoffs. Nach seinem Trade zu den Oklahoma City Thunder spielte der Big plötzlich für eines der schlechtesten Teams der Liga und wurde nach 44 Saisonspielen in die Ferien geschickt, weil er schlichtweg zu gut war und die Tanking-Mission der Thunder gefährdete.

Al Horford: Vor zwei Jahren noch abgeschrieben

Dass Horford überhaupt in OKC landete, lag an einem teuren Missverständnis aus dem Jahr 2019, als Big Al die Celtics überraschend verließ und stattdessen für vier Jahre und 109 Millionen Dollar bei den Philadelphia 76ers anheuerte. Die Sixers holten ihn vor allem, um Giannis einzudämmen, doch der Fit mit Joel Embiid und Ben Simmons war nie gegeben, sodass Horford meist teilnahmslos in der Ecke zuschauen musste.

Zu alt, zu langsam, nicht mehr beweglich - das waren die gängigen Bewertungen für Horfords Zeit in der Stadt der brüderlichen Liebe, das im US-Sport so beliebte Wort "washed" fiel nicht selten, auch weil Horford immer wieder Probleme mit dem Knie hatte. Philly lud Horford und dessen Vertrag in OKC ab.

In Boston hatte man aber nicht vergessen, dass man mit Horford als Verbindungsspieler an beiden Seiten des Feldes in vier Jahren zweimal die Conference Finals erreicht hatte. Brad Stevens, damals Coach und nun GM in Beantown, fädelte als eine seiner ersten Amtshandlungen einen Trade für Horford ein und stieß gleichzeitig den toxischen Vertrag des immer wieder verletzten Kemba Walker ab.

27 Millionen für Horford sind weiter eine Menge Holz und es gibt Spekulationen, ob die Celtics ihn nach der Saison nicht doch entlassen (nur 14,5 der 26,5 Millionen für 22/23 sind garantiert), um sich die Luxussteuer zu sparen. Doch nach seinen bisherigen Playoffs sollte man diese Gedankenspiele besser ins Reich der Fabeln verweisen. Horford passt mit seiner Spielweise perfekt zum Team und ist mit seinen Fähigkeiten so einzigartig, dass man ohnehin keinen gleichwertigen Ersatz finden würde.

Al Horford: Die besten Playoffs seiner Karriere?

Der 35-Jährige kann weiterhin als Switch-Verteidiger agieren, aber auch in direkten Duellen gegen Center bestehen. Dies erlaubt Udoka, Bostons Fünfer Robert Williams (der Spiel 4 verpasste) in der Ecke zu parken und in eine Free-Safety-Rolle zu stecken, in der Williams in der regulären Saison aufblühte. Auch gegen Brooklyn hatte Horford seinen Anteil daran, dass Kevin Durant nicht wie gewünscht zur Geltung kam, auch wenn Tatum hier das Scheinwerferlicht bekam.

Bei den Celtics ist man sich der Bedeutung Horfords natürlich bewusst, Smart bezeichnete den Oldie als den "besten Veteran", mit dem er je spielte. Mit durchschnittlich 15,9 Punkten und 9,4 Rebounds bei 56,5 Prozent aus dem Feld und 53,5 Prozent von der Dreierlinie ist Horford nach Tatum und Jaylen Brown bereits der drittbeste Scorer und mehr als nur der Gute-Laune-Onkel für die Kabine.

Horford ist wieder wichtig, in den Playoffs ist er mit seiner Flexibilität noch einmal wichtiger als in der Regular Season, wo er häufiger geschont wurde, auch mit dem Hintergedanken, ihn in einem Playoff-Spiel satte 42 Minuten spielen zu können. Boston brauchte in Spiel 4 jede einzelne, das wird sich in dieser knappen, physischen und hart umkämpften Serie, die man auch als "Pistons vs. Pacers 2004 mit Dreiern" beschreiben könnte, brauchen.

Es ist eine Serie auf des Messers Schneide, Kleinigkeiten werden sie entscheiden. Diesmal war es die Provokation des knurrenden Antetokounmpo, der in Horford eine Aggressivität freisetzte, die man so von ihm eigentlich nicht gewohnt ist.

Celtics vs. Bucks: Die Serie im Überblick

SpielDatumUhrzeitHeimAuswärtsErgebnis
11. Mai19 UhrBoston CelticsMilwaukee Bucks89:101
24. Mai1 UhrBoston CelticsMilwaukee Bucks109:86
37. Mai21.30 UhrMilwaukee BucksBoston Celtics103:101
410. Mai1.30 UhrMilwaukee BucksBoston Celtics108:116
512. Mai1 UhrBoston CelticsMilwaukee Bucks-
614. MaiTBDMilwaukee BucksBoston Celtics-
7*16. MaiTBDBoston CelticsMilwaukee Bucks-

*falls nötig

 

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