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NBA - Die Transformation der Boston Celtics zum Contender: Endlich wieder mit Identität

Jayson Tatum ist das Gesicht der Boston Celtics.
© getty

Die Boston Celtics sind in der Eastern Conference das Team der Stunde und schielen inzwischen sogar auf den Heimvorteil in den Playoffs. Heimlich, still und leise sind die Kelten nach einem schwachen Start zu einem Dark Horse im Titelrennen geworden. Wie haben sie das geschafft?

Philadelphia und Brooklyn dominierten zur Trade Deadline die Schlagzeilen, verständlich, da beide Teams ihre unzufriedenen Stars in Ben Simmons und James Harden tauschten. Dabei ging es beinahe ein bisschen unter, dass auch ein anderes Team im Osten fleißig am Kader bastelte. Die Rede ist von den Boston Celtics, die zwar keinen großen Trade machten, ihr Team aber mit mehreren kleinen Moves austarierten.

Dennis Schröder, Josh Richardson, Romeo Langford, Enes Freedom sowie die keine Rolle spielenden Bruno Fernando, Bol Bol und P.J. Dozier mussten alle gehen, dafür kamen lediglich Daniel Theis und Derrick White, was Boston mit fünf freien Rosterspots dastehen ließ. Diese sind inzwischen gefüllt, was aber bleibt, ist ein klarer Kern, eine klare Identität.

Dieser Trend zeichnete sich schon etwas länger ab, seit Beginn des Kalenderjahres stellen die Celtics die mit Abstand beste Verteidigung der NBA. Boston lässt pro 100 Ballbesitze nur 103,3 Zähler zu, das sind 3,3 Punkte weniger als die zweitplatzierten Dallas Mavericks - ein Klassenunterschied. Entsprechend klettern die Celtics im Osten. Anfang Januar stand das Team von Rookie-Coach Ime Udoka noch bei 18-21, inzwischen ist selbst der Heimvorteil in den Playoffs eine realistische Option.

Im Januar profitierten die Celtics von einem sehr dankbaren Spielplan, inzwischen hat Boston aber einige Statement-Siege (Miami, Denver, Philadelphia, Memphis, Brooklyn mit KD und Kyrie) aneinandergereiht. Was ist also passiert, nachdem es im Dezember noch so aussah, als ob dieses Team sich nicht ausstehen kann und es mal wieder Diskussionen gab, ob Jayson Tatum und Jaylen Brown nicht doch auseinander gerissen werden sollten?

Boston Celtics: Die beste Defense der NBA

"Ich habe das Gefühl, dass unsere Gruppe weiß, was sie kann. Wir wissen, wofür wir stehen", fasste Al Horford richtig zusammen. Udoka hat zu Beginn des Jahres seine Rotation deutlich verkürzt, meist vertraut der 44-Jährige nur acht, manchmal neun Spielern pro Abend. Sie alle haben eines gemeinsam, sie sind gute Verteidiger und können mit Ausnahme von Backup-Guard Payton Pritchard mehrere Positionen verteidigen.

"Unsere Vielseitigkeit ist unser großes Plus. Wir versuchen dem Gegner das zu nehmen, was dieser am besten kann", erklärte Udoka seinen Ansatz. Neben den Miami Heat switcht kein Team häufiger als die Celtics, die somit dem Gegner zumeist das Pick'n'Roll wegnehmen, das Go-to-Play für den Großteil der Teams. Um das auch konstant gut zu auszuführen, braucht es aber die richtigen Spieler.

Boston hat diese vor allem auf den großen Positionen. Robert Williams ist der Schlüssel und Anker der Defense, wenn auch nicht so, wie sich das mancher vorstellen möchte. Der Center verteidigt meist nicht den gegnerischen Fünfer, sondern wird in den Ecken beim schlechtesten Offensivspielers des Gegners geparkt. Somit ist "Time Lord" der ultimative Rettungsanker, der bei Gefahr seinen Gegenspieler verlässt und als Shotblocker auftritt (zugelassene Quote am Ring: nur 53 Prozent).

Dieser Ansatz funktioniert, da Boston neben Williams auch noch mit Horford startet. Der 35-Jährige bleibt ein großartiger Kommunikator und wirkt so frisch wie zuletzt vor drei, vier Jahren. Ein Schnitt von 1,4 Blocks ist so gut wie zuletzt 2015/16, zehnmal schickte Big Al bereits drei oder mehr Würfe an den Absender zurück. Stehen Horford und Williams zusammen auf dem Feld, beträgt das Defensiv-Rating der Celtics gerade einmal 98,2, das Net-Rating wird nur durch Duos aus Golden State und Phoenix übertroffen (+11,8).

Boston Celtics: Mehr Bewegung, mehr leichte Punkte

Und dies sind nur die Bigs. Auch Marcus Smart, Brown und Tatum sind Plus-Verteidiger, sie alle sind lang, physisch und willig. Die Fundamentals für die Celtics sind schlichtweg elitär. Sie lassen laut Cleaning the Glass seit Jahresbeginn die drittwenigsten Abschlüsse am Ring zu, stattdessen kommen 38 Prozent der gegnerischen Würfe aus der Mitteldistanz (Platz 2). Zwar werfen die Gegner drei Prozent schlechter als erwartet (49 zu 52 Prozent eFG), doch selbst wenn dem nicht so wäre, würde Boston immer noch den niedrigsten Prozentsatz aufweisen.

Das Team setzt nun das um, was Coach Udoka bereits zum Saisonstart verlangte. Nach dem schwachen Beginn wurde der Rookie-Coach in Boston schon etwas angezählt, im Februar wurde er nun Coach des Monats und sitzt fester denn je im Sattel. Es brauchte schlichtweg etwas Zeit, um die Prinzipien des Coaches erfolgreich umzusetzen. Nicht unüblich, aber in unseren schnelllebigen Zeit wird dies gerne vergessen.

Mit White wurde die Perimeter-Defense sogar noch einmal aufgepolstert, der Ex-Spurs-Guard ersetzte den zeitweise verletzten Brown sehr gut und half, dass die Celtics auch ohne den einmaligen All-Star weiter ihre Spiele gewannen. Whites Einfluss ist aber auch im Angriff zu vernehmen. Schröder sollte Bostons Spiel schneller machen, der Braunschweiger hatte aber die Tendenz, den Ball zu lange zu halten, was die Offense eher verlangsamte.

White steht dagegen für die klassische Popovich-Schule. Wenig Fehler, schnelle Entscheidungen mit dem Ball, was den Celtics sichtlich gut tut. Sein Wurf bleibt zwar ein Problem (nur 27 Prozent von Downtown als Celtic), dennoch bewegt sich der 27-Jährige auch abseits des Balles viel und hält die Defense so in Bewegung. Bewegung ist auch das Stichwort, genau das braucht es neben Tatum und Brown, die dazu neigen, den Ball selbst zu lange zu halten.

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