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NBA - Boston Celtics stecken im Mittelmaß fest: Trotzdem sollten Jayson Tatum und Jaylen Brown nicht getradet werden

Jayson Tatum und Jaylen Brown sind die beiden All-Stars der Boston Celtics.
© getty

Die Boston Celtics stecken auch in dieser Saison im Mittelmaß fest. Das sorgt für Unruhe, beinahe täglich wird darüber diskutiert, ob die beiden All-Stars Jayson Tatum und Jaylen Brown nicht doch getradet werden sollten. Die Probleme im Team sind aber anderweitig zu verorten.

Sie können es selbst schon nicht mehr hören. Über Monate, wenn nicht gar Jahre, brodelt in und um Boston die Diskussion, ob Jaylen Brown und Jayson Tatum zusammen erfolgreich sein können. "Wir können zusammen spielen", beteuerte Brown nach einem Sieg gegen New York. "Das vergangene Jahr ist nicht wie gewünscht verlaufen, aber wir werden diese Widerstände als Herausforderung annehmen."

Widerstand gibt es in der unruhigen Medienlandschaft von Boston jede Menge, dazu trommelt auch Ex-Celtic und ESPN-Experte Kendrick Perkins fleißig für eine Trennung des All-Star-Duos. Tatum sieht es anders: "Es gibt nicht viele Spieler wie JB in dieser Liga. Das Gras ist nicht immer grüner und ich finde, dass wir zusammen gute Phasen hatten."

Falsch ist das auch nicht, auch wenn es in der laufenden Spielzeit nicht so viele Phasen sind. Insgesamt stehen die Celtics bei einer enttäuschenden 23-22-Bilanz. Nach drei Conference Finals in vier Jahren ist Boston nun schon das zweite Jahr in Serie graues Mittelmaß, obwohl die Franchise mit Brown (25 Jahre) und Tatum (23) zwei der besten jungen Flügelspieler in ihren Reihen hat, die beide bereits All-Stars waren.

Der Reflex, dass dieses Duo deshalb nicht funktioniert, ist nur logisch, greift aber etwas zu kurz. Flügelspieler sind ein rares Gut, jedes Team dürstet nach solchen Akteuren, Boston hat gleich zwei davon, beide vermutlich noch nicht einmal in ihrer Blüte. Außerdem sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Steht das Duo zusammen auf dem Feld (bisher 642 Minuten), erzielen die Celtics pro 100 Ballbesitze gut 6 Punkte mehr als der Gegner.

Boston Celtics: Joel Embiid trifft den Nagel auf den Kopf

Die Probleme im Celtics-Team sind anderer Natur. Sixers-Center Joel Embiid brachte diese mit nur wenigen Worten treffend auf den Punkt, nachdem Philadelphia recht locker in der Nacht auf Samstag mit 111:99 gegen die Celtics gewann.

"Wenn man es mit dem vergangenen Spiel vergleicht, war es heute viel einfacher zu verteidigen", sagte der Kameruner. "Charlotte bewegt den Ball extrem gut und hat überall gute Schützen, die viele Sprungwürfe versenken. Boston isoliert dagegen viel mehr. Das macht es einfacher, Druck auszuüben und sie zu stoppen."

Den Löwenanteil der ISOs verantwortet Tatum, der All-Star ist jedoch ligaweit nur Durchschnitt in Sachen Effizienz und generiert aus diesen Ballbesitzen gerade einmal 0,89 Punkte pro Play. Nur 2019/20 war der 23-Jährige aus Isolations effizient. In dieser Saison sind seine Anteile dennoch gestiegen, folgerichtig verschlechterte sich die Offense der Celtics. Nach drei Jahren in den Top 10 ist Boston derzeit nur 22. ligaweit in Sachen Angriff (109,7 Punkte pro 100 Ballbesitze).

Nur Brooklyn, Milwaukee und OKC isolieren in dieser Saison häufiger, die Celtics verteilen die wenigsten direkten Vorlagen, dazu laufen nur drei Teams (Portland, Houston und Dallas) seltener in Transition als die Celtics. Das geht in Teilen auch auf das Konto der beiden Jays, die zwar einfache Reads machen können, aber keine natürlichen Spielmacher sind.

Jayson Tatum: ISO-Stats in seiner Karriere

SaisonPossessionsPPPFG%Percentile
2017/181,40,8237,144,0
2018/192,10,6333,817,0
2019/203,61,0040,875,7
2020/214,70,8234,041,5
2021/225,30,8935,851,4

Boston Celtics: Ein Königreich für einen echten Point Guard

Wenn ein angesagtes Play mal nicht funktioniert, flüchten sich beide noch zu oft in ISOs. Es fehlt teilweise die ordnende Hand, womit wir beim eigentlichen Problem der Traditions-Franchise angelangt sind. Nach Jahren von gutem Point-Guard-Play angefangen mit Rajon Rondo über Isaiah Thomas, Kyrie Irving und zuletzt Kemba Walker haben die Celtics keinen echten Ballverteiler.

Die besten Passgeber im Team sind die beiden Bigs, Al Horford und Robert Williams, sowie Marcus Smart, dem jedoch die Konstanz und teilweise das Decision-Making abgeht. Dennis Schröder derweil hat zwar wie Smart gute Phasen, ist aber in erster Linie ein "Score-First-Guard", der mit seinen Drives Lücken reißt und weniger als Dirigent einer Offense in Erscheinung tritt.

Dies kann wertvoll sein, jedoch ist Bostons Kader nicht so austariert, um daraus regelmäßig Kapital zu schlagen. Die Jays sind trotz schwächerer Quoten die besten Schützen, während zum Beispiel Grant Williams und Josh Richardson über 40 Prozent netzen, aber von der Defense trotzdem kaum respektiert werden.

Entsprechend schwer ist die Offense teilweise anzuschauen, all die angesprochenen Probleme werden insbesondere in den Schlussphasen von Spielen deutlich, wenn die Intensität der Defense ansteigt und es dem Team von Head Coach Ime Udoka erschreckend oft an passenden Lösungen mangelt.

Boston Celtics: Viertes Viertel als Problem

Die Celtics sind Meister darin, Führungen zu verspielen, zuletzt gesehen beim 25-Punkte-Comeback der Knicks. Boston verbucht im vierten Viertel ein Net-Rating von -7,0, in der Crunchtime sieht es nicht besser aus. Von 25 engen Spielen konnten nur neun gewonnen werden, lediglich die Indiana Pacers kassierten mehr Crunchtime-Pleiten (4-19).

Nun lässt sich argumentieren, dass Boston diese engen Spiele auch hätte gewinnen können und statt 9-16 bei 16-9 stehen könnte (dann wäre man auf Augenhöhe mit Miami und Brooklyn), doch letztlich ist auch NBA-Basketball Ergebnissport und das Gezeigte auf dem Feld und die Bilanz entspricht eher dem, wo sich die Kelten tatsächlich befinden - nämlich im Mittelmaß, trotz der derzeit fünftbesten Defense der Liga.

Auch Celtics-Präsident Brad Stevens weiß, dass der Kader nicht das Niveau der Vorjahre besitzt. Die Abgänge von Irving, Gordon Hayward und zwischenzeitlich Horford haben Lücken gerissen, die ob der schwierigen Cap-Lage nicht adäquat geschlossen werden konnten. "Unsere Kader-Situation ist kompliziert", sagte Stevens kürzlich im lokalen Radio. "Wir werden uns den Monat anschauen und dann sehen, wie es aussieht."

Boston Celtics: Wird Dennis Schröder noch getradet?

Die Celtics werden bis zur Trade Deadline sicherlich nicht ihr Team einreißen, allerdings spricht auch wenig dafür, dass Boston Top-Teams wie Brooklyn, Milwaukee oder Miami gefährlich werden kann. So verwundert es nicht, dass der Name von Schröder in Trade-Gerüchten auftaucht. Der Deutsche wird aus bekannten Gründen nach der Saison nicht zu halten sein, gleichzeitig macht er das Team auch nicht so viel besser wie erhofft.

Stevens wird versuchen, aus einem Trade eine Kleinigkeit herauszuschlagen. Ähnliches könnte für Juancho Hernangomez (22/23 ist nicht garantiert) oder auch Josh Richardson gelten, der ähnlich wie in Dallas konstant inkonstant agiert. Selbst Smart scheint nicht mehr unantastbar, unabhängig davon, dass der dienstälteste Celtic im Sommer eine Vertragsverlängerung über vier Jahre und 76 Millionen Dollar erhielt. Ab dem 25. Januar könnte der Defensiv-Spezialist getradet werden.

Dies mag vielen Fans in Boston nicht gefallen, doch wie es scheint, werden die Celtics mit dem Kern aus Smart/Brown/Tatum/Williams kein Contender sein, wenn Stevens nicht noch einen Flügelspieler mit echten 3-and-D-Qualitäten sowie einen Spielmacher aus dem Hut zaubert. Es wäre ein Anfang gewesen, hätte Boston den Desmond-Bane-Pick einfach behalten, aber das ist eine andere Geschichte.

Dennoch sollten die beiden Jays unantastbar bleiben, ein unmoralisch gutes Angebot mal ausgeschlossen. Sowohl Brown als auch Tatum haben noch Luft nach oben, beide würden von mehr Spacing und mehr Playmaking enorm profitieren.

Das Team der Zukunft, als das sie vielleicht noch vor drei, vier Jahren galten, sind die Celtics nicht mehr. Die Konkurrenz ist größer geworden, die Qualität des Teams hat gelitten. Und doch haben die Celtics weiterhin zwei junge All-Stars, die langfristig gebunden sind. Warum in aller Welt sollte man ausgerechnet das aufgeben?

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