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NBA

Besser als die Lakers, Mavs und Co.: Die Gründe für den überraschenden Grizzlies-Erfolg

Die Memphis Grizzlies müssen bereits seit Wochen auf Franchise-Star Ja Morant verzichten.
© getty

Die Memphis Grizzlies sind im Westen das Team der Stunde, auch ohne den verletzten Superstar Ja Morant. Was sind die Gründe dafür und wie solide ist das Fundament für den Erfolg? Wir blicken auf die Säulen der Siegesserie.

Wir müssen uns noch ein wenig daran gewöhnen, aber der Westen ist in dieser Saison nicht das, was er über die vergangenen mindestens 20 Jahre war - nämlich ein absolutes Blutbad. Stattdessen gibt es drei Spitzenteams (Warriors, Suns, Jazz), viermal Keller (OKC, Pelicans, Rockets, Spurs) sowie jede Menge Mittelmaß - und die Memphis Grizzlies.

Das Team aus Tennessee hat sich die Schwächen, Probleme und Verletzungssorgen der höher eingeschätzten Lakers, Nuggets, Mavs, Blazers oder Clippers zunutze gemacht. Memphis ist inzwischen Vierter im Westen und hat sich bereits einen Vorsprung von drei Spielen auf die Verfolger herausgespielt (Bilanz: 19-11). Im Schatten der Warriors und Suns sind die Grizzlies sogar das heißeste Team der Liga und das obwohl Franchise-Star Ja Morant seit einem knappen Monat fehlt.

Zehn der zwölf Partien haben die Grizzlies jetzt ohne den Point Guard für sich entschieden, nur gegen die Dallas Mavericks und die Portland Trail Blazers musste man sich geschlagen geben. Wie kann das sein? Wir blicken auf vier Eckpfeiler des Erfolgs.

Memphis Grizzlies: Erst Letzter, nun beste Defense der NBA

Zu allererst muss hier die neu gefundene Defensiv-Stärke erwähnt werden. Seit dem Morant-Ausfall beträgt das Defensiv-Rating der Grizzlies gerade einmal 98,1, das ist der mit Abstand beste Wert in der NBA in diesem Zeitraum. Mit Morant stellte Memphis dagegen die schlechteste Defense, 116 zugelassene Zähler pro 100 Ballbesitze waren fast vier Punkte schlechter als der Vorletzte.

Nun wäre die einfache Schlussfolgerung, dass Morant das "Problem" war. Und in der Tat ist der Nr.2-Pick von 2019 einer der schwächeren Verteidiger auf seiner Position, auch wenn ihm der Einsatz nicht abzusprechen ist. Beim genaueren Blick auf die Zahlen ergibt sich jedoch ein etwas anderes Bild und verfestigt die gute, alte Floskel von der "Make-or-Miss-League".

Memphis Grizzlies: Vor und nach der Morant-Verletzung

/BilanzO-RatingD-Rating
Mit Morant9-10109,0 (11.)115,9 (30.)
Ohne Morant10-2114,6 (6.)98,1 (1.)

Das Wurfbild, welches die Grizzlies seit der Morant-Verletzung dem Gegner erlauben, hat sich nur wenig verändert. Das Team von Coach Taylor Jenkins erlaubt wenig Dreier aus der Ecke, ansonsten befinden sich die Grizzlies in so ziemlich allen Kategorien im Liga-Durchschnitt. Während des Laufs lassen die Grizzlies den einen oder anderen Wurf weniger am Korb zu, doch dies erklärt nicht, warum das Team erst auf Kings-Niveau des Vorjahres agierte und nun Gegner reihenweise unter 100 Punkten hält.

Nur Denver spielte bisher weniger Partien mit Clutch-Momenten, deswegen benutzen wir für eine weitere Erklärung die Zahlen von Cleaning the Glass, welche Stats aus der Garbage Time herausfiltert. Hier zeichnet sich ein recht deutliches Bild. In den Partien mit Morant trafen Gegner der Grizzlies unheimliche 42 Prozent ihrer Triples (fast 50 Prozent aus der Ecke), ohne Morant sind es plötzlich nur noch 32,7 Prozent (bzw. 31,5 Prozent Eckendreier).

Auch die Qualität der zugelassenen Würfe ist beinahe unverändert, nur trafen Gegner mit Morant vier Prozentpunkte besser als erwartet, nun vier Prozentpunkte schlechter. So dürften sich die Grizzlies wieder da einpendeln, wo sie auch die vergangenen Jahre waren, im oberen Mittelfeld der NBA.

Memphis Grizzlies: Die Rückkehr von Dillon Brooks

Unabhängig von den Zahlen kann man den defensiven Aufschwung der Grizzlies aber an einer anderen Personalie festmachen. Dillon Brooks verpasste 13 der ersten 17 Saisonspiele und ist neben Morant der Leitwolf des Teams, nicht nur weil der bald 26-Jährige das letzte Überbleibsel der Conley-Gasol-Ära ist.

Brooks hat sich über die Jahre einen Namen als unangenehmer Gegenspieler gemacht, jedes Matchup nimmt er persönlich und reißt sein Team mit. Die Playoff-Serie gegen Utah war Brooks' Coming-Out-Party auf der großen Bühne, in Memphis wissen sie ohnehin seit Jahren, was sie am Shooting Guard haben.

"Er gibt den Ton an", weiß Coach Jenkins, doch Brooks, einst ein Zweitrundenpick, hat sich nun Jahr für Jahr gesteigert. "Dillon ist das perfekte Beispiel für einen Spieler, der weiß, wo er sich verbessern muss", lobte Jenkins nach dem Sieg in Sacramento am Freitag. "Er weiß, dass er sein Playmaking verbessern muss und er tut es. Scoring und Defense waren seine Hauptaufgaben, aber das Playmaking ist die Kirsche auf der Torte."

Scoring hieß bei Brooks auch oft ballern. Der Swingman kennt keine schlechten Würfe, seine Rolle in der Offense war oft ein wenig groß für die unterdurchschnittlichen Quoten. Das sind sie weiterhin und doch ist es bisher Brooks' effizienteste Spielzeit, auch weil er weniger aus der Mitteldistanz abdrückt und vermehrt den Abschluss am Ring sucht.

Gleiches trifft übrigens auch auf Flügel-Kollege Desmond Bane zu, welchen wir vor einigen Wochen bereits auf Herz und Nieren überprüft haben. Dieses Duo und ein Big Man, auf welchen wir gleich zu sprechen kommen, sind das Rückgrat der Morant-losen Grizzlies.

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