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NBA

Olympia - DBB-Star Isaac Bonga im Interview: "Wollen das Team sein, welches der Gegner hasst"

Isaac Bonga ist einer von zwei deutschen NBA-Legionären.

Isaac Bonga hat sich mit dem DBB-Team etwas überraschend für Olympia qualifiziert. Der angehende Free Agent sprach mit SPOX über einen neuen Zusammenhalt im Team und die Ziele für das Turnier.

Dazu blickte der 21-Jährige auf die vergangene Saison mit den Washington Wizards zurück und sprach über seine anstehende Free Agency.

Herr Bonga, zunächst noch einmal Glückwunsch zur Olympia-Qualifikation. Wie waren die Tage danach? Wie wurde gefeiert?

Bonga: Danke. Wir haben danach eine Woche frei bekommen, damit wir zu unseren Familien konnten. Das war auch nötig, weil fast alle von uns direkt nach der Saison zum Team gestoßen sind. Wir haben natürlich nach dem Spiel ein bisschen gefeiert, dann haben sich die Wege aber erst einmal getrennt, bevor wir uns zur Vorbereitung in Trier wieder getroffen haben.

Sie konnten im Finale nicht mitwirken, nachdem Sie sich im Halbfinale gegen Kroatien verletzten. Was macht der Oberschenkel?

Bonga: Es geht besser, aber ich werde immer noch behandelt. Ich hatte auch noch was in der Leiste und bin im Turnier umgeknickt. Dem Knöchel geht es schon viel besser, der Oberschenkel zwickt noch ein wenig, aber ich denke, dass ich zum Start wieder bei 100 Prozent bin.

Worauf lag der Fokus im Training für die Aufgaben bei Olympia?

Bonga: Wir haben uns die Spiele noch einmal angeschaut und wir sind davon überzeugt, dass wir noch besser verteidigen können. Einer meiner früheren Nationaltrainer hat immer gesagt, dass nicht immer alles schlecht ist, wenn man verliert, aber eben auch nicht alles gut ist, wenn man gewinnt. Es gibt bei uns noch Luft nach oben und wir versuchen uns nur auf uns selbst zu konzentrieren. Unsere Identität bleibt, dass wir über Defense ins Spiel kommen, und dann das Spiel schnell machen. Daran wollen wir anknüpfen.

Sie sprechen die Defense an. Ist die defensive Intensität gewissermaßen der Unterschied zu 2019, als das Team auf dem Papier deutlich stärker einzuschätzen war? Sie waren damals auch dabei in der Vorbereitung.

Bonga: Wir wollen die Mannschaft sein, gegen die es der Gegner hasst zu spielen. Wir waren immer unangenehm zu bespielen und sind über den Kampf gekommen. Unsere Spiele waren nicht immer schön, aber wir haben sie gewonnen. Das wollen wir beibehalten und genauso bei Olympia auftreten.

Warum klappte dies besser als 2019, als man nicht immer diesen Eindruck hatte? Hat es auch etwas damit zu tun, dass sich trotz der NBA-Absagen ein Großteil der Spieler schon länger kennt?

Bonga: Genau, wir kennen uns nun schon etwas länger. Wir sind in dem Qualifikationsturnier endlich als Team aufgetreten. Jeder ist sich dem bewusst, das hat sich schon im ersten Spiel gegen Mexiko gezeigt und hat sich wie ein roter Faden durch die vier Spiele gezogen. Jeder hat etwas beigetragen und das ist eher selten. Ich persönlich denke, dass das etwas Besonderes ist. Eine coole Erfahrung.

Bonga: "Wollen der Welt zeigen, was Deutschland kann"

Wir waren etwas überrascht, dass Dennis Schröder mit der Mannschaft nach Kroatien gereist ist. War er dann auch bei den Einheiten dabei und konnte Ihnen helfen? Wenn ja, was für Tipps bekommt das Team von ihm?

Bonga: Überrascht waren wir nicht, das hatte er schon kommuniziert, bevor klar war, ob er spielen kann oder nicht. Es zeigt, was für ein Mensch er ist. Obwohl er nicht mitspielen konnte, war er auf der Tribüne, hat uns angefeuert und leidenschaftlich mitgefiebert. Das ist nicht selbstverständlich, aber zeigt auch sein Commitment zum Team. Aufgrund der Corona-Regeln konnte er aber kaum direkt bei uns sein. Wir konnten ja kaum aus dem Hotel gehen, aber ich habe schon ein wenig mit ihm geschrieben.

Ein anderes Thema war natürlich die Nominierung von Joshiko Saibou. Wie sind Sie innerhalb der Mannschaft damit umgegangen? Es gab diese Entschuldigung, aber es blieben offene Fragen.

Bonga: Du musst professionell bleiben. Wenn ich etwas gelernt habe, dann, dass es in einer Mannschaft um Basketball geht. Alles, was um dich herum passiert, bleibt außen vor. So sind wir die Sache auch angegangen. Wir sind mit einem Ziel nach Kroatien gefahren und wollten die Spiele gewinnen. Natürlich war es in Deutschland ein Thema, aber wir wollten uns davon nicht beeinflussen lassen und unsere Aufgaben erledigen. Etwas Anderes hatten wir nicht im Kopf.

Das haben Sie nun erledigt. Was haben Sie sich für Tokio vorgenommen? Australien, Nigeria und Italien - das ist bereits in der Gruppe ein hartes Los.

Bonga: Wir wollen zumindest mal durch die Gruppenphase kommen. Wir haben starke Gegner, aber auch genügend Selbstvertrauen getankt. Es wird nicht einfach, aber wir gehen mit einem guten Gefühl in die Spiele. Einen echten Favoriten sehe ich in dieser Gruppe nicht. Ich habe alle drei schon gesehen und das nimmt sich glaube ich nicht viel. Wir müssen uns auf uns konzentrieren, unser Spiel machen und dann ist es egal, wer unser Gegner ist.

DBB bei Olympia: Das sind die Termine der Gruppenphase

DatumUhrzeitGegner
25. Juli6.40 UhrItalien
28. Juli3 UhrNigeria
31. Juli10.20 UhrAustralien

Für Sie ist es nun bereits die zweite Bubble innerhalb von einem Jahr. Kann die Erfahrung aus dem Vorjahr in Disney World Ihnen ein wenig helfen?

Bonga: Vielleicht ein wenig. Es gibt Spieler, die sich an den Fans ein wenig hochziehen. Es ist blöd gelaufen, dass wir nun wieder vor leeren Rängen spielen, ansonsten wäre das schon die absolute Krönung gewesen. Aber was sollen wir schon machen? Wir müssen da jetzt durch und versuchen, es so gut es geht genießen, dass wir bei Olympia dabei sind. Wir wollen der Welt zeigen, was Deutschland kann.

Olympia ist vor allem für den Austausch zwischen den Athleten sportartenübergreifend bekannt. Wen hätten Sie gerne getroffen oder mit wem gerne mal Small Talk gemacht?

Bonga: Ich wäre gerne zum Volleyball oder zum Handball gegangen und hätte unsere Teams angefeuert. Einen anderen Sportler, den ich gerne getroffen hätte, kann ich gar nicht nennen. Ich bin eher der Typ, der zurücksteckt, also hätte ich denjenigen womöglich gar nicht angesprochen. Aber klar: Es wäre schon etwas Besonderes gewesen, andere Spitzensportler kennenzulernen. Ich gönne es jedem, da zu sein, aber wir leben nun einmal auch in besonderen Zeiten.

Bonga über Free Agency: "Will kommende Saison NBA spielen"

Kommen wir doch zu Ihrer NBA-Saison. Im zweiten Jahr hatten Sie große Fortschritte gemacht, in der abgelaufenen Spielzeit sind Sie in Washington nicht mehr so zum Zug gekommen. Wie fällt Ihr Fazit bei den Wizards aus?

Bonga: Es ist immer noch ein Lernprozess. Ich bin immer noch dabei zu verstehen, wie man sich empfiehlt, worauf es ankommt. Persönlich war es ein schwieriges Jahr für mich, aber es gab auch viele positive Dinge. Ich bin besser mit dem Ball, aber auch ohne geworden, ich habe Muskeln aufgebaut. Ich finde auch, dass ich als Mensch außerhalb des Basketballs gewachsen bin. Das ist nicht leicht in so einem Umfeld, deswegen sehe ich das Jahr durchaus positiv.

Ist das nicht auch eine Art Teufelskreis? In dieser Saison gab es nur sehr wenig Zeit für Training, wie bietet man sich da an?

Bonga: Während der Saison hatten wir wenig Training zusammen, das ist richtig. Allerdings sind wir auch häufig in Eigenverantwortung in die Halle und haben individuelle Workouts gemacht, um topfit zu bleiben.

Sie wurden bereits einmal in der Offseason getradet, im März gab es Gerüchte, dass Washington Sie abgeben wolle. Wie nimmt man das auf, dass man plötzlich seinen Wohnort wechseln könnte?

Bonga: Man hört das, aber ich versuche solche Dinge auszuschalten - so gut es eben geht. Du bist da mitten in der Saison und da geht es immer nur um das nächste Spiel, so platt das auch klingt. Wir sind alle Profis und es gehört zu unseren Aufgaben, sich vorzubereiten, sei es für deine Mitspieler, die Coaches oder die Fans. Das ist nicht immer einfach, es gibt sicher Spieler, die damit nicht umgehen können, aber auch in solchen Situationen ist das immer ein Lernprozess.

Die Wizards wurden von Corona so hart wie kein anderes Team getroffen. Was sagt es über die Mannschaft aus, dass man am Ende dennoch in die Playoffs gekommen ist?

Bonga: Wir hatten sieben, acht Leute, die es teilweise ziemlich schwer mit Corona erwischt hatte. Dass wir nach dem All-Star-Break dann noch so einen Lauf hingelegt haben, hat uns vermutlich niemand zugetraut. Wir standen bei 17-32 und haben es trotzdem noch in die Playoffs geschafft, das sagt viel über diese Mannschaft aus.

Isaac Bonga: Seine Statistiken in der NBA

SaisonTeamSpieleMinutenPunkteFG%3P%ReboundsAssists
2018/19Lakers225,50,915.20,01,10,7
2019/20Wizards6618,95,050,435,23,41,2
2020/21Wizards4010,82,037,027,71,70,6

Russell Westbrook wurde als Katalysator für den Lauf ausgemacht. Wie ist er als Leader? Wie ist er außerhalb des Feldes?

Bonga: Abseits des Feldes ist er sehr freundlich, auf dem Feld kennen wir es alle, wie er immer Vollgas gibt, niemals aufsteckt. Ich denke schon, dass man sagen kann, dass er jeden einzelnen seiner Mitspieler besser macht - sei es auf oder neben dem Feld.

Sie werden zum 2. August Restricted Free Agent. Haben Sie schon eine Ahnung, in welche Richtung es für Sie geht?

Bonga: Das ist momentan noch schwer zu sagen. Ich bin jetzt bei der Nationalmannschaft und will mich darauf voll konzentrieren. Wenn das Turnier für uns zu Ende ist, werden wir die Gespräche führen, die geführt werden müssen, und dann werden wir weitersehen.

Drei Jahre NBA liegen nun hinter Ihnen. War es rückblickend die richtige Entscheidung, schon mit 18 Jahren direkt den Sprung über den Teich zu machen?

Bonga: Absolut. Diese drei Jahre haben mich als Mensch sehr geprägt. Man sieht so viele Dinge, lernt daraus so viel und schließt so viele Freundschaften, dafür bin ich wirklich dankbar. Deswegen ist es auch mein Ziel, dass ich auch in der kommenden Saison weiter in der NBA spiele.

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