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NBA Playoffs - Sixers-Star Joel Embiid kämpft mit Knieverletzung: Ein Königreich für einen Dunk

Joel Embiid war in Spiel 4 gegen die Hawks sichtlich eingeschränkt von seiner Knieverletzung.

Die Philadelphia 76ers haben eine gute Möglichkeit verstreichen lassen, die Serie gegen die Hawks unter ihre Kontrolle zu bringen. Die Sixers konnten den schwachen Shooting-Abend der Hausherren nicht für sich nutzen, Sorgen macht aber vor allem der Blick in die Zukunft. Muss Philly die Hoffnungen auf den großen Wurf mit einem einbeinigen Center begraben?

Für einen kurzen Augenblick kehrte doch noch ein Lächeln auf das Gesicht von Joel Embiid zurück. Der Sixers-Center saß zuvor mit bedröppelter Miene vor dem Bildschirm der virtuellen Pressekonferenz nach der 100:103-Pleite in Spiel 4 der East-Semifinals gegen die Hawks. Auf einmal änderte sich schlagartig sein Gesichtsausdruck: "Oh mein Gott. Habt ihr den Kawhi-Dunk gesehen?"

Der Poster-Slam von Leonard machte zeitgleich mit der Pressekonferenz seine Runden durch den NBA-Äther. "Wow", sagte Embiid noch zu dem "KawHighlight" getauften Slam, bevor er seinen vorherigen Gedanken wieder aufgriff - und sich seine Miene recht schnell wieder verfinsterte.

"Vom Beginn des Spiels an, war es hart", gab der 27-Jährige einen Einblick in sein Seelenleben, nachdem er einen seiner persönlich bittersten Playoff-Abende erlebt hatte. 17 Punkte und 21 Rebounds lesen sich im Boxscore nicht schlecht, doch der Blick auf die Wurfquoten lässt Übles erahnen: 4/20 aus dem Feld, in der zweiten Halbzeit traf Embiid sogar keinen seiner 12 Versuche - laut ESPN Stats & Info ein trauriger Rekord für die meisten Fehlwürfe ohne Treffer in einem Playoff-Spiel in den vergangenen 25 Jahren.

"Ich hatte das Gefühl, dass ich es heute einfach nicht hatte", sagte Embiid. Mit "es" dürfte der 2,13 Meter große und 127 Kilogramm schwere Center vor allem die Unterstützung seines lädierten Knies gemeint haben. Embiid war für jeden ersichtlich nicht bei 100 Prozent, seine Dominanz aus den vorherigen Partien der Serie hatte er verloren. Für die Sixers ist das eine besorgniserregende Entwicklung.

Von Wilt Chamberlain zum einbeinigen Embiid

Der Meniskusriss in Embiids rechtem Knie, den er sich in der Erstrundenserie gegen die Washington Wizards zuzog, ist schließlich keine Bagatelle, auch wenn er es in den ersten drei Partien der Eastern Conference Semifinals so aussehen ließ. Im Schnitt legte er in diesen drei Spielen 35,3 Punkte, 10,3 Rebounds und 4,7 Assists bei 53,3 Prozent aus dem Feld auf - Wilt Chamberlain war der letzte Sixers-Star, der solche Zahlen in einem solchen Zeitraum vorzuweisen hatte.

Nun war in Spiel 4 aber von Beginn an offensichtlich, dass Embiid dieses Niveau nicht würde halten können - zumindest nicht, während er sich mit einem Meniskusriss herumschleppt. Im ersten Viertel setzte er alle seine vier Wufversuche an den Ring, alle kamen aus der Mitteldistanz. Embiid wollte nicht die gegnerische Zone attackieren, stattdessen versuchte er es erfolglos mit Fadeaway- oder Pullup-Jumpern.

Im zweiten Abschnitt verschwand er dann für einige Minuten in der Kabine, um sich behandeln zu lassen. "Offenbar weiß es eh jeder schon", bestätigte Embiid auf entsprechende Nachfrage, dass ihm sein Knie zu schaffen machte. "Selbst bevor ich in die Kabine gegangen bin, wusste ich, dass ich es heute nicht habe. Ich brauche es nicht mehr zu erklären. Ich versuche einfach, mein Bestes zu geben."

Sein Knie machte ihm an diesem Abend einen Strich durch die Rechnung. Zwar war Embiid nach dem Seitenwechsel teils bemüht, vermehrt Richtung Korb zu ziehen, dort war aber zumeist bei Clint Capela Schluss. Ihm fehlte die letzte Spritzigkeit, um die gegnerischen Bigs zu überpowern. So auch im vorletzten Angriff der Sixers, als er einen eigentlich einfachen Layup liegen ließ.

Joel Embiid fehlt die Spritzigkeit: "Normalerweise dunke ich"

Mit der Chance, knapp zehn Sekunden vor dem Ende die Führung zu übernehmen, bekam Embiid den Ball nach einem Pick'n'Roll von Tobias Harris serviert. Der Center attackierte sofort den Ring, doch John Collins eilte zu Hilfe und erschwerte den Abschluss. Embiids Korbleger ging deutlich daneben, Ben Simmons verpasste im Anschluss, den Tip-in zu verwerten. Trae Young erhöhte auf der Gegenseite von der Freiwurflinie, bevor es Seth Curry in der finalen Possession nicht mehr gelang, die Sixers in die Overtime zu retten.

"Das war ein guter Versuch", gab Embiid nach der Partie zu. "Ich konnte einfach nicht abheben. Ich glaube, ich wurde auch gefoult, aber normalerweise versuche ich den Ball in so einer Situation zu dunken und ein And-One zu ziehen. Aber aus offensichtlichen Gründen konnte ich nicht wirklich abspringen."

Was Philadelphia Sorge bereiten sollte: Embiid bleibt kaum Zeit, um sich zu erholen und das angeschlagene Knie zu regenerieren. Die restliche Serie gegen die Hawks findet im Zwei-Tages-Rhythmus statt, mindestens stehen noch zwei Partien auf dem Programm. Sollte die Serie bis in ein Spiel 7 gehen, müssten die Sixers drei Spiele in fünf Tagen absolvieren. Keine guten Nachrichten für Embiids Knie.

Atlanta Hawks wollen Joel Embiid "auslaugen"

Für die Hawks, die trotz katastrophaler Wurfquoten von 36,6 Prozent aus dem Feld und 30 Prozent aus der Distanz und trotz eines zwischenzeitlichen 18-Punkte-Rückstands den Sieg klauen konnten, ist die Devise für die kommenden Partien deshalb klar. "Sobald du ihn etwas ausgelaugt hast, wird für ihn alles schwieriger", erklärte Capela. "Wenn er müde wird, ist es ein anderes Spiel."

Schon in den vergangenen Jahren war dies ein großer Kritikpunkt am viermaligen All-Star. In den Playoffs war Embiid nicht immer in der Lage, konstant zu dominieren, damals waren es Konditionsprobleme, die ihm zu schaffen machten. Ein Problem, das Embiid in Angriff genommen hat. In der regulären Saison spielte er sich trotz kleinerer Blessuren unter die drei Finalisten auf den MVP-Award, pünktlich zu den Playoffs schien er topfit zu sein, wie in den ersten drei Spielen gegen die Wizards, vor seiner Verletzung, gesehen.

Diese könnte unter Umständen nun einen dominanten Playoff-Run des Kameruners stoppen oder zumindest abschwächen. Es bleibt abzuwarten, ob Spiel 4 gegen die Hawks nur eine Ausnahme war, und er an die starken Auftritte vom Beginn der Serie wieder anknüpfen kann, oder ob Embiid dem Meniskusriss langsam aber sicher Tribut zollen muss

Sollte letzterer Fall eintreten, ist für Philly aber noch nicht alles verloren in dieser Serie. Die Defense machte über weite Strecken von Spiel 4 einen guten Job, nur fehlte eben offensiv jemand, der für Embiid in die Bresche springt. Simmons konnte seine starke Offensiv-Leistung aus Spiel 3 nicht bestätigen, Tobias Harris agierte solide, mehr aber auch nicht.

Das Shotchart von Joel Embiid in Spiel 4 gegen die Hawks

Joel Embiid vor Spiel 5: "Wird wieder auf die Beine kommen"

"Er hatte heute nicht seine beste Offensiv-Performance, aber er hat in der Defense einige wichtige Plays für uns gemacht", betonte Harris den Wert selbst eines verletzten Embiid. "Ich bin nicht hier, um zu beurteilen, wie seine Bewegungen waren oder wie er auf einem Bein aussah. Ich bin nur hier, um Basketball zu spielen."

Gleiches gilt für für Embiid, der seine Verletzung auch im kommenden Spiel 5 in der Nacht auf Donnerstag (ab 1.30 Uhr) nicht als Ausrede gelten lassen wird. "Er ist der dominanteste Spieler in diesem Spiel, egal ob er Würfe trifft oder nicht", sagte Harris. "Wir wissen, was er diesem Team bringt, und ich weiß, dass er im nächsten Spiel wieder auf die Beine kommen wird."

Mut macht, dass selbst ein Embiid auf einem Bein mehr Punkte und Rebounds gesammelt hat als ein fitter Capela - und die Sixers schließlich in den Schlusssekunden noch die Chancen auf den Sieg hatten. Womöglich reicht ein einbeiniger Center, um die Hawks zu schlagen. Doch den Hoffnungen der Sixers auf den ganz großen Wurf dürfte dieses Spiel und die Erkenntnis, das Embiids Meniskusriss eben keine Lappalie ist, einen schweren Schlag versetzt haben.

Sixers vs. Hawks: Die Serie im Überblick

SpielDatumUhrzeitHeimAuswärtsErgebnis
16. Juni19 UhrSixersHawks124:128
29. Juni1.30 UhrSixersHawks118:102
312. Juni1.30 UhrHawksSixers111:127
415. Juni1.30 UhrHawksSixers103:100
517. Juni1.30 UhrSixersHawks
619. JunitbaHawksSixers
7*21. JunitbaSixersHawks
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