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NBA Playoffs - Clippers-Star Kawhi Leonard versenkt die Dallas Mavericks mit historischer Leistung: Doppelter Zerstörer

Nur drei Spielern in der Geschichte der NBA gelang ein ähnliches Playoff-Meisterwerk wie Kawhi Leonard in Spiel 6 gegen die Mavs.

Die Saison der L.A. Clippers stand in Spiel 6 der Erstrundenserie gegen die Dallas Mavericks bereits gewaltig auf der Kippe. Es eilte zur Hilfe: Kawhi Leonard. Auf dem Weg zu einer historischen Playoff-Heldentat war die Klaue nicht zu stoppen. Er rettete die Clippers vor einem erneuten Debakel und in das entscheidende Spiel 7. Der Druck wird dadurch aber nicht weniger.

In der Vita des Kawhi Leonard findet sich bereits das ein oder andere Playoff-Meisterstück. Da wäre in erster Linie natürlich "The Bounce" zu nennen, sein ikonischer Gamewinner im Raptors-Trikot in Spiel 7 der Eastern Conference Semifinals gegen die Sixers. Eine Heldentat von vielen, Spiel 6 gegen die Mavs dürften die Basketball-Historiker ebenfalls in diese Reihe aufnehmen.

Der Druck auf die Clippers war vor dieser Partie immens, die Konsequenzen eines drohenden Erstrunden-Aus gegen Dallas kaum abzusehen. Nach dem Playoff-Debakel in der Bubble drohte beim Stand von 2-3 in der Serie eine erneute Katastrophe in der Postseason und das kurz vor der anstehenden Free Agency von Leonard. Diese Katastrophe droht freilich immer noch, doch nach dem 104:97-Erfolg in Texas dürften die Clippers mit dem Momentum in das entscheidende Spiel 7 gehen, wenn es denn so etwas in dieser verrückten Serie gibt. Immerhin wissen sie Kawhi Leonard in ihren Reihen.

Dass dieser Leonard gerne mal eine Partie auf der größten Bühne im Alleingang entscheiden kann, stellte er in Spiel 6 erneut unter Beweis. 45 Punkte bei überragenden 18/25 aus dem Feld standen beim 29-Jährigen am Ende zu Buche. Allein 12 Zähler markierte er in den finalen acht Minuten - jeder seiner fünf Würfe war dabei ein Treffer -, mit denen er die Clippers vor dem Aus bewahrte.

Ob die Erfahrung aus anderen Playoff-Heldentaten ihm in der Crunchtime von Spiel 6 geholfen habe? "Ich lebe nicht in der Vergangenheit", antwortete Kawhi auf der virtuellen Pressekonferenz nach der Partie in seiner gewohnt stoischen Ruhe. Überschwängliche Euphorie über seine Leistung überließ er lieber den Teamkollegen.

"Der schlimmste Typ auf dem Planeten", nannte Reggie Jackson seinen Mitspieler voller Begeisterung. "Ihr habt einen der besten, wenn nicht den besten Two-Way-Spieler in Höchstform gesehen", pries Paul George die "Klaue". Und Mavs-Star Luka Doncic blieb nichts anderes übrig, als anzuerkennen: "Er hat uns zerstört. Er hatte ein höllisch gutes Spiel. Das macht er nun mal."

Kawhi Leonard: Historische Playoff-Leistung gegen Dallas

Im historischen Kontext betrachtet bringen es die Zusammenfassungen von Kawhis Auftritt von Jackson, George und Doncic durchaus gut auf den Punkt. Laut Elias Sports Bureau trat Leonard mit seiner Performance einem elitären Klub bei: Wilt Chamberlain, LeBron James, Jamal Murray und eben Kawhi sind die einzigen Spieler in der Playoff-Geschichte, die in einem Elimination Game 45 Punkte bei mindestens 70 Prozent Wurfquote auflegten.

Die Clippers benötigten jeden einzelnen Zähler davon. Als sich die Mavs im zweiten Viertel leicht abzusetzen drohten, reagierte die Klaue mit 7 Clippers-Zählern in Folge, um schnell wieder für ausgeglichene Verhältnisse zu sorgen. Im dritten Viertel setzte sich Dallas zwischenzeitlich auf +7 ab. Die Antwort? Ein persönlicher 11:0-Run von Kawhi. In der Crunchtime legte der Forward einen eigenen 8:2-Lauf nach, der L.A. auf die Siegerstraße brachte.

Ansonsten kam von den Clippers nicht viel. Abgesehen von Leonard trafen die Gäste magere 34,6 Prozent aus dem Feld (18/25 FG). Die Rollenspieler waren offensiv mit Ausnahme von Reggie Jackson weitestgehend Totalausfälle (Beispiel: Marcus Morris mit 1/10 FG), auch Co-Star Paul George hatte über drei Viertel so seine Probleme, bevor er in den Anfangsminuten des Schlussabschnitts - als Leonard eine Verschnaufpause bekam - immerhin einige wichtige Treffer zum zwischenzeitlichen Ausgleich beisteuerte.

Dennoch zeigte sich PG-13 selbstkritisch. "Ich muss mehr liefern, ich muss besser spielen", sagte der 31-Jährige angesprochen auf seine Offense und ergänzte mit Blick auf Spiel 7: "Man kann von Kawhi nicht verlangen, dass er das jeden Abend abliefert."

Kawhi Leonard vs. Mavs: Zerstörer auf beiden Seiten

Die Mavs waren machtlos gegen Kawhi in dieser Form. Egal, welcher Verteidiger das große Los zog, Leonard kam zu seinen Spots und versenkte die Texaner mit einem tödlichen Pullup aus der Mitteldistanz nach dem anderen. Am Ende stand er bei 6/7 FG aus der Midrange. Gegen Dorian Finney-Smith, der über weite Strecken der Serie einen guten Job in der Defense gegen den Clippers-Star macht, versenkte er laut ESPN 8 seiner 10 Würfe, das ein ums andere Mal mit Hand im Gesicht.

"Er war etwas enttäuscht, dass er in Spiel 5 nicht gut getroffen hat", verriet Clippers-Coach Ty Lue. "Heute hat er dafür einige gewaltige Würfe getroffen." Damit dürfte er auch einen eiskalten Stepback-Dreier 2:20 Minuten vor dem Ende über Doncic gemeint haben oder seinen finalen Triple über Finney-Smith, die faktisch die Entscheidung brachten.

Es war aber nicht nur die Offense, die diesen Auftritt in Spiel 6 so besonders machte. Es war auch seine Defense gegen Doncic. Wie Lue später erklärte, hatte sich der zweimalige Defensive Player of the Year dieses Matchup vermehrt gewünscht, Ziel war es, den "Kopf der Schlange" so gut es geht auszuschalten. Das gelang Kawhi in Verbindung mit zahlreichen aggressiven Traps sehr respektabel, Doncic konnte dem Spiel nicht wie zuletzt seinen Stempel aufdrücken.

Gleichzeitig attackierte er den Slowenen in der Offense nach Switches, um ihn weiter auszulaugen. "Er war ein großer Faktor in der Defense, schon die gesamte Serie über", lobte auch Mavs-Coach Rick Carlisle. "Die Tatsache, dass er offensiv trotzdem noch die Energie hatte, um diese Würfe am Ende - die meisten davon waren sehr schwer - zu treffen, ist beeindruckend."

L.A. Clippers weiter unter Druck: "Spiel 7 vor dem Spiel 7"

Während Leonard also in der Crunchtime das Heft in die Hand nahm und in absoluter Superstar-Manier einen Big Shot nach dem nächsten versenkte, fehlte den Mavs in dieser Phase der offensive Punch. Dallas traf im Schlussabschnitt nicht einmal 30 Prozent aus dem Feld (7/24 FG), ein Problem, dass Dallas schon länger in diesen Playoffs begleitet.

Vor Spiel 7 am Sonntagabend (ab 21.30 Uhr live auf DAZN) wird sich Dallas aber auch defensiv etwas einfallen lassen müssen, um Kawhi irgendwie in den Griff zu bekommen. Eine Möglichkeit wären vermehrte Double-Teams, vor allem wenn der Supporting Cast der Clippers erneut Probleme beim Shooting haben sollte.

"Ich wollte definitiv noch nicht nach Hause gehen" sagte Leonard nach Spiel 6. "Ich wollte dem Spiel meinen Willen aufzwingen und meine Teamkollegen hatten die gleiche Mentalität. Wir müssen [in Spiel 7] auf Details achten und an uns glauben."

Was gegen die Clippers spricht, ist die Heimbilanz der beiden Teams in dieser Serie. Jede Partie ging bisher an das Auswärtsteam, das gab es zuvor in der Geschichte der NBA noch nie. "Es ist alles in Ordnung. Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht an uns glauben sollten, es ist noch ein Spiel übrig", zeigte sich Doncic deshalb unbesorgt vor dem finalen Gastspiel in der Stadt der Engel.

Der Druck liegt weiterhin bei den Clippers. Sie sind als Favorit in die Serie gegangen mit dem klaren Ziel, einen Championship-Run zu starten. Sie haben sich das Matchup gegen die Mavs ausgesucht. Und sie könnten bei einem Playoff-Aus vor einem Scherbenhaufen stehen. Die Generalprobe im ersten Elimination Game ist immerhin schon mal geglückt, so George: "Für uns war das ein Spiel 7 vor dem eigentlichen Spiel 7."

Mavs vs. Clippers: Die Serie im Überblick - Stand: 3:3

SpielDatumUhrzeitHeimAuswärtsErgebnis
122. Mai21.30 UhrClippersMavericks103:113
226. Mai4.30 UhrClippersMavericks121:127
329. Mai3.30 UhrMavericksClippers108:118
431. Mai3.30 UhrMavericksClippers81:106
54. Juni4 UhrClippersMavericks100:105
66. Juni3 UhrMavericksClippers97:104
77. Juni21.30 UhrClippersMavericks
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