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NBA - Russell Westbrook und der Wizards-Aufschwung: Mehr als nur Triple-Doubles

Russell Westbrook wird bald den Triple-Double-Rekord von Oscar Robertson brechen.

Die Washington Wizards haben sich als eines der heißesten Teams der Liga zurück ins Playoff-Rennen katapultiert. Einen großen Anteil daran hat auch Russell Westbrook, der von einem Rekord zum nächsten eilt - und seinen schwachen Saisonstart vergessen machen will. Es bleibt allerdings ein Problem.

Rückblick: Es ist April 2017, Russell Westbrook hat der NBA-Welt über die vergangenen sechs Monate ein Spektakel geliefert, das viele der damaligen Beobachter und Fans noch nie zuvor mit eigenen Augen gesehen haben. Ein Triple-Double im Schnitt über eine komplette Spielzeit? Das gelang zuvor nur Oscar Robertson 1961/62.

Der Reiz des Unbekannten, wenn man so will, bescherte Westbrook damals den im Nachhinein äußerst umstrittenen MVP-Award, obwohl die Oklahoma City Thunder die Saison nur als Sechstplatzierter im Westen abschlossen. Seither hat der Ruf des Triple-Doubles deutlich gelitten, sicherlich zu einem großen Teil durch Westbrook selbst.

In gewisser Weise ist ein Triple-Double im Jahr 2021 nichts Besonderes mehr, im März errechnete nba.com einen Anstieg der Triple-Doubles von 700 Prozent im Vergleich zu vor neun Jahren, vor allem natürlich dank der deutlich höheren Geschwindigkeit des modernen Spiels - wovon auch Westbrook bei den Wizards, dem Team mit der ligaweit höchsten Pace, profitiert - und dadurch mehr Abschlüssen, mehr Rebounds und so weiter.

"Klar, ich verstehe es, das sind hübsche runde Zahlen. Aber ich habe nie viel von diesem Triple-Double-Zeug gehalten", sagte vor wenigen Wochen Pelicans-Coach Stan Van Gundy, der wie viele andere auch keinen direkten Zusammenhang zwischen Triple-Doubles und dem Teamerfolg erkennen möchte.

Und doch kommt man nicht umhin, fast allmorgendlich beim Blick in den Boxscore zu staunen. Darüber, was eben jener Russell Westbrook derzeit Abend für Abend in den Statistikbogen zaubert. 32 Triple-Doubles in 58 Spielen hat der 32-Jährige in dieser Spielzeit nun schon vorzuweisen, im Mai waren es einmal sechs in Folge. Und das sind alles andere als leere Statistiken.

Westbrook: Ein neuer Triple-Double-König vor der Krönung

Washington ist eines der heißesten Teams der Liga, 13 der vergangenen 16 Partien endeten mit einem Sieg für Washington. In diesen 16 Spielen kam Westbrook im Schnitt auf 21,8 Punkte, 13,6 Rebounds sowie 13,1 Assists, seine historische 14/21/24-Statline gegen die Pacers war das Sahnehäubchen. Nur zwei Spieler in der Geschichte der Association haben zuvor in einer Partie mindestens 20 Rebounds und 20 Assists aufgelegt: Wilt Chamberlain schaffte dies einmal - und Westbrook nun zum zweiten Mal.

Mit dieser Performance stellte Russ sicher, dass er zum vierten Mal in seiner Karriere ein Triple-Double im Schnitt auflegen wird - sieben Spiele vor Saisonende. Und noch mehr Historisches gefällig? Der Point Guard hat nun 178 Triple-Doubles in seiner Karriere angesammelt, ihm fehlen nur noch vier, um Oscar Robertson (181) zu entthronen. Das könnte Westbrook noch in dieser Saison schaffen.

Beflügelt vom neunmaligen All-Star hat sich Team aus der US-amerikanischen Hauptstadt aus dem Tabellenkeller der Eastern Conference - nach den ersten 15 Spielen standen nur drei Siege zu Buche - auf Platz zehn vorgekämpft, der zur Teilnahme am Play-In-Turnier und damit zum Kampf um das letzte Playoff-Ticket berechtigt.

Mehr noch: Die Wizards liegen nur 0,5 Spiele hinter den Indiana Pacers, die Westbrook und die Wizards in der Nacht auf Dienstag demontierten, der Rückstand auf Platz acht und damit eine noch bessere Ausgangsposition im Play-In-Turnier beträgt nur 1,5 Spiele. Auch dank Westbrook sind die Wizards drauf und dran, nach einem katastrophalen Saisonstart ins Play-In-Turnier zu stürmen.

Eastern Conference: Der Kampf ums Play-In-Tournament

PlatzTeamBilanzRückstand
8Charlotte Hornets32-33-
9Indiana Pacers30-341,5
10Washington Wizards30-352
11Toronto Raptors27-395,5
12Chicago Bulls26-396

Westbrook und die Wizards: Mehr als nur Russ

Einen schwachen Saisonstart erlebte auch Westbrook in individueller Hinsicht. Wie er am Montag zugab, spielte er in den ersten Wochen mit einem Riss im Quadrizeps. Die Verletzung erklärt das Fehlen der berühmt-berüchtigten Westbrook-Aggressivität, er agierte nicht so explosiv wie gewohnt.

Hinzu kamen sicherlich Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung im neuen Team, nachdem Westbrook in der Offseason per Trade aus Houston kam. Ein richtiges Training Camp mit den neuen Teamkollegen war nicht möglich, dann wurden die Wizards auch noch schwer von einer COVID-Welle getroffen.

Seit einigen Wochen ist "Brodie" aber wieder gesund, wie er selbst sagt, und das merkt man. Seit etwa Ende März, aber vor allem in den vergangenen 16 Partien scheint er wieder der Alte zu sein, er sprüht vor Energie. Ein Beispiel: Nach nur sechs Dunks in den ersten drei Saisonmonaten, hat Westbrook sein Konto seit März mit 16 weiteren Slams in den vergangenen Wochen kräftig ausgebaut.

Das Erfolgsrezept der Wizards basiert aber natürlich nicht nur auf einem wiederbelebten Westbrook. Hinzu kommt ein Bradley Beal, der um die Topscorer-Krone kämpft, ein Davis Bertans, der sein heißes Händchen von Downtown wiedergefunden hat oder ein Neuzugang wie Daniel Gafford.

Der Center, der kurz vor der Trade Deadline unter anderem für Moritz Wagner aus Chicago kam, hilft als Ringbeschützer in einer generell stark verbesserten Defense. Gleichzeitig hat sich trotz nur 16 gemeinsamer Auftritte bereits eine gute Symbiose zwischen Westbrook und Gafford entwickelt. Letzterer wartet bei den Westbrook-Attacken beispielsweise im Dunker-Spot, wo er von seinem Point Guard gefunden wird, oder bringt eine vertikale Komponente ins Pick'n'Roll.

Russell Westbrook: Seine Statistiken für die Washington Wizards

SpieleMinutenPunkteFG%3P%ReboundsAssists
5835,921,844,131,411,311,2

Westbrook wiedererstarkt - aber mit einem alten Problem

So kreiert das 1,90-Meter-Energiepaket seit dem 7. April, dem Start des Wizards-Aufschwungs, pro Spiel 33,1 Punkte aus seinen Assists für die Teamkollegen. Viele dieser Abschlüsse sind hocheffizient wie die von Gafford in direkter Ringnähe. Waren die Wizards in den ersten Saisonmonaten noch viel zu sehr auf Scoring-Explosionen von Beal angewiesen, funktioniert das Team nun auch mit dem Shooting Guard auf der Bank deutlich besser.

Doch wenn man von der Rückkehr des alten Westbrooks spricht, dann gibt es da immer die Kehrseite der Medaille: Seine eigenen Würfe sind alles andere als effizient. Nur 15 Spieler haben in der laufenden Saison laut Kirk Goldsberry von ESPN mehr Jumper abgefeuert als der Wizards-Star, auf dieser Liste stehen neben dem Namen Westbrook allerdings auch solche wie Stephen Curry, Damian Lillard oder Chris Paul, die dies mit entsprechenden Wurfquoten untermauern können. Westbrook dagegen kommt über die Saison auf eine True-Shooting-Percentage von 50,6 Prozent.

Unter allen High-Volume-Shooter mit mindestens 15 Wurfversuchen pro Partie belegt Russ damit Platz 49 von 51 Spielern. Auch während der heißen Wizards-Phase ist dieser Wert nur geringfügig besser (53,6 Prozent True-Shooting, das wäre Platz 46 in diesem Ranking).

Im Gesamtkontext fiel dies in den vergangenen Wochen nicht so stark ins Gewicht, da die bereits erwähnten Teamkollegen in dieser Hinsicht deutlich besser ablieferten und Washington so schnell spielt, dass so wenig wie möglich im Halbfeld agiert wird. Doch wie wird sich Westbrooks immer noch bestehende Ineffizienz in einem einzelnen Spiel auswirken? Beispielsweise in einem Play-In-Game?

Russell Westbrook: "Keiner kann die Dinge, die er kann"

Wizards-Coach Scott Brooks stellt sich diese Frage nicht. Er sieht in erster Linie mit welcher Energie sein Point Guard das restliche Team antreibt, auch das kann in einem Play-In-Game möglicherweise entscheidend sein. "Kein Point Guard kann die Dinge machen, die er kann. Sie sind nicht so wie er", sagte Brooks, schon seit frühen Thunder-Tagen Westbrooks größter Fan und Verteidiger, nach der Partie gegen die Pacers.

Und er ging noch weiter. "Ich habe immer gesagt, dass er wahrscheinlich als drittbester Point Guard aller Zeiten in die Geschichte eingehen wird, aber ich glaube, dass Russ einen Platz gut gemacht hat", so Brooks. "Manche Point Guards werfen sicherlich besser oder können andere Sachen gut, aber in der Geschichte der NBA kann niemand das Stat Sheet so füllen wie er."

Westbrook hinter Magic Johnson an Position zwei im Ranking der besten Spielmacher aller Zeiten zu setzen, ist von neutralen Gesichtspunkten aus betrachtet natürlich übertrieben. Es zeigt aber auch, wie stark dieser Spieler polarisiert. Der spektakulären Spielweise, den Triple-Doubles und den schier unglaublichen Stats stellt die Analytics-Gemeinde die Ineffizienz eines High-Volume-Shooters entgegen.

Nach seinem Karriereende, irgendwann in ferner Zukunft, wird diese Diskussion sicherlich noch einige Gemüter erhitzen, das tut sie auch jetzt schon. Unbeeindruckt von all Debatten macht Russell Westbrook derweil einfach weiter sein Ding - ganz zur Freude der Wizards. Der umstrittene Trade von Franchise-Star John Wall für Westbrook hat sich bezahlt gemacht, nun wird sich zeigen, ob Washington in den kommenden Wochen den ein oder anderen Großen ärgern kann.

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