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NBA - Draft-Missverständnis Robert "Tractor" Traylor: Die tragische Geschichte von Dirk Nowitzkis Tausch-Partner

Robert Traylor wurde 1998 mit dem 6. Pick von den Dallas Mavericks für die Milwaukee Bucks ausgewählt.

Die Namen von Dirk Nowitzki und Robert Traylor werden aufgrund des Drafts 1998 für immer miteinander verbunden sein. Der "Tractor" war in der High School und auf dem College ein Star, doch Übergewicht und Herzprobleme machten ihm in seiner NBA-Karriere zu schaffen, die letztlich tragisch endete.

Am 11. Mai 2011 warteten die Dallas Mavericks gerade gemütlich auf ihren nächsten Gegner in den Playoffs. Drei Tage zuvor hatten Dirk Nowitzki und Co. mit dem amtierenden Champion Los Angeles Lakers den Boden gewischt und waren per Sweep in die Conference Finals eingezogen.

Rund sechs Flugstunden südöstlich von Dallas telefonierte Robert Traylor von Puerto Rico aus mit seiner Frau. Plötzlich brach die Verbindung ab, sodass Raye Traylor sofort die Verantwortlichen von Traylors damaligem Team auf der Karibik-Insel informierte. Als sie im Apartment ankamen, war der 34-Jährige tot, die Diagnose: Herzinfarkt.

So erlebte Traylor nie den größten Erfolg von Nowitzki, mit dem er, wenn auch völlig unverschuldet, für immer in Verbindung gebracht werden wird. 1998 hatten die Milwaukee Bucks am Draft-Tag einen Deal mit den Dallas Mavericks eingefädelt, der ihnen den sechsten Pick bescheren sollte. Dafür gaben sie Nr. 9 und Nr. 16 ab. Dallas stellte nur eine Bedingung: Lasst an Position sechs die Finger von Dirk Nowitzki.

Robert Traylor gegen Dirk Nowitzki: Der einseitigste Trade aller Zeiten?

Das taten die Bucks und sagten Dallas, dass sie eben jenen Traylor für sie wählen sollten, gleiches taten die Mavs drei Picks später mit Nowitzki. Der Deutsche galt zwar bereits damals als Insidertipp, nicht zuletzt wegen seines famosen Auftritts beim Nike Hoop Summit einige Wochen zuvor, dennoch herrschte Skepsis in der NBA rund um Europäer.

Zu leicht, zu weich, das waren einige Vorurteile, mit denen Nowitzki zu kämpfen hatte. Traylor repräsentierte exakt das Gegenteil, entsprechend optimistisch waren auch die Journalisten und Draft-Experten der damaligen Zeit, als sie einen der im Nachhinein einseitigsten Trades aller Zeiten beurteilten.

Der Bankraub: So landeteten die Dallas Mavericks Dirk Nowitzki im Draft 1998!

"Die Bucks haben alles richtig gemacht und den talentierten und vermarktbaren Robert Traylor von den Mavs für einen überhypten ausländischen Teenager geklaut", schrieb Sports Illustrated. Das war keine Ausnahme: Traylor war zur Zeit des Drafts ein kleiner Star.

Mit 2,06 Meter und einem Gewicht von knapp 140 Kilo war der Youngster eine imposante Erscheinung und lief im renommierten McDonald's All-American-Spiel, in dem sich die besten High Schooler des Landes miteinander maßen, an der Seite von Kevin Garnett, Vince Carter oder auch Paul Pierce auf.

Robert Traylor: Zwischen Oliver Miller und Charles Barkley

Geboren in Detroit wuchs Traylor in ärmlichen Verhältnissen auf, alleine das Tragen des Jerseys der Michigan Wolverines erfüllte den Power Forward mit großem Stolz. Auch dort sorgte er für Furore, unter anderem zerstörte er bei einem Spiel in bester Shaq-Manier die Korbanlage bei einem Dunk. In seinem dritten College-Jahr legte Traylor im Schnitt ein Double-Double (16 Punkte, 10 Rebounds) auf und wurde im Big-10-Tournament zum MVP gewählt.

In einer Zeit, als die Power-Forward-Position in der NBA von Kanten wie Karl Malone, Tim Duncan, Charles Oakley oder Antonio Davis dominiert wurde, schien Traylors Spiel wie maßgeschneidert. Er war nicht nur bullig, sondern hatte auch aus dem Post einen hervorragenden Touch. 140 Kilo ließen sich indes nicht wegdiskutieren, diese Fragezeichen waren für den "Traktor" immer da.

Vergleiche mit Oliver Miller, einem ebenfalls enorm übergewichtigen Center der Suns, begleiteten Traylor schon früh. Scouts waren dennoch überzeugt, dass er dieses Problem in den Griff kriegen und eher eine Karriere wie Hall-of-Famer Charles Barkley hinlegen würde, der zu Beginn seiner Laufbahn ebenfalls mehrere Pfunde zu viel auf den Rippen hatte.

Robert Traylor: Er versorgte 20 Familienmitglieder und Freunde

"Die Bucks haben eine sehr kluge Wahl getroffen", lobte darum die lokale Zeitung, das Journal Sentinel. "Tractor" tauchte schon vor seinem ersten Spiel in einer Schuhwerbung auf, weitere Spitznamen waren "Big Man" oder "Barkley Jr." für den charismatischen Youngster, auf dem die Hoffnungen einer ganzen Familie lasteten.

Die Detroit Free Press berichtete 2009, dass Traylor bis zu 20 Familienmitglieder und Freunde mit seinem NBA-Gehalt versorgen musste. Einmal erhielt er eine dreijährige Bewährung wegen Steuerhinterziehung, weil er seinen verurteilten Cousin, einen Drogendealer, schützen wollte und für diesen offenbar im großen Stil Geld wusch.

Ob all diese Nebenkriegsschauplätze Traylors Leistungen beeinflussten? Darüber lässt sich nur spekulieren. Fakt ist, dass sich das Spiel eben durch Spieler wie Nowitzki änderte und Kraftpakete wie Traylor immer weniger gefragt waren. Ironischerweise war er der Spieler, der seinen Stil nie erfolgreich auf die NBA übertragen konnte.

Nach nur zwei Jahren und durchschnittlich 4,5 Punkten sowie 3,2 Rebounds tradeten die Bucks Traylor nach Cleveland, ein Jahr später wurde er nach Charlotte weitergereicht, ohne sich nachhaltig empfehlen zu können.

Robert Traylor: Seine Statistiken in der NBA

TeamSpieleMinutenPunkteFG%ReboundsBlocks
Milwaukee9313,34,551,43,20,7
Cleveland14417,65,646,74,40,9
Charlotte6111,14,551,43,10,6
New Orleans14012,84,547,73,70,5

Robert Traylor: Großes und kaputtes Herz

An der Seite von LeBron James sollte Traylor, völlig außer Form, mit 27 Jahren in der 04/05er Spielzeit bereits seine letzte NBA-Saison absolvieren, bevor er über sechs Jahre durch die Basketball-Welt tingelte. Zuvor war ein Vertrag mit den New Jersey Nets geplatzt, weil Traylor nach einer Herzkammer-Operation in der Offseason durch den Medizincheck fiel. Statt in der NBA tuckerte "Tractor" in der Türkei, Italien, Mexiko und Puerto Rico über das Feld.

Nowitzki sammelte individuelle Auszeichnungen, stieg zum Superstar auf. Wie sich Traylor dabei fühlte, ist nicht bekannt. Es gibt schlichtweg keine Zitate des Traktors über den Deutschen. Was hätte er auch sagen sollen? Dass die Bucks einen der schlechtesten Trades aller Zeiten einfädelten, ist Traylor nicht anzulasten. Es war letztendlich auch nur der Aspekt einer tragischen Geschichte, der diese im Gegensatz zu vielen anderen im Gedächtnis halten wird.

"Er war einer der Anführer des Teams", sagte Jose Carlos Perez, Manager der Bayamon Cowboys, Traylors letztem Team, nach dessen Tod. "Er war sehr freundlich und hat sich mit jedem gut verstanden. Die Fans haben ihn geliebt."

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