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NBA - Die neue Generation der San Antonio Spurs: Gregg Popovichs letzter Streich?

Gregg Popovich ist seit 1996 der Coach der San Antonio Spurs.

Die San Antonio Spurs hingen in den vergangenen Jahren mit alternden Stars im Mittelmaß fest. LaMarcus Aldridge und DeMar DeRozan stehen zwar noch immer im Kader, doch Coach Gregg Popovich leitet im Herbst seiner Trainer-Laufbahn noch einmal einen Neuaufbau mit einigen jungen Wilden ein. Wie steht es um die jungen Spurs nach einem vielversprechenden Start?

"Gerade als ich dachte, dass wir 72 Spiele gewinnen werden, werde ich enttäuscht", hielt Spurs-Coach Gregg Popovich nach der ersten Saisonniederlage seiner Mannschaft im dritten Spiel in New Orleans (92:95) fest. Seinen Humor hat der 71-Jährige nicht verloren, auch nicht nachdem die Spurs in der vergangenen Saison erstmals in einer vollen Popovich-Saison die Playoffs verpassten.

Die Serie von 22 Playoff-Teilnahmen, ein NBA-Rekord, war gerissen und doch war es womöglich das Beste, was der Franchise hätte passieren können. Die Texaner waren trotz geringer Chancen auf die Playoffs beim Restart in Orlando dabei und mussten auf LaMarcus Aldridge verzichten, der im Frühjahr 2020 plötzlich den Dreier für sich entdeckt hatte.

Popovich, in seiner Regentschaft am Alamo River bekannt für seine Härte gegenüber Rookies, machte aus der Not eine Tugend und nutzte die acht Spiele in der Bubble dafür, um seinen jungen Spielern Chancen zu geben. Nicht nur das: Auch Co-Trainerin Becky Hammon übernahm eine größere Rolle und agierte bisweilen als Head Coach.

San Antonio Spurs: Neuer Spielstil auch für die Veteranen

Das Experiment ging auf, San Antonio begeisterte in der Bubble (5-3) und schrammte letztlich nur knapp an einer weiteren Postseason-Teilnahme vorbei. Um den jungen Guards wie Lonnie Walker oder Keldon Johnson mehr Spielzeit zu verschaffen, wurde Shooting Guard DeMar DeRozan auf die Vier gestellt. So wurden mehrere Probleme auf einmal gelöst.

Die Youngster konnten sich austoben, aber die Spurs wurden auch moderner. Während zu Beginn der Spielzeit 2019/20 DeRozan und Aldridge einen Mitteldistanzwurf nach dem anderen nahmen, standen nun mehr (willige) Schützen auf dem Feld. Es wurde schneller gespielt, der Korb wurde häufiger attackiert, der Basketball erinnerte mehr an 2020 als an 2010.

Trotz Aldridges Rückkehr wird dieser Trend auch in der aktuellen Saison fortgesetzt, das machte Popovich schon vor dem Saisonstart klar. "Wir wollen die Philosophie aus Orlando weiter verfolgen und jeder unserer Spieler muss sich daran anpassen", erklärte der Head Coach und sendete so ein Zeichen an die Veteranen.

San Antonio Spurs: Altbacken war gestern

Die Zeiten, in denen die Spurs für ihre altbackene Spielweise belächelt wurden, sollen vorbei sein. "Wir haben keinen Titel gewonnen, wir waren nicht in den Playoffs. Wir müssen uns ändern, anders spielen", forderte Popovich, der es über 25 Jahre nun mehrfach geschafft hat, sich nicht neu zu erfinden, aber gewisse Trends setzte, sie aufschnappte und sie mit seinem vorhandenen Personal verschmelzen ließ.

Und bislang ist das auch zu sehen. Die Spurs spielen weiterhin schnellen Basketball (wie in der Bubble haben sie eine Pace von 105), erzielen weit über 50 Zähler pro Spiel in der Zone (Vorsaison: Letzter mit rund 42) und sie versuchen mehr Dreier.

Zwar sind 31 pro Spiel weiterhin ausbaufähig, aber es ist ein positives Zeichen, dass sowohl Aldridge (11 in drei Spielen) als auch DeRozan (8) die Würfe nicht komplett verweigern. Letzterer traf beim Sieg gegen Toronto sogar gleich drei Distanzwürfe und ist inzwischen in der All-Time Scoring List unter den ersten 100 vorzufinden.

Zwar verloren die Spurs in New Orleans, dennoch zeichnete sich auch hier ein Trend ab. DeRozan und Aldridge punkteten nur im einstelligen Bereich, dafür lieferte vor allem das Trio aus Johnson (Alter: 21), Walker (22) und Dejounte Murray (24) offensive Produktion. "Wir haben frische Beine, es ist jetzt an uns, dass wir vorangehen", gab Walker die Marschrichtung nach der Pelicans-Pleite für die jungen Spurs vor.

San Antonio Spurs: Das wilde Guard-Duo Murray/Walker darf sich beweisen

Der Shooting Guard ist inzwischen bei den Spurs gesetzt, nachdem sich die Fans fast ein komplettes Jahr wundern mussten, warum ihn Popovich an einer solch kurzen Leine ließ. Die Rechnung war jedoch einfach. Walkers Wurfauswahl sowie seine Bereitschaft für Defense waren nicht in dem Maße gegeben, wie es Popovich einfordert.

Bei Murray ist dies kein Problem, der spindeldürre Point Guard definiert sich über seine Verteidigung und ist mit 24 Jahren schon im fünften Jahr in der Pop-Schule. Ein Kreuzbandriss im Herbst 2018 stoppte den Edelverteidiger in seiner Entwicklung, das Vertrauen in den Guard ist aber weiter da, wie schon seine Vertragsverlängerung 2019 über vier Jahre und 64 Millionen Dollar zeigte.

Murray ist kein klassischer Point Guard, entsprechend ist er in dieser Hinsicht weiterhin sehr fehleranfällig mit seinen Drives, dafür ist er der beste Athlet bei den Spurs und der Stopper des besten Guards des Gegners. Beim Thema Playmaking hilft ohnehin DeRozan, der so viel initiiert wie noch nie zuvor in seiner Karriere.

Problematisch gestaltet sich dagegen weiter Murrays Dreier. Im Vorjahr standen zwar immerhin 36 Prozent zu Buche, allerdings wurde der Guard dabei kaum verteidigt und hatte kein hohes Volumen. Will er zu den besseren Startern auf der Eins gehören, muss das besser werden, die ersten drei Spiele machten zunächst einmal wenig Hoffnung (2/9 Dreier).

San Antonio Spurs: Die Statistiken der jungen Wilden

SpielerMinutenPunkteFG%3P%ReboundsAssistsPick (Jahr)
Dejounte Murray30,615,051,322,25,79,029 (2016)
Lonnie Walker IV31,115,348,647,44,01,718 (2018)
Keldon Johnson30,414,042,930,08,32,729 (2019)
Devin Vassell14,63,330,840,03,30,711 (2020)

San Antonio Spurs: Vertrauen in die eigenen Youngster

Trotz allem findet Murray mit wackligem Wurf immer wieder Wege in die Zone. Wie auch seine Kollegen: Walker, DeRozan und Johnson slashen beständig in Richtung des Korbs. Johnson ist offensiv weiter sehr roh, beim Zug zum Korb gibt es meist nur ein Tempo und eine Richtung, dennoch ist seine Spielweise erfrischend. Der 21-Jährige hat sich in der Bubble festgespielt und Pop davon überzeugt, nicht mit einem zweiten Big wie meist Trey Lyles zu beginnen.

Der Coach traut dem Kentucky-Export trotz nur 1,96 Meter Körpergröße auch die großen Matchups zu. Gegen Toronto bekam Johnson es mit Pascal Siakam zu tun, einen Tag später wartete der 30 Kilo schwerere Pelicans-Star Zion Williamson, den er im direkten Duell bei 2 Punkten und 1/6 aus dem Feld hielt.

"Keldon war in diesen Situationen großartig. Er wird einmal ein richtig guter Two-Way-Player werden", lobte auch Popovich, der auf seine alten Tage anscheinend Freude an der Aufgabe bekommen hat. Mit Nr.11-Pick Devin Vassell steht zudem schon der nächste Youngster in den Startlöchern, der Guard zeigte in seinen durchschnittlich knapp 15 Minuten pro Spiel Ansätze, wird sich aber erst einmal hinten anstellen müssen.

San Antonio Spurs: Wohin geht die Reise?

Erst recht, wenn San Antonios bester Guard wieder zur Verfügung steht. Derrick White (26) erholt sich derzeit noch von einer Zehen-Operation, dennoch hat der Spielmacher bereits eine vorzeitige Vertragsverlängerung über vier Jahre und 70 Millionen Dollar in der Tasche. Der Guard soll in den kommenden Wochen wieder dazustoßen und ist ein weiteres Puzzleteil für die neue Spurs-Philosophie.

Wohin diese die Spurs in dieser Saison führen wird, ist noch unklar. Der Westen kennt auch in dieser Saison kein Erbarmen, sodass San Antonio trotz gutem Start womöglich hart um das Play-In-Turnier (Platz 7 bis 10) kämpfen muss. Sicher sind andere Dinge.

San Antonio macht nach Jahren im Mittelmaß endlich wieder Spaß - die Rückkehr der Fiesta-Jerseys geben dem Ganzen auch noch eine nette Komponente. Dass sie nicht 72-0 gehen werden, ist da sicherlich zu verschmerzen.

San Antonio Spurs: Die kommenden Spiele

DatumUhrzeitGegnerOrt
31.12.20202.30 UhrLos Angeles LakersH
02.01.20212 UhrLos Angeles LakersH
04.01.20211 UhrUtah JazzH
06.01.20214 UhrL.A. ClippersA
08.01.20214 UhrLos Angeles LakersA
10.01.20212 UhrMinnesota TimberwolvesA
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