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Tennis

Boris Becker: Alle Entwicklungen und Antworten zum Prozess gegen die Tennis-Legende

Von SPOX
Im schlimmsten Fall müsste Boris Becker ins Gefängnis gehen.

Am heutigen Freitag wird das Urteil im Prozess gegen die deutsche Tennis-Legende Boris Becker verkündet. Sollte der 54-Jährige zu einer Haftstrafe verurteilt werden, müsste er ins Gefängnis gehen. Doch in welche Strafanstalt würde Becker gesteckt werden? Und wie lange müsste er im schlimmsten Fall dort einsitzen? SPOX beantwortet die wichtigsten Fragen.

Boris Becker, Prozess: Wie lautet die Anklage gegen die Tennis-Legende?

Bereits am 8. April befand eine Jury von zehn Geschworenen Becker für teilweise schuldig. Vier der 24 Anklagepunkte sahen die Justiziare als erwiesen an. Darunter fielen die Nicht-Offenlegung von Besitztümern, die Verschleierung von Schulden sowie mehrere Transaktionen unerlaubt hoher Summen auf andere Konten.

Ursprünglich waren auch verheimlichte Trophäen-Werte auf der Anklageliste gestanden. Diese befand die Jury jedoch als nicht ausreichend erwiesen an.

Boris Becker, Prozess: Wie könnte das Urteil lauten?

Im schlimmsten Fall sehen die Gesetze in Großbritannien eine Haftstrafe von sieben Jahren für Beckers Vergehen vor. Jedoch liegt auch eine Verurteilung auf Bewährung oder eine (hohe) Geldstrafe im Bereich des Möglichen. Becker kann den Richterspruch anschließend noch anfechten.

"Bei einem Schuldspruch in vier Anklagepunkten bedeutet das nicht automatisch, dass die Strafe vier Mal so schwer sein muss wie bei nur einem Anklagepunkt", sagte der Rechtsexperte Shiv Haria Shah im Gespräch mit dem ARD-Studio London.

Boris Becker im Steckbrief

Vollständiger NameBoris Franz Becker
Geburtstag22. November 1967
GeburtsortLeimen
Größe1,91 Meter
1. Profisaison1984
Rücktritt25. Juni 1999
Spielhandrechts (einhändige Rückhand)
Karrieretitel49
Grand-Slam-Titel6 (Australian Open 1991, 1996; Wimbledon (1985, 1986, 1989); US Open (1989)

Boris Becker, Prozess: Wie wahrscheinlich ist eine Gefängnisstrafe?

Nach Einschätzung des Rechtsexperten Patrick Jacobshagen ist eine Gefängnisstrafe "sehr wahrscheinlich. Dafür kann es schon einige Jahre Haft geben. Drei bis vier Jahre, nach Einschätzung anderer Kollegen bis zu fünf. Die Höchststrafe von sieben Jahren wird dagegen selten verhängt", so Jacobshagen im Gespräch mit Focus Online.

Zwar unterscheiden sich die Rechtsordnungen in Großbritannien und Deutschland voneinander, "bei diesem Straftatbestand sind sie aber recht einheitlich", so der Experte. "Wer als insolvente Person falsche Angaben über sein Vermögen macht, muss mit hohen Strafen rechnen. Das anglo-amerikanische Recht, hier das britische, gilt als knallhart."

Boris Becker, Prozess: Wer fällt Urteil und Strafmaß?

Das Urteil und das damit verbundene Strafmaß wird von der britischen Richterin Deborah Taylor verkündet und zur Mittagszeit erwartet. Taylor gilt als harter Brocken bei Gerichtsurteilen und ist vor allem wegen ihres Prozesses gegen den Wikileaks-Gründer Julian Assange bekannt. Diesen verurteilte sie im Mai 2019 zu 50 Wochen Haft, nachdem er gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte.

"Die Richterin wird den Zustand des Angeklagten berücksichtigen und auch wie schwer der Schaden war, den sein Verhalten verursacht hat", so Haria Shah. "Die Verteidigung wird Argumente für mildernde Umstände vorgebracht haben, auch die Staatsanwaltschaft macht Vorschläge zum Strafmaß. Letzten Endes liegt die Entscheidung aber allein bei der Richterin."

Taylor hatte bereits während der Verhandlung immer wieder darauf verwiesen, dass Becker bei einem Gerichtsverfahren wegen Steuerhinterziehung 2002 in München bereits zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt worden war.

Boris Becker, Prozess: Wann müsste die Tennis-Legende die Haftstrafe antreten?

Sollte Becker ins Gefängnis müssen, müsste er seine Haftstrafe noch heute antreten. Daran würden auch etwaige Einsprüche von Seiten Beckers nichts ändern.

Boris Becker, Schuldspruch: In welches Gefängnis würde die Tennis-Legende kommen?

Bei einer Haftstrafe würde Becker wohl in das Gefängnis Wandsworth im Südlondoner Stadtbezirk London Borough of Wandsworth kommen.

Die Strafanstalt nahm 1851 ihren Betrieb auf und ist derzeit - nach der Liverpooler Strafanstalt - das zweitgrößte Gefängnis in Großbritannien. Einst war es ein reines Männer-Gefängnis, mittlerweile werden aber auch Frauen dort untergebracht. Insgesamt haben dort 1416 Straftäter Platz.

Das Gefängnis besteht aus zwei Gebäudekomplexen. Im Heathfield Centre, dem Hauptgefängnis, sind die Gefangenen in fünf Flügeln mit je vier Stockwerken untergebracht. Der kleinere Komplex namens Onslow Centre besteht aus drei Flügeln und verfügt über eine Kapazität von 330 Gefangenen. Dort sitzen zumeist Sexualstraftäter.

In Letzterem wurde 2010 auch für kurze Zeit Assange untergebracht. "Dort gab es verrückte Pädophile, die die ganze Nacht immerzu lauthals von ihren Verbrechen erzählt haben. Man hörte ihre Rufe die ganze Nacht hindurch", schilderte er in einem späteren Interview.

Eine Recherche der BBC brachte 2016 zudem den weit verbreiteten Drogenkonsum im Gefängnis ans Licht. "Überall riecht es nach Cannabis", heißt es dort. Die BBC-Reporter verbrachten 2016 eine ganze Woche im Inneren des Gefängnisses und bekamen dies hautnah mit.

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