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Fussball

Ex-BVB-Nachwuchstrainer Benjamin Hoffmann im Interview: "Als U19-Coach ist man nicht Trainer von einem selbst"

Benjamin Hoffmann trainierte bis 2019 die U19 des BVB.

Inwiefern?

Hoffmann: Aus Sicht der Nachwuchsabteilung gesprochen war sein Abgang enorm schade, weil der Austausch sehr innig war. Er ist ein großer Förderer junger Spieler, wie man aktuell in Leverkusen am Beispiel Florian Wirtz wieder sieht. Peter hat richtig Bock darauf, diese Jungs einzubauen. Sein Co-Trainer Hendrie Krüzen hat sich auch jede Woche bei mir gemeldet und gefragt, wie unser Spiel gelaufen ist und wie ich die Leistungen der Spieler bewerte.

Sie hatten beim BVB einige der größten Talente der letzten Jahre unter Ihren Fittichen. Welche waren die drei besten?

Hoffmann: Da gibt es viele, die ich nennen könnte, aber ich entscheide mich jetzt mal für Jacob Bruun Larsen, Jadon Sancho und Gio Reyna. Bei allen hat man auf Anhieb gemerkt, dass sie es ganz schnell nach ganz oben schaffen werden.

Hoffmann: "Jadon Sancho ist ein echter Straßenköter"

Sancho hat unter Ihnen sechs Spiele gemacht und vier Tore erzielt. Wie würden Sie ihn beschreiben?

Hoffmann: Jadon ist ein echter Straßenköter, der immer der Beste sein will. Ich musste ihm seine Freiheiten lassen, weil ich ihn sonst nicht für die U19 hätte motivieren können. Sein bestes Spiel hat er in der Youth League gegen Real Madrid gemacht. Da hat er mit Jacob Bruun Larsen und Alex Isak in der offensiven Dreierreihe gespielt. Er wusste, dass alle zugucken, das Spiel im Fernsehen übertragen wird und er beweisen konnte, dass er eigentlich nicht hier sein müsste. Wir haben 5:3 gewonnen.

Wieso konnte sich Isak in Ihren Augen bei keinem der vier Profitrainer, die ihn begleiteten, durchsetzen?

Hoffmann: Er war ähnlich wie Jadon kein Jugendtransfer, daher kann ich die Idee hinter seinem Transfer auch nicht erklären. Der Unterschied: Bei Jadon hat man in den Spielen bei der U19 sofort seine Klasse gesehen. Bei Alex war das nicht so. Dieser Kritik musste er sich stellen. Als Trainer wünscht man sich von einem Jungprofi natürlich schon, dass er einen klaren Tick besser ist als seine neun Mitspieler.

Sie haben Youssoufa Moukoko zwar nie selbst trainiert, aber ihn häufig spielen sehen. Ergibt es in seinem Alter von 15 Jahren Sinn, ihn wie angekündigt bereits zur kommenden Saison bei den Profis trainieren zu lassen?

Hoffmann: Ich glaube, dass er dort körperlich und fußballerisch mithalten kann. Er hat sich in den letzten zwei Jahren unter Sebastian Geppert ungeachtet seiner fußballerischen Qualitäten menschlich extrem weiterentwickelt und ist deutlich gereift.

Hoffmann: "Ich fühle mich als U19-Coach von Mainz 05 sauwohl"

Ein letzter Name noch: Was raten Sie nun Ihrem ehemaligen Spieler Tobias Raschl, der zu den Top-Talenten gehört, bereits einen Profivertrag besitzt und auch immer wieder zum Spieltagskader zählt, angesichts der großen Konkurrenz auf seiner Position aber kaum realistische Chancen hat?

Hoffmann: Am wichtigsten ist Spielpraxis. Die Spieler brauchen Vereine, in denen sie spielen, damit ihre Entwicklung fortgesetzt werden kann. Siehe Luca Kilian und Amos Pieper, die den BVB verlassen haben und nun in Paderborn und Bielefeld auf einem hohen Niveau regelmäßig zum Einsatz kommen.

Sie haben in Mainz einen Vertrag bis 2023 unterschrieben. Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie sich auch einmal im Seniorenfußball ausprobieren möchten?

Hoffmann: Dazu müsste erstmal ein Verein auf mich zukommen, der mir das zutraut. Dann würde ich mich auch damit auseinandersetzen. Allerdings habe ich zu Lars Ricken gesagt, als er mir die U19 angeboten hat: Muss ich die unbedingt machen? Ich hatte nämlich gemerkt, dass der U19-Trainerposten beim BVB eher ein Feuerstuhl ist. Es ist leider so eingetroffen, dass ich zum Ende meiner Vertragslaufzeit nicht mehr länger U19-Trainer blieb. Ich scheue mich aber nicht vor neuen Aufgaben.

Sechs Spieler Ihres Mainzer Kaders unterschrieben zur neuen Saison einen Profivertrag. Ihre Mannschaft wird sich verändern. Sehnen Sie sich nicht danach, einmal den Kern eines Kaders über mehrere Jahre hinweg trainieren zu können?

Hoffmann: Ich glaube, dass mich diese Aufgabe irgendwann auf jeden Fall einmal reizen wird. Dafür muss sie aber eben erst einmal kommen. Hätte mir vor sechs Jahren als U14-Trainer jemand gesagt, dass ich zweimal Deutscher Meister werde und dreimal im Finale stehe, wäre ich auch vom Glauben abgefallen. Ich sehe mich aktuell als Jugendtrainer, entwickle mich weiter und fühle mich als U19-Coach von Mainz 05 sauwohl.

Mit dem Wechsel nach Mainz verließen Sie erstmals heimische Gefilde. Kurz zuvor hatten Sie geheiratet, kurz danach kam Ihre Tochter zur Welt. Gewiss eine Ausnahmesituation für Sie.

Hoffmann: Klar. Ich werde Jahre brauchen, um diese letzten zwölf Monate zu verarbeiten. (lacht) Es war zwar auch stressig, aber diese Glücksgefühle tragen mich immer noch, weil sich alles richtig anfühlt. Man hat es mir hier auch sehr leicht gemacht. Ich bin von allen Abteilungen im Verein überragend aufgenommen worden. Alles ist sehr nahbar, wie in einer Familie. Wir haben auch schnell Freunde gefunden, mein Vermieter ist mit Mike Janz ein ehemaliger Mainz-Profi. Man merkt, wie klein die Stadt ist und kommt schnell mit den Leuten in Kontakt.

Und wie lebt sich's außerhalb des Ruhrpotts mit Wein statt Pils?

Hoffmann: Da ich eh nicht der große Biertrinker bin, komme ich damit wunderbar klar. (lacht)

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