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Fussball

Der FC Palermo als zwölfter Klub im City-Universum: Die Weltmacht ruft

2017: Maurizio Zamparini verkauft Palermo an TV-Moderator Paul Baccaglini (l.)

Die City Football Group, die von Manchester City angeführt wird, hat mit dem FC Palermo den zwölften Klub in sein Portfolio aufgenommen. Der italienische Klub hat eine große Tradition, die allerdings reich ist an Skandalen. Dennoch ergibt die Übernahme des Serie-B-Klubs Sinn und ist nur ein weiterer Schritt zum großen Ziel.

Es war nur noch eine Formsache. Im März dieses Jahres verkündete die City Football Group eine grundsätzliche Einigung darüber, dass NAC Breda als zwölfter Klub in das Fußball-Konglomerat aufgenommen wird. Die wichtigen Entscheidungsträger hatten sich geeinigt. Die Juristen sollten in den folgenden Wochen den Rest erledigen.

Doch erstmals in seiner Geschichte ist das größte Fußball-Konstrukt der Welt bei einer Übernahme gescheitert. Die mächtigen Fans des niederländischen Klubs wehrten sich gegen die Übernahme. Eine Gruppe von ihnen reiste nach England, wo sie vor dem Stadion von Manchester City, dem Prunkstück der City Football Group, gegen die Übernahme protestierten.

Sie hatten Erfolg mit ihren Protesten, die sie tagelang durchzogen: NAC Breda, das eine breite Fanbasis hat und selbst in der 2. Liga vor voller Hütte spielt, musste bekanntgeben, dass eine Übernahme nicht zustande kommt. Möglich gemacht haben das nicht nur die Proteste, sondern auch die NOAD-Stiftung, die nicht nur von Breda-Fans gegründet wurde, sondern auch die goldene Aktie des Klubs hat. Dieses Papier ermöglicht der Stiftung jegliches Veto-Recht bei essentiellen Entscheidungen.

Schon seit 2016 arbeiteten Breda und die CFG zusammen. Das klassische Modell: Spieler verleihen, Scoutingkenntnisse teilen. Aber die Anhänger wollten ihren Klub eben nicht als Auffangbecken oder Durchgangsstation für Leihspieler begreifen - sie wollten eine eigene Identität bewahren und setzten sich durch.

City Football Group: Der FC Palermo wehrte sich nicht

Von den Fans des FC Palermo gab es keinen Protest, als der italienische Serie-B-Klub am Montag verkündete, dass man ab sofort ein Teil der CFG ist. Das bedeutet nicht, dass man in Palermo nichts von Tradition hält. Ganz im Gegenteil.

Aber der Klub, der eigentlich eine Nach-Nach-Nachfolgeversion des im Jahre 1900 gegründeten Vereins ist, erlebte seit Jahrzehnten so viel Elend und Leid, dass man nun froh ist, eine Institution im Rücken zu haben, die eine erneute Pleite verhindern kann.

Blickt man in die Historie Palermos, sieht man Spieler wie Luca Toni, Edinson Cavani, Paulo Dybala, Fabrizio Miccoli, Andrea Barzagli, Amauri, Javier Pastore, Claudio Ranieri und viele mehr. Man sieht fünf Europapokal-Teilnahmen zwischen 2005 und 2011, damals auch gegen Eintracht Frankfurt. Der Verein hieß damals noch US Palermo und gewann im UEFA-Cup 2006/07 mit 2:1 im Waldstadion.

Man erkennt aber auch viel Grauen: Die ständigen Pleiten des Klubs, die Entlassungswut von Ex-Klubbesitzer Maurizio Zamparini, der in 15 Jahren Regentschaft über 40 Trainer feuerte und den Klub in den Ruin trieb. Einmal wollte Zamparini den Klub verkaufen, weil er sich von den Schiedsrichtern benachteiligt fühlte, machte aber dann doch weiter.

Als ein MTV-Moderator Palermo kaufte

Den Klub kaufte er 2002 von Franco Sensi, damals mächtiger Präsident der AS Rom. Zamparini war zuvor 15 Jahre Eigentümer des FC Venedig, hatte aber dort einfach keine Lust mehr. Als er drauf und dran war, den FC Genua zu kaufen, bekam er den Tipp mit Palermo. Er sorgte für das, was landesweit als Furto di Pergine, als Diebstahl von Pergine, in die Geschichte einging.

Zamparini nahm mitten in der Vorbereitung die zwölf besten Spieler des Klubs und den Trainer mit nach Palermo. Er setzte sie in einen Kleinbus und ließ sie nach Sizilien fahren. Selbst Venedigs Klub-Idol Filippo Maniero war mit dabei. Zwar führte er Palermo damit zurück in die Serie A, aber das Glück hielt nie lange.

2017 wollte Zamparini aussteigen, einigte sich mit Paul Baccaglini auf einen Übernahmevertrag. Baccaglini war MTV-Moderator, der seine Sache so gut machte, dass er damit und mit anderen TV-Formaten ein Vermögen verdiente. Einmal aß er halbnackt Spaghetti und hielt es für eine gute Idee, dass man ihn dabei filmte.

Als Geschäftsmann war Baccaglini weniger begnadet, denn er überwies nicht einen Cent und somit war die Übernahme hinfällig. Das Anfang vom Ende begann - die Unregelmäßigkeiten waren nicht mehr zu übertünchen und der italienische Fußballverband ordnete 2019 einen Zwangsabstieg in die Serie C an. Als der Klub protestierte und auf Milde hoffte, legte die FIGC nach und schickte Palermo in die Serie D.

Nord-Süd-Gefälle in Italiens Fußball hält an

Eigentlich müsste man so einen Klub ins Nirwana schicken, doch Palermo ist - ungeachtet des momentanen Klubnamens - der Stolz Siziliens. Man kann Stolz und Tradition nicht einfach so wegwerfen. Daher übernahm die Stadt die Verwaltung des Klubs, steckte ihn in seine eigene Hierarchie als Fußball-Abteilung. Hauptsache gerettet.

Es dauerte aber nicht lange, bis Palermo wieder in die Hände eines Geschäftsmanns kam. Dario Mirri, Enkel des legendären Klub-Präsidenten Renzo Barbera, nach dem auch das schmucke Stadion benannt ist, kämpfte lange darum, zu übernehmen. Er musste über drei Millionen Euro an Steuerschulden und Co. vorstrecken, bevor man überhaupt über einen Kauf reden konnte.

Mirri ist das Gegenteil von all dem, was Zamparini darstellt. Er setzt auf Kontinuität, auf Entwicklung, auf Fachleute. Als er übernahm, schmiedete er einen Drei-Jahres-Plan. In dieser Zeit sollte Palermo aufsteigen. "Die Serie C ist wirtschaftlich nicht tragfähig. Wir bekommen das gleiche Geld wie Paganese oder Picerno, obwohl wir die fünftgrößte Stadt Italiens sind", sagte er in einem Interview mit der Repubblica 2021.

Dass es Palermo so schlecht ging, sah er nicht als exklusives Palermo-Problem an. Dass sein Klub, aber auch die früheren Serie-A-Klubs Catania oder Messina in der Versenkung verschwanden, sieht er in der uralten Nord-Süd-Problematik begründet. "Dass diese Klubs unten sind, zeigt, dass sich Sizilien nicht weiterentwickelt hat. Hier sieht man auch keine Investitionsmöglichkeiten. Die Investoren setzen lieber auf Spezia oder Modena als auf Palermo oder Catania. Diese Region bietet keine Möglichkeiten."

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