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Fussball

PSG: Fünf Fragen zum Streit zwischen Kylian Mbappé und Neymar: Die Geister, die ich rief

Von Thomas Lehmitz-Artmann
Kylian Mbappe und Neymar streiten sich um die Führungsposition bei PSG.

Trotz sportlichem Erfolg ist die Stimmung bei PSG schlecht. Die beiden Superstars Kylian Mbappé und Neymar kämpfen nicht erst seit dem etwas kindischen Elfmeter-Streit zuletzt im Spiel gegen Montpellier um die Position des Anführers bei Paris Saint-Germain. Die Verantwortlichen von PSG haben sich selbst eingebrockt, dass es so weit gekommen ist. SPOX beantwortet fünf Fragen zum Drama mit Ansage.

Kylian Mbappé vs Neymar: Was ist zuletzt passiert?

Bei PSG ist die Stimmung in der Kabine anscheinend schon nach dem zweiten Spieltag der Ligue 1 am Tiefpunkt. Nach Informationen von SPOX und GOAL ist der Hauptgrund das Verhältnis der beiden Superstars Kylian Mbappé und Neymar. Besonders deutlich wurde das beim 5:2-Erfolg der Pariser gegen Montpellier. Mbappé verschoss in der ersten Hälfte einen Elfmeter und sollte bei einem erneuten Strafstoß durch Neymar ersetzt werden. Der Franzose diskutierte, konnte sich aber nicht gegen den Brasilianer durchsetzen.

Später lief Mbappé bei einem Konter einfach nicht mehr mit, weil dieser nicht über seine Seite lief. Als Vitinha den Ball lieber zu Lionel Messi spielte, winkte er ab. Beide Szenen kamen freilich überhaupt nicht gut bei der Mannschaft an. Neymar revanchierte sich später mit einem Like unter dem Tweet eines Fans, dass er eigentlich immer der Elfmeterschütze bei PSG sein sollte. Das Drama war perfekt.

Die Entscheidung, Neymar den zweiten Elfmeter ausführen zu lassen, kam vom Trainer Christophe Galtier. Der 55-Jährige hat diese Saison die schwere Aufgabe, das Superstar-Ensemble bei Laune zu halten. Wie schwer diese Aufgabe wirklich ist, hat sich nun gezeigt. Mbappé will nämlich mehr als nur erfolgreichen Fußball spielen.

PSG: Was will Kylian Mbappé?

Bei seiner überraschenden Vertragsverlängerung im Mai - er hatte Real Madrid schon mündlich einen Wechsel zugesagt - bekam der Stürmer noch die Zusage, der unangefochtene Protagonist an der Seine zu sein. Und zwar auf allen Ebenen. Mbappé gilt seitdem als mächtigster Fußballer der Welt.

Mbappé will der uneingeschränkte Anführer in einem Team voll von natürlichen Superstars sein. Das ist allerdings ein schwieriges Unterfangen. Mit Lionel Messi und Sergio Ramos sind neben Neymar bereits weitere Spieler im Kader, die es gewohnt sind, ihre Teams anzuführen. Klar, Mbappé hat durch seine sportliche Qualität automatisch eine starke Stimme in der Kabine, aber dies durch einen Vertrag zu erzwingen, gestaltet sich wohl schwierig. Mbappé hat womöglich den Eindruck, dass er nicht genügend ernst genommen wird.

Dass eine Entscheidung des Trainer, wie bei diesem Elfmeter, zu einer solch heftigen Reaktion des Stars führt, zeigt, wie frustriert und sauer der 23-Jährige über die Situation in der Mannschaft ist. Der sportliche Erfolg ist dabei offensichtlich egal. Denn der Start in die Saison war für PSG ein voller Erfolg.

PSG: Wer ist verantwortlich für den Konflikt der Superstars?

Allerdings war von einem angeblichen Mitspracherecht von Mbappé im Vorfeld der Saison nichts zu merken. Es gab zahlreiche Gerüchte um Forderungen des Stars für Verstärkungen. Am hartnäckigsten war wohl der Wunsch nach Landsmann Ousmane Dembélé. Der verlängerte aber beim FC Barcelona und PSG holte sich stattdessen lieber Vitinha, Nuno Mendes oder Renato Sanches. Zweiterer war zuvor schon für ein Jahr ausgeliehen.

PSG-Boss Nasser Al-Khelaifi hatte vor Beginn der Saison das Ende der Bling-Bling-Ära und einen Aufbruch zum sportlichen Erfolg versprochen. "Für die nächste Saison ist das Ziel klar: jeden Tag 200 Prozent arbeiten. Wir müssen wieder demütig werden. Wer in seiner Bequemlichkeit bleiben will, wer nicht kämpfen will, der bleibt draußen", sagte Al-Khelaifi damals zu Le Parisien. Seine Worte sind nicht allzu gut gealtert. Sonst müsste Mbappé konsequenterweise draußen bleiben.

Schon bei der Kaderplanung musste PSG zumindest im Hinterkopf haben, dass die Kompetenz-Forderungen von Mbappé nur schwer umzusetzen sein würden. Denn bevor man Mbappé überzeugen konnte, verlängerte man mit Neymar, noch immer der teuerste Spieler der Welt, bis 2025. Dass der Brasilianer ein ganz besonderes Verhältnis zu Entscheidungen über Elfmeterschützen hat, müsste PSG eigentlich bestens bekannt sein.

Bereits in Neymars erster Saison an der Seine - 2017 - kam es zum Streit mit dem damaligen Stürmer Edinson Cavani. Es ging natürlich ebenfalls um einen Elfmeter. Diesmal wollte Neymar den Strafstoß, statt des Teamkollegen, ausführen. Klarer Verstoß gegen die Hackordnung. Das konnte Cavani nicht zulassen und trat selbst an. Der Disput ging dann in der Kabine weiter. Die beiden Streithähne konnten in der Folge nie die Gerüchte um ihre gegenseitige Antipathie entkräften.

Man weiß nicht, ob die Zugeständnisse für Mbappé mit dem Rest der Mannschaft abgestimmt waren. Deutlich ist aber zu erkennen, dass sich der alte Leitwolf Neymar nicht von dem jungen Anwärter verdrängen lassen will. PSG muss sich hier entweder Naivität oder mangelnde Kommunikation vorwerfen lassen. So oder so: Die Vertragsverlängerung von Neymar Anfang Mai könnte sich als Fehler herausstellen.

PSG: Könnte Neymar den Klub jetzt noch verlassen?

Schließlich hieß es bereits 17 Tage nach der offiziellen Verkündung, dass PSG ihn bei einem passenden Angebot wieder ziehen lassen würde. Schon damals war das schlechte Verhältnis zwischen Mbappé und Neymar der Grund für diese Überlegung. Spätestens da muss man sich über die Gefahr eines Dramas, wie es eben jetzt passiert, bewusst gewesen sein.

Ein Abschied noch in diesem Sommer von Neymar ist aber äußerst unwahrscheinlich. Der 30-Jährige zeigt keinerlei Anzeichen, dass er Paris vorzeitig verlassen wollen würde. "Es ist mir eine große Freude, das Abenteuer bei PSG zu verlängern. Ich bin sehr glücklich in Paris", sagte Neymar nach der Unterzeichnung.

Abnehmer würde es wohl ohnehin keine mehr geben. Ernsthaftes Interesse kommt wohl nur von Newcastle United. Der neureiche Klub ist für Neymar aber keine Option. Ein Traumziel des Brasilianers ist es, in der MLS zu spielen. Aber auch dieses Szenario erscheint noch etwas früh und ist wohl eher unwahrscheinlich.

PSG: Wer muss das Problem jetzt lösen?

Die beiden Streithähne werden also wohl aller Voraussicht nach noch eine Zeit miteinander auskommen müssen. Die Verantwortlichen von PSG haben ihrem neuen Trainer damit einen Bärendienst erwiesen. Denn die Aufgabe, das Problem zu lösen, fällt jetzt in den Aufgabenbereich Galtiers.

Laut L'Équipe merkt man der gesamten Mannschaft die gereizte Stimmung an. Der Coach muss jetzt ausbaden, was die Bosse entweder nicht als Problem sahen oder nicht sehen wollten. Hilfe bekommt Galtier offenbar von Sergio Ramos. Der Spanier, der selbst eine sehr komplizierte erste Saison bei PSG hinter sich hat, soll die Rolle des Streitschlichters übernommen haben.

Es wirkt schon fast etwas unfair für Galtier, dass der tolle Saisonstart nun so stark in den Hintergrund rückt. Der Trainer muss sich mit dem Konflikt der beiden Streithähne beschäftigen, statt sich mit Taktiken oder gegnerischen Teams zu beschäftigen. Seine Fähigkeiten als Streitschlichter könnten letztlich über den Erfolg der Saison entscheiden.

Die obere Tabellenhälfte der Ligue 1

PlatzTeamPunkteTorverhältnis
1.PSG610:2
2.Olympique Marseille45:2
3.LOSC Lille45:2
4.FC Toulouse44:1
5.AS Monaco43:2
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