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Fussball

Kommentar zur Vertragsverlängerung von Kylian Mbappe bei PSG: Der Fußball ist versklavt worden

Kylian Mbappe, Paris Saint-Germain, Katar
© imago images

Kylian Mbappes Vertragsverlängerung bei Paris Saint-Germain hat einen längst anhaltenden Trend im Weltfußball an einen unwiderruflichen Höhepunkt gebracht. Dass nun selbst Real Madrid eine Opferrolle beklagt, ist amüsant und verdient, aber auch alarmierend. Es ist genau das eingetreten, was die gierigen Fußball-Patrone immer wollten. Ein Kommentar.

Die Fußballwelt echauffiert sich über die Vertragsverlängerung von Kylian Mbappe bei Paris Saint-Germain. Das Geld, mit dem der Superstar geködert wurde und die sportlichen Kompetenzen, die ihm dabei offenbar eingeräumt wurden, haben ein bisher noch nie gesehenes Ausmaß eingenommen. Immer, wenn man denkt, man hat den Höhepunkt solcher Gebaren im Fußball schon erlebt, wird es doch noch schlimmer.

Für die Hüter der Tradition im Fußball ist es ein Desaster, auf welcher Ebene die populärste Sportart der Welt angekommen ist. Darüber dürfen sich vor allem die Fans aufregen und ihren Unmut äußern, die in den meisten Fällen darunter leiden, dass ihre Sportart, die seit jeher von Traditionen und schönen Geschichten lebt, auf Profiebene nach und nach zerstört wird.

Nicht beschweren dürfen sich dagegen die wichtigsten Klubchefs dieser Welt. Sie haben den Fußball an die Barone versklavt.

Sie haben zugelassen, dass nicht durch fußballinterne Bemühungen verdientes Geld ein Jahrzehnte lang aufgebautes Fundament an Tradition und Wettkampf wie bei einem Hochwasser weggeschwemmt hat.

Kylian Mbappe hat Real Madrid benutzt, um der mächtigste Fußballer der Welt zu werden

So bitter es auch ist, dass selbst der vielleicht größte Fußballverein dieser Welt - der 13-fache Champions-League-Sieger, das galaktische, phänomenale, unumstößliche Real Madrid - inzwischen keine Chance mehr gegen diese Mächte hat, ist der Klub auch selbst schuld an dieser Entwicklung. Sie haben es selbst zugelassen, dass man an den Tragsäulen sägt. Real Madrid ist selbst dem Lockruf aus den USA gefolgt, um so viel abzukassieren, dass man die Summen, die nun Mbappe in Paris gezahlt werden, selbst auftischen kann. Und zwar jedes Jahr.

Sie haben mit ein paar Mitstreitern alles dafür getan, dass die Super League kommt und sie tun immer noch alles dafür. Florentino Perez und Co. stellten die Spieldauer eines Fußballspiels in Frage, sie propagierten mehr Entertainment als Wettbewerb, mehr Personenkult als Vereinstradition.

Mbappe hat Real regelrecht benutzt, um zum teuersten und mächtigsten Fußballer der Welt aufzusteigen. Damit hat er eine Tür geöffnet, die nun viele Fußballer durchqueren wollen. Für Real ist das aktuell sportlich bitter, aber jetzt kriegen sie das, was sie wollten. Guten Appetit, Herr Perez.

Dass nun auch der spanische Ligapräsident PSG öffentlich verteufelt, den Klub und Boss Nasser Al-Khelaifi als "gefährlich" bezeichnet und die Pariser bei allen Instanzen, sogar bei der Europäischen Union, anzeigt, ist ein Witz. Javier Tebas kämpft gegen die Super League und macht nun auf Schulterschluss mit denen, die sie haben wollten?

Kylian Mbappe: Emmanuel Macron hat sich eingeschaltet - was macht die FIFA?

Er macht das nicht, weil er Real Madrid und die Tradition so toll findet: Er wollte Mbappe als Attraktion für seine Liga. Er will, dass die Popularität von La Liga wieder steigt, nachdem sie in der Post-Messi-und-Ronaldo-Ära etwas an Glanz verloren hat. Letztlich geht es auch ihm ums Geld. Daher ist das, was Tebas tut, genauso verlogen.

Wenn Marc Mechenoua, PSG-Korrespondent für SPOX und GOAL, berichtet, dass sich selbst Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron eingeschaltet hat, um Mbappe von einem Verbleib zu überzeugen und es auch Druck aus Katar gab, sagt das schon viel aus.

Der Weltverband FIFA hat im Februar die Verbände aus Kenia und Simbabwe suspendiert, weil sich dort die Regierungen der beiden afrikanischen Länder in den Fußball einmischten. Darf man analog dazu nun davon ausgehen, dass es auch Untersuchungen gegen PSG gibt? Natürlich nicht.

Denn auch großen Verbände ticken nicht anders. FIFA-Präsident Gianni Infantino will Milliarden aus Saudi-Arabien heranholen und da ist ihm auch egal, dass eine Weltmeisterschaft seit 1930 alle vier Jahre gespielt wird. Die UEFA hat die Super-League-Revoluzzer genauso wenig belangt wie die ständigen Financial-Fairplay-Verletzungen der fremdgeführten Staaten-Klubs PSG oder Manchester City.

Es ist ein Geben und Nehmen. Es gibt keine Kontrollinstanz, die gegen dieses Treiben etwas unternehmen will. Ganz im Gegenteil. Jeder will ein Stück vom Kuchen und irgendwann werden wir merken, dass er aufgegessen wurde und nichts mehr da ist, was uns schmeckt.

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