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Fussball

Robert Huth im Interview: "Ein paar Menschen vereiern: Das ist doch auch mal schön"

Robert Huth wurde 2016 mit Leicester City englischer Meister.

Vor drei Jahren hat Robert Huth seine aktive Karriere beendet, jetzt macht er eine Ausbildung zum Sportdirektor und den Pilotenschein. Im Interview mit SPOX und Goal spricht der 37-jährige ehemalige Innenverteidiger über seine Zukunftspläne, langweilige Fußballer und kostümierte Leicester-Spieler.

Huth arbeitet als Testimonial für kelbet.de.

Herr Huth, was haben Sie seit Ihrem Karriereende 2018 gemacht?

Robert Huth: Ein bisschen Media-Work, ein bisschen in Sachen Fußball die Welt besichtigt. Außerdem absolviere ich gerade den Studiengang "Sporting Directorship". Das war wegen Corona zwar etwas kompliziert, bis Ende des Jahres habe ich ihn aber hoffentlich abgeschlossen.

Warum haben Sie sich für dieses Studium entschieden?

Huth: Als aktiver Sportler bekommt man die Hintergrundgeschichten in den Vereinen nicht mit, die kurz- und langfristigen Finanzplanungen, das Scouting. Man kriegt gesagt, wann Training ist, wann Spiel ist, wann du im Bus sein musst, und das ist es. Mich hat aber immer schon interessiert, was im Hintergrund abläuft.

Was sind Ihre Pläne nach dem Studium?

Huth: Ich werde versuchen, einen Platz im Fußball zu finden. Ich will Erfahrungen als Sportdirektor sammeln. In der realen Welt ist es anders, als man es im Studium lernt.

Reizt Sie eher ein Berufseinstieg in England oder in Deutschland? In der Premier League ist das Konzept Sportdirektor bekanntlich nicht so etabliert.

Huth: Ich bin für alles offen. Das wird in England aber gerade mehr und mehr. Mittlerweile haben viele englische Vereine das aus Deutschland bekannte System übernommen.

Stimmt es, dass Sie nebenbei den Pilotenschein machen?

Huth: Ja, das habe ich aber leider noch nicht durchgezogen. Zunächst musste ich eine Pause machen, weil wegen Corona nicht zwei Personen gleichzeitig im Cockpit sitzen durften. Dann bin ich nach Berlin übersiedelt, weswegen ich jetzt von vorne anfangen muss. Wegen des Brexit konnte ich meine Flugstunden nicht nach Deutschland übertragen.

Was reizt Sie am Fliegen?

Huth: Fliegen war schon immer mein Ding. Ich will einen kleinen Zweisitzer fliegen, keine Boeing oder einen Airbus. Ich bin als Kind nicht viel geflogen, habe aber gerne in den Himmel geschaut und Flugzeuge beobachtet. Seitdem interessiere ich mich dafür.

Die Profistationen von Robert Huth

ZeitraumKlubPflichtspieleTore
2003 bis 2006FC Chelsea622
2006 bis 2009FC Middlesbrough636
2009 bis 2015Stoke City18818
2015 bis 2018Leicester City936

Im Zuge Ihres Karriereendes haben Sie die negative Auswirkungen der sozialen Netzwerke auf junge Fußballer thematisiert. Können Sie das konkretisieren?

Huth: Es ist nicht alles schlecht. Ich bin auf Twitter und finde das eigentlich ganz gut, ich hole mir dort meine Nachrichten. Als Influencer kann man sogar Geld verdienen. Früher haben die Leute etwas über dich gedacht und du konntest nicht dagegen arbeiten. Heute hast du mit den sozialen Medien die Möglichkeit, dich zu verteidigen. Das Negative ist aber, dass du dort immer ansprechbar bist. Es gibt keinen Ausknopf. Wenn du nach einem Spiel aufs Handy schaust, hast du 10.000 Notifications. Viele Fußballer finden es schwer, damit umzugehen. Ihnen ist es wichtig, was andere über sie denken. Und wenn du permanent nachguckst, wird es kompliziert. Ich beobachte das auch bei meinen zwei Kindern. Die sind nur am Telefon. Deswegen habe ich ab und zu Ärger mit meinen Jungs. Dann sage ich ihnen, dass sie mal alles ausmachen sollen. Ich bin in einer anderen Generation aufgewachsen.

Waren Sie deswegen fokussierter auf Ihre Fußballkarriere?

Huth: Es war anders. Für mich gab es nur Fußball, da gab es diese Ablenkungen nicht.

Sie sind wie angesprochen selbst auf Twitter unterwegs, aber eher unregelmäßig und mit einem Augenzwinkern.

Huth: Jeder nimmt sich zu ernst. Ich finde es besser, im Leben Spaß zu haben. Ein bisschen Ironie, ein paar Menschen vereiern: Das ist doch auch mal schön. Man soll auch mal etwas Falsches sagen dürfen. Es ist ein bisschen langweilig, wenn alles perfekt und korrekt ist.

Beobachten Sie diese Entwicklung im Fußball generell?

Huth: Ja, auch bei Interviews von Spielern. Nach einer Niederlage sagen sie: "Sorry, wir haben verloren, müssen härter trainieren und beim nächsten Mal machen wir es besser." Nach einem Sieg heißt es: "Danke an die Fans, super Spiel, bis zum nächsten Mal." Das ist so langweilig. Alles ist austauschbar, alles ist eins. Jedes Interview ist gleich, jeder Social-Media-Account sieht gleich aus. Es geht nur darum, nichts Falsches zu sagen. Alle sind lieb, nett und haben keine Persönlichkeit. Das Ziel lautet: Keiner soll böse auf mich sein. Das beobachte übrigens nicht nur ich. Wenn ich mit meinen Kumpels oder anderen Fans darüber rede, sagen alle: Das ist langweilig. Sie kennen die Spieler eigentlich gar nicht mehr richtig. Es fehlen Spieler, die man richtig lieben kann. Wie zum Beispiel ein Mario Basler, der ein bisschen anders war. Der auch mal offen ein paar Zigaretten mehr geraucht hat.

Sehen Sie im aktuellen Fußball denn gar keine Typen?

Huth: Gute Frage. Aber da fällt mir gerade keiner ein.

Warum ist das so?

Huth: Der Fußball ist ein riesen Produkt und die Vereine haben Angst, dass dieses Produkt mit negativen Aussagen verschlechtert wird. Wenn du eine andere Meinung hast, wirst du sofort gesperrt oder kriegst eine Geldstrafe. Als Fußballer bist du vom System eingeengt. Du hast nicht viel Freiraum, um eine andere Meinung zu vertreten. Entweder du passt rein, oder du hast Probleme.

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