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Fussball

FC Liverpool: Wie Georginio Wijnaldum zum Schlüsselspieler von Jürgen Klopp wurde

Von Stefan Rommel
Gini Wijnaldum gewann mit dem FC Liverpool die Champions League und die Englische Meisterschaft.

Er begann als unscheinbarer Außenverteidiger und ist heute in Diensten des FC Liverpool einer der besten Spieler der Welt und angeblich sogar Thema beim FC Bayern. Der Aufstieg von Georginio Wijnaldum war alles andere als absehbar. Zwei Weggefährten erinnern sich an einen ganz besonderen Spieler. Auf und neben dem Platz.

Dieser Artikel ist bereits auf DAZN News erschienen.

Nun also auch noch der FC Bayern. Angeblich. Georginio Gregion Emile Wijnaldum, den alle Welt nur Gini nennt, ist ein so genanntes Transferziel. Ein interessanter Spieler, der in ein paar Wochen ziemlich sicher seinen aktuellen Arbeitgeber ablösefrei verlassen und bei einem anderen Klub anheuern wird. Den Bayern soll Wijnaldum angeboten worden sein, wie auch immer man sich so ein Angebot vorstellen muss. Das berichteten bereits unterschiedliche Medien, sein Berater signalisierte bei Sport1 zuletzt auch potenzielles Interesse seines Klienten.

Es ist aber auch zu hören, dass die Ligen in England und Spanien sein bevorzugtes Arbeitsumfeld sind. Da trifft es sich ganz gut, dass der FC Barcelona den Spieler nur zu gerne bald verpflichten würde. Die Beziehung zwischen Barca und niederländischen Angestellten ist eine lange Erfolgsgeschichte, sie reicht von Johan Cruyff und Johan Neeskens bis Ronald Koeman und Frenkie de Jong.

Diese beiden sollen ein gewichtiges Pfund werden im Werben um einen der besten Mittelfeldspieler der Welt - der als solcher allerdings immer ein wenig unterbewertet scheint. Selbst bei seinem aktuellen Klub drehen sich die großen Geschichten um Thiago, um Jordan Henderson oder James Milner.

Um Wijnaldum, auf dem Papier immerhin dritter Kapitän und derzeit der tatsächliche Anführer der Mannschaft, ist es dagegen vergleichsweise ruhig. Was dem Spieler selbst ziemlich recht sein dürfte: Für das Spektakel, für die großen Schlagzeilen und die bunten Geschichten waren schließlich schon immer die anderen zuständig.

Wijnaldum "immer der letzte auf dem Trainingsplatz"

Gini Wijnaldum ist in Rotterdam-Schiemond aufgewachsen, direkt am Hafen. Ein Arbeiterstadtteil, nach dem Krieg aus dem Boden gestampft, der sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem so genannten Problembezirk entwickelte. Einfache Leute wohnen hier, die meisten wollen irgendwann raus aus Schiemond. So soll es auch bei Georginio gewesen sein, erzählt Marcel Meeuwis im Gespräch mit DAZN . Der heute 40-Jährige war mal Profi bei Borussia Mönchengladbach, spielte mit Wijnaldum bei Feyenoord zusammen.

"Gini wusste schon immer sehr genau, was er wollte. Er hatte seinen Weg schon als Teenager klar vor Augen, wollte raus in die weite Welt. Und dafür hat er geackert wie kein anderer", erinnert sich Meeuwis nach genau an den Jungen, der damals noch recht schüchtern und zurückhaltend war, aber schon sehr klar in seinem Denken. Im kleineren Rotterdamer Klub Sparta lernte Wijnaldum die Grundlagen, dann ging es zum großen Feyenoord. Wijnaldum wurde von berühmten Trainern ausgebildet, lernte von unter anderem Ruud Gullit oder Leo Beenhakker, dann wurden Bert van Marwijk und Gertjan Verbeek seine ersten Trainer bei den Profis. Später kamen bei PSV Eindhoven noch Phillip Cocu und Dick Advocaat dazu. Es gibt wohl schlechtere Bedingungen, um sich für eine große Karriere als Spieler vorzubereiten.

Die äußeren Umstände aber waren das eine, die intrinsische Motivation von Wijnaldum der viel wichtigere Teil seiner rasanten Entwicklung. "Er war eigentlich immer der Letzte, der den Trainingsplatz verlassen hat. Während wir anderen längst in der Kabine saßen, machte Gini noch ein paar Extraschichten. Ließ sich Flanken zuspielen und köpfte 15 Minuten ununterbrochen aufs Tor. Oder übte Freistöße. Das war schon einigermaßen ungewöhnlich. Nicht, weil er mehr tat als andere - sondern weil er für Spielsituationen übte, die für ihn als Spieler in der Regel kaum entstanden", sagt Meeuwis.

Wijnaldum "kein typischer Ja-Sager"

Wijnaldum begann bei Feyenoord als rechter Außenverteidiger, an eine Versetzung ins Mittelfeld dachte in seinen ersten Jahren als Profi wohl noch niemand. Außer Wijnaldum selbst. "Ich glaube schon, dass er schlau genug war, das Potenzial zu erkennen, das in ihm schlummerte. Und er war schlau genug, dann nicht mit uns anderen Spielern um die Häuser zu ziehen nach dem Training oder nach einem Spiel. Damals war das völlig normal: Wir gingen viel raus, hatten Spaß, ein Bier hier, ein paar Whiskey-Cola da. Aber Gini war fast nie mit dabei. Er ging lieber nach Hause zu seiner Familie."

Ähnlich spricht auch Kevin Hofland im Gespräch mit DAZN über seinen ehemaligen Mitspieler. Hofland und Wijnaldum spielten drei Jahre zusammen bei Feyenoord. Hofland war damals schon ein gestandener Profi und Nationalspieler und damit für Wijnaldum automatisch eine Respektsperson. "Das würde ich als eine seiner größten Stärken beschreiben: Er war kein typischer Ja-Sager, aber er hat schon ganz früh Ratschläge älterer Spieler angenommen. Gini hatte anfangs immer ein paar Probleme, mit Enttäuschungen umzugehen. Aber er hat Hilfe angenommen und sich nicht verschlossen. Reflexion und der Wille aus seiner Komfortzone zu kommen, sind sehr wichtige Eigenschaften bei jungen Spielern."

Es ist wohl kein Zufall, dass Wijnaldum mit 16 Jahren und 128 Tagen im Frühjahr 2007 zum jüngsten Spieler in der Geschichte von Feyenoord wurde. Sein Debüt in der Eredivisie gegen den FC Groningen ging zwar 0:4 verloren, aber damit war für ihn selbst eine Mauer durchbrochen. "Ich glaube, dass dieses erste Spiel für ihn als Bestätigung reichte: 'Ich kann es auch bei den Profis schaffen'", sagt Hofland. Der dann aber auch erlebte, dass es für Wijnaldum nicht immer nur bergauf ging.

Wijnaldum-Show in De Kuip

Es gab Probleme mit Trainer van Marwijk, Wijnaldum spielte in seiner ersten echten Saison nur sporadisch. Meist schaffte er es gar nicht in den Kader. Mit dem Wechsel von van Marwijk zu Verbeek kam die Wende. Bis dahin hatte Wijnaldum aber die Zeit genutzt, um andere wichtige Dinge für sich anzunehmen. "Ich war damals der Kassenwart bei uns in der Mannschaft. Gini kam einmal zu spät zum Training, ich wollte danach die Strafe einkassieren. Er wollte nicht bezahlen, sagte: 'Ich war ja nur ein paar Sekunden zu spät.' Daraufhin ich: 'Ach ja?! Und im Spiel, wenn du da auch eine Sekunde zu spät bist - was glaubst du, wird passieren?' Er hat es verstanden. Und natürlich hat er bezahlt." Wijnaldum soll von da an nie mehr zu spät gekommen sein, sagt Hofland.

Feyenoord wurde früh zu klein für Wijnaldum, der Wechsel zum Rivalen PSV Eindhoven war folgerichtig, aber emotional sehr schwierig. In Eindhoven war die Chance auf den Meistertitel deutlich höher als in Rotterdam. Aber als die Entscheidung längst feststand, trafen beide Mannschaften im Saisonfinale 2011 in Rotterdam aufeinander.

Feyenoord dümpelte irgendwo im Mittelfeld, PSV war Tabellenführer, der Meisterschaftskampf brutal eng. Im Hinspiel hatte Eindhoven mit Wijnaldum und Feyenoord den Boden aufgewischt, die Partie endete Zehn zu Null für PSV. Eine Schande für Feyenoord, bis heute die höchste Niederlage der Klubgeschichte. Das Rückspiel im De Kuip wurde dann zur Gini-Wijnaldum-Show.

Mit einem Doppelpack beendete er die Titelhoffnungen seiner zukünftigen Kollegen, unvergessen sein Jubel nach dem ersten Tor, als er sich vor Feyenoords Fans aufbaute, so als würde er sagen wollen: Das hier ist noch für euch! "Ein unglaublicher Moment, ein unglaubliches Spiel", erinnert sich Meeuwis. Wijnaldum erzielte in dieser Saison übrigens 16 Tore, längst war er von der rechten Außenbahn ins offensive Mittelfeld gewechselt. Die beiden Tore gegen Feyenoord erzielte er per Kopf, das zusätzliche Training entpuppte sich als sehr hilfreich. Und Eindhoven verpasste zwei Wochen später die Meisterschaft.

Wijnaldum als Meister des vorletzten Passes

Immerhin konnte er in den Jahren danach nicht nur PSV dabei helfen, den Titel doch noch zu holen. Sondern auch sein Spiel noch einmal auf eine neue Stufe bringen. In Eindhoven lernte Wijnaldum, wie es ist, immer der Favorit zu sein und gegen kleinere Gegner andere Stilmittel zu benutzen als zuvor bei Feyenoord, das damals allenfalls eine mittelprächtige Rolle im niederländischen Fußball spielte.

Wijnaldum wurde zum Meister des vorletzten Passes, er verbesserte seine körperliche Stabilität noch einmal deutlich, sein Aktionsradius wurde immer größer. Im Laufe der Jahre wurde der Zug zum Tor ein anderer, seine Fähigkeit zu dribbeln aus der Zeit als Außenverteidiger kam ihm nun im Zentrum des Spiels immer mehr zu Gute.

Diese spielerischen Fähigkeiten gepaart mit seiner enormen körperlichen Robustheit machten aus ihm einen nahezu perfekten Spieler für die Premier League. Wijnaldum forcierte seine Karriere vom Reißbrett und wagte nach abermals vier Jahren in Eindhoven den nächsten Schritt. Mit 24 Jahren landete er in der Premier League. Der Rest ist Geschichte: Wijnaldum spielte für Newcastle United eine starke Saison, trotzdem stiegen die Magpies ab. Mehrere Klubs aus England waren interessiert, den Zuschlag bekam aber der FC Liverpool.

Nur ein einziges Gespräch mit Klopp

Von der ersten Sekunde an sei er Jürgen Klopp und dessen Idee vom neuen FC Liverpool verfallen, sagte Wijnaldum einmal. "Wir hatten nur ein einziges Gespräch, drei Tage später war der Vertrag unterschrieben." Damals war auch eine ruckelige Anfangszeit eingepreist, es war klar, dass Liverpool nicht von heute auf morgen plötzlich wieder erfolgreich sein könnte. Die Aussicht auf einen Platz bei einem der größten Klubs der Welt und unter einem der schillerndsten Trainer spielen und lernen zu dürfen, habe damals den Ausschlag gegeben.

Und wie das bei Klopp-Mannschaften häufig so ist, brauchte es tatsächlich ein paar Jahre, bis sich die Puzzleteile zu einem großen Ganzen fügten. Wijnaldum selbst rückte von der Zehn wieder weiter zurück. Der Posten im Halbraum von Klopps 4-3-3 wurde zu seiner Idealposition, hier entwickelte er sich zu einem Achter von Weltformat. Und zu einem dieser unbesungenen Helden, die jede Mannschaft braucht, wenn sie Großes erreichen will.

Meister und CL-Sieger? "Niemals"

Klopp und Sportdirektor Michael Edwards bauten nach und nach ihren FC Liverpool zusammen. Und nur eine handvoll Spieler waren quasi vom ersten Tag an mit dabei und sind es noch heute. Unter ihnen ist auch Gini Wijnaldum. "Was für eine Karriere! Ganz ehrlich: Ich hätte mir vorstellen können, dass er es vielleicht in die Premier League schafft. Aber zum FC Liverpool, um dort die Champions League zu gewinnen und nach 30 Jahren endlich wieder Meister zu werden? Niemals. Absolut fantastisch, was Gini jetzt schon geschafft hat", sagt Kevin Hofland.

Aber die Reise ist ja noch nicht vorbei, Georginio Gregion Emile Wijnaldum hat noch ein paar Jahre im Tank. Sehr wahrscheinlich nicht mehr in Liverpool, wo er einst sein größtes Spiel abgeliefert hat. Im Halbfinale der Königsklasse ereignete sich damals etwas Wundersames, ein 4:0 der Reds gegen einen scheinbar übermächtigen Kontrahenten. Gini Wijnaldum traf mit rechts und - natürlich - per Kopf. Es war die schlimmste aller Niederlagen für: den FC Barcelona.

Premier League: Die aktuelle Tabelle

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Manchester City3471:244780
2.Manchester United3364:352967
3.Leicester City3461:392263
4.FC Chelsea3453:312261
5.West Ham United3455:441158
6.Tottenham Hotspur3460:382256
7.FC Liverpool3355:391654
8.FC Everton3345:42352
9.FC Arsenal3446:37949
10.Aston Villa3348:381048
11.Leeds United3450:52-247
12.Wolverhampton Wanderers3433:46-1342
13.Crystal Palace3334:56-2238
14.Brighton & Hove Albion3435:39-437
15.FC Southampton3341:59-1837
16.FC Burnley3431:47-1636
17.Newcastle United3436:56-2036
18.FC Fulham3425:45-2027
19.West Bromwich Albion3431:65-3426
20.Sheffield United3418:60-4217
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