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Fussball

Lucas Silva: Einst "die Zukunft" Real Madrids, heute in der 2. Liga

Von Emma Smith
Lucas Silva galt einst als Wunderkind, kickt heute aber in Brasiliens zweiter Liga.

Lucas Silva galt als brasilianisches Wunderkind. Bei Real Madrid konnte er sich aber nicht durchsetzen. Jetzt spielt er mit Grêmio Porto Alegre in der 2. Liga Brasiliens. Die Geschichte eines einstigen Top-Talents und warum er in der Heimat trotz vieler Rückschläge noch eine große Nummer werden kann.

Im März dieses Jahres teilte Lucas Silva, Mittelfeldspieler von Grêmio Porto Alegre, ein schockierendes Bild in den sozialen Medien. Dort ist zu sehen, wie er im Gesicht genäht werden musste, nachdem er von einem Mobiltelefon getroffen worden war. Dieses hatte ein Fan des rivalisierenden brasilianischen Teams Internacional nach ihm geworfen und ihn damit am Mund getroffen.

"Ein weiteres trauriges Kapitel in unserem Fußball. Eines von vielen, die wir erlebt haben. Das scheint sich in den letzten Tagen zu häufen", schrieb Silva auf Twitter nach dem Vorfall, der sich ereignet hatte, während er mit seinen Teamkollegen das dritte Tor beim 3:0-Sieg feierte.

Es war der jüngste Rückschlag auf dem steinigen Karriereweg Silvas, der so gar nicht verläuft, wie man das vor wenigen Jahren noch erwartet hatte. Damals galt er als der kommende Star im Mittelfeld von Real Madrid. Stattdessen findet er sich nun in der zweiten brasilianischen Liga wieder.

Lucas Silva: Für 14 Millionen Euro zu Real Madrid

Im Januar 2020 wechselte er zu Grêmio, vier Monate, nachdem er Madrid verlassen hatte, und fünf Jahre, nachdem er für 14 Millionen Euro von Cruzeiro nach Spanien gewechselt war und damals von Trainer Carlo Ancelotti als "die Zukunft" des Vereins bezeichnet wurde.

"Ich bin sehr stolz und sehr zufrieden, dass ich die Herausforderung angenommen habe, dieses große Trikot des brasilianischen und des Weltfußballs zu tragen", schrieb Silva bei seiner Brasilien-Rückkehr auf Twitter. "Ich danke euch für euer Vertrauen und bin mir sicher, dass es an Engagement, Hingabe und harter Arbeit nicht mangeln wird."

Harte Arbeit wird nicht immer gerecht belohnt. So war es auch bei Silva und Grêmio. Die Mannschaft, die 2017 noch die Copa Libertadores - vergleichbar mit der europäischen Champions League - gewonnen hatte und Finalist der Klub-Weltmeisterschaft war, stieg 2021 inmitten von Turbulenzen und ständigen Wechseln bei Spielern und Trainern ab.

Silva versucht jetzt, Grêmio aus der Serie B zu führen, in der auch die traditionellen Schwergewichte Cruzeiro und Vasco da Gama spielen. Mit seinen 29 Jahren gehört er zu den Führungsspielern des Teams. Er ist also längst nicht mehr das Wunderkind, an das sich die Fans von Real Madrid erinnern - oder vielleicht auch nicht, denn in vier Jahren bei den Blancos kam er nur auf magere acht Ligaeinsätze.

Dabei hatte alles so vielversprechend angefangen. Mit der Auszeichnung für den besten Spieler in Brasiliens Serie A im Gepäck machte er die lange Reise über den Atlantik ins Santiago Bernabeu und erfüllte sich den Traum vom Wechsel zu Real. "Ich bin wirklich glücklich und motiviert. Ich bin zu Real Madrid gekommen, um zu lernen und vor allem, um zu helfen", sagte Silva damals bei seiner Vorstellung. "Ich fühle mich gut und bin bereit, dieses Trikot, das dem besten Verein der Welt gehört, zu ehren. Ich mag Real Madrid, seit ich ein Kind war. Ich bin sehr glücklich, in dieser Stadt zu sein, und ich bin sicher, dass ich hier sehr gut leben werde."

Lucas Silva: Champions-League-Debüt gegen Schalke

Sein Debüt in LaLiga gab er im Februar 2015, seinen Einstand in der Champions League ein paar Tage später. Beim 2:0-Achtelfinalsieg gegen Schalke 04 stand er die vollen 90 Minuten auf dem Platz.

In der Saison 2015/16 wurde der noch junge Silva an Olympique Marseille verliehen, um noch mehr Spielzeit zu bekommen. Dort begannen die Probleme. Der Mittelfeldspieler konnte sich nicht in der Startelf von Marseille etablieren und wurde im Laufe der Saison sogar aussortiert.

Als er vor der Saison 2016/17 nach Madrid zurückkehrte, wurde ein Leihgeschäft mit Sporting CP eingefädelt. Dieses scheiterte jedoch, als bei der medizinischen Untersuchung in Lissabon ein unregelmäßiger Herzschlag festgestellt wurde. Nicht nur Silvas Wechsel, sondern auch seine gesamte Karriere wurde auf Eis gelegt. Intensive Untersuchungen zeigten später, dass der ungewöhnliche Herzschlag kein langfristiges Problem darstellte. Silva konnte weiter Fußball spielen, die Zweifel in Madrid aber waren groß geworden.

Im Januar 2017 kehrte er auf Leihbasis zu Cruzeiro zurück. Dort blieb er zweieinhalb Jahre, bevor sein Vertrag in Madrid in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde. Cruzeiro steckte in einer finanziellen Krise und musste wenige Monate nach Silvas Weggang zum ersten Mal in seiner Geschichte den Abstieg in die Serie B hinnehmen.

"Ich wünschte, ich hätte in Madrid mehr Möglichkeiten gehabt, aber es war einfach nicht möglich. Es war trotzdem eine tolle Erfahrung. Ich habe viel gelernt, und da mein Vertrag nur noch ein Jahr lief, haben wir gemeinsam beschlossen, dass es für alle besser ist, den Vertrag vorzeitig aufzulösen", sagte Silva im September 2019 Tuttomercatoweb. "Ich galt als der beste junge Mittelfeldspieler Brasiliens, als ich ankam, also habe ich natürlich erwartet, dass es in Madrid anders laufen würde. Aber ich bereue nichts und will nur an die nächste Gelegenheit denken."

Lucas Silva: Aufstieg mit Grêmio?

Und seine aktuelle Gelegenheit heißt Grêmio. Bilder in den sozialen Medien zeigen ihn, wie er in den blau-weißen Vereinsfarben auf eine Trommel schlägt, Selfies mit Fans macht und mit dem Pokal des kürzlich gewonnenen lokalen Wettbewerbs, des Campeonato Gaucho, in der Hand feiert. Vor kurzem hat er sein 100. Spiel für den Verein absolviert.

Es ist vielleicht nicht die Karriere, die er hätte haben können. Aber sollte er Grêmio zurück in die erste brasilianische Liga führen, kann Silva ein geschätzter Spieler bei einem der berühmtesten Vereine Südamerikas werden. Zieht man alle Probleme, die er hatte, dabei in Betracht, ist das gar keine schlechte Karriere - trotz seines Scheiterns bei Real Madrid.

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