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Fussball

BVB - Kapitän Marco Reus ragt beim DFB-Pokalsieg von Borussia Dortmund heraus: Neuer, alter Hase

Marco Reus spielte lange Zeit seine schwächste Saison, seitdem er bei Borussia Dortmund ist. In den vergangenen Wochen kehrte beim BVB und seinem Kapitän die Leichtigkeit zurück. Im DFB-Pokalfinale nahm Reus endlich eine tragende Rolle in einem großen Spiel ein.

Fernsehinterviews mit Fußballprofis sind seit unzähligen Jahren und in steter Regelmäßigkeit eine Garantie für fantastische Bonmots. Auch am späten Donnerstagabend. "Wir sind immer sehr selbstkritisch zu uns selber", sagte Marco Reus nach dem Pokalsieg in der ARD. Wenn man sich die mangelnde Lernfähigkeit der Mannschaft von Borussia Dortmund vor Augen führt, deren Spezialität es geworden ist, sich besonders gegen individuell schwächere Teams selbst im Weg zu stehen, mag man an die Aussage des BVB-Kapitäns nicht so recht glauben.

Wofür Reus aber bekannt ist, da es von jedem bestätigt wird, der ihn gut kennt: Er ist wirklich sehr selbstkritisch - und zwar im tatsächlichen Wortsinn. Und so wird er die scharfen Kritiken, die er im Laufe der aktuellen Saison über sich ergehen lassen musste, nicht als Unfug abgetan haben.

2020 fehlte der in seiner langen Karriere von unzähligen Verletzungen gebeutelte Reus mal wieder ein halbes Jahr lang. Als er sich zurückmeldete, lief er dem Rückstand lange hinterher und auch die Mannschaft half ihm mit ihren inkonstanten Leistungen nicht, wieder in einen vernünftigen Rhythmus zu kommen. Den erlangt man mit Erfolgserlebnissen ohnehin schneller, weil dann eine fußballerische Leichtigkeit hinzukommt - und genau die fehlte dem BVB in weiten Teilen der Saison.

Sie fehlte auch, als Edin Terzic das Traineramt von Lucien Favre übernahm. Erst nach und nach kam sie zum Vorschein. Im Grunde erst dann, als die Borussia verkündete, dass Marco Rose zur kommenden Spielzeit an der Seitenlinie stehen wird. Seit diesem Tag Mitte Februar hat der BVB in 18 Pflichtspielen 2,1 Punkte pro Partie eingefahren.

BVB-Kapitän Marco Reus und seine "nicht glückliche" Aktion

In der Bundesliga ging seither neben der wenig überraschenden Niederlage beim FC Bayern nur ein Spiel verloren, jenes im vermeintlichen Endspiel um die Champions-League-Qualifikation gegen Eintracht Frankfurt. Dieses 1:2 zu Hause war der größte Niederschlag in Dortmunds bis dato sehr ernüchternder Saison.

Das galt auch für Reus persönlich, der damals Anfang April zehn Minuten vor dem Ende beim Stand von 1:1 zum 20. Mal im 38. Pflichtspiel ausgewechselt wurde und reichlich lustlos vom Platz schlich. Dortmunds Spielführer stellte seinen Frust zur Schau und versuchte nicht, noch einmal letzten Einfluss auf seine Mitspieler zu nehmen. Es war ein Verhalten, das von einem erfahrenen Spieler wie Reus nicht zu akzeptieren war.

Reus hat daraufhin viel berechtigten Gegenwind bekommen, auch aus dem Verein. Lizenzspielerchef Sebastian Kehl geißelte die Aktion als "nicht besonders glücklich", Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dürfte sie in seiner kritischen Ansprache ans Team nach der Frankfurt-Pleite auch nicht ausgespart haben. Kehl sagte: "Wir brauchen unseren Kapitän. Er wird zeigen, dass er es nach der Frustration, die in ihm steckt, persönlich besser machen will."

BVB-Boss Watzke lobt Marco Reus: "Großartig"

Genau dies ist nun passiert: Dortmund münzte den großen Druck auf dem Kessel in positive Energie um und spielt seither aus einem Guss. Das gilt auch für Reus, dem fünf Tore sowie drei Vorlagen gelangen. Nichts ist mehr bei ihm zu sehen von der fehlenden Spritzigkeit, dem mangelnden Tempo und dem geringen Selbstvertrauen, wie es zuvor in seiner lange Zeit schwächsten BVB-Saison der Fall war.

Jetzt ist die Leichtigkeit wieder zurück, im gesamten Team und bei einem Großteil der Spieler, denn Reus ist nicht der einzige, der in den vergangenen Wochen einen enormen Formanstieg verzeichnete. Geht es nach Watzke, spielt bei Reus noch ein weiterer Faktor eine große Rolle: "Wenn Marco großes Vertrauen spürt, wird er immer besser. Was er in den letzten Monaten gezeigt hat, war großartig." Da lässt sich auch durchaus ein Gruß an Favre herauslesen.

Was an Reus immer wieder beeindruckt, ist die Abgeklärtheit, mit der er Rückschläge und Formkrisen, aber auch den vielen positiven Momenten seiner Laufbahn begegnet. Der bald 32-Jährige ist zu lange im Geschäft, ihn beeindrucken die medialen Aufgeregtheiten längst nicht mehr.

Marco Reus: Endlich Anführer in einem großen Spiel

"Ich war im letzten Jahr lange verletzt. Mir war klar, dass ich ein bisschen brauche, um in den Rhythmus zu kommen", sagte Reus, bevor er mit dem Pokal den erst zweiten Titel seiner Karriere in den Berliner Himmel reckte. "Wir wissen, wie heutzutage alles auf und ab geht, wie schnell es gehen kann. Es ist wichtig, ruhig zu bleiben, selbstkritisch zu sein und positiv zu bleiben. Das bin ich."

Der alte Hase hat sich in den vergangenen Wochen wieder gefangen, es wirkt bei seiner Mannschaft und ihm wie der vorgezogene Neuanfang, der vor allem ab Sommer unter Rose einsetzen soll. Im Pokalfinale ragte Reus als umtriebiger Anführer heraus: Er bereitete zwei Tore vor, seine starke Balleroberung machte das frühe 1:0 erst möglich.

Oft tauchte Reus in größeren Spielen unter. Im Endspiel vor vier Jahren, nach dem er erstmals eine Trophäe in der Hand hielt, fiel er zur Pause - typisch, könnte man fast meinen - mit einer Kreuzbandverletzung aus. Nun aber nahm er auch ohne eigenen Treffer eine tragende Rolle ein und beeinflusste die Partie mit seiner hohen individuellen Qualität, so wie man das von ihm schlicht auch erwartet.

Nachdem Reus vor allem in körperlicher Hinsicht über viele Monate nicht mehr auf der Höhe der Zeit erschien, ist ihm dieser beachtliche Aufschwung gewiss zu gönnen. Der Nationalspieler wurde schon häufig abgeschrieben - auch im DFB-Team. Doch in dieser Form wird auch Bundestrainer Joachim Löw bei seiner Nominierung für die EM in der kommenden Woche nicht an Reus vorbeikommen.

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