Cookie-Einstellungen
Fussball

DFB-Team: Timo Werner als Sinnbild für größtes Problem

SID
Timo Werner hatte in der ersten Hälfte gegen Ungarn nur sieben Ballkontakte.

Der Angriff der deutschen Nationalmannschaft lahmt. Wer nur soll bei der WM die Tore schießen?

Timo Werner mogelte sich so unauffällig an den Journalisten vorbei, wie er vorher gespielt hatte. Anderswo als in seiner sportlichen Heimat Leipzig wäre er wohl kaum noch mit aufmunterndem Applaus der Fans verabschiedet worden. Als der Luxusbus der Nationalmannschaft schließlich in die kühle Nacht rollte, blieb der Elefant im Raum als schreiende Frage: Wer nur soll bei der WM die Tore schießen?

Hansi Flick hatte sich das gegen Ungarn (0:1) ganz anders vorgestellt. Entsprechend verblüfft war der Bundestrainer angesichts des Windhauchs, der anstelle eines Sturms durch den gegnerischen Strafraum zog: "Ich hätte nicht gedacht, dass wir uns so wenig Torchancen herausspielen", sagte er mit notdürftig verdecktem Ärger.

Der Verweis auf die Abwesenheit eines Stoßstürmers, der einfach mal einen Eckball verwertet (wie die Ungarn es taten), kam aus der Mannschaft selbst. "Wir haben den nicht", sagte Joshua Kimmich, der das Thema zu gut vom FC Bayern kennt, "da müssen wir uns eben was einfallen lassen."

Timo Werner, der in einer miserablen ersten Halbzeit sieben Ballkontakte hatte, investiere viel. "Was der an Wegen und Läufen macht, der bietet immer wieder was an", sagte Kimmich. Allein gefährlich wurde es nicht. Wenn es resolut stehende Gegner zu knacken gibt, kommen diese Stärken nicht zur Geltung. Sein Spiel benötigt eine Tiefe, die dann schlicht inexistent ist.

DFB-Team: Hansi Flick fehlt klassischer Mittelstürmer

"Wenn wir so einen Fixpunkt hätten", sagt selbst Werner, "der auch mal hohe Bälle nehmen könnte - warum nicht?" Doch wer? München, Leverkusen, Mönchengladbach, Frankfurt, Berlin - nirgendwo spielt ein deutscher Mittelstürmer.

Flick wurde auf Niclas Füllkrug angesprochen. Das hat seinen Charme, der Bremer ist mit fünf Toren in sieben Ligaspielen krachend eingeschlagen. Doch er hat mit 29 Jahren keine einzige Minute in einem internationalen Wettbewerb auf der Uhr. Youssoufa Moukoko, 17, müsste bei Borussia Dortmund erst mal Stammspieler werden.

Dahinter: Wird es noch dünner. Flick verweigert sich keinem regelmäßig treffenden deutschen Angreifer - es gibt keine. "Wir haben sehr gute Torhüter, Mittelfeldspieler, eine große Auswahl an Außenspielern", zählte er auf. "Aber die Mitte? Da haben wir nicht so eine hohe Qualität."

Der nächste Gegner England (Montag, 20.45 Uhr im Liveticker) hat Harry Kane, Frankreich Karim Benzema, Belgien Romelu Lukaku. Deutschland hat Simon Terodde. Wobei auch Brasilien oder Spanien ohne Brecher spielen.

Serge Gnabry ein Totalausfall, Leroy Sané motiviert

Die von Flick erwähnten Außenspieler sind bedauerlicherweise zur Unzeit außer Form. Serge Gnabry war ein Totalausfall, Leroy Sané motiviert, aber wirkungslos. Thomas Müller zwischen ihnen war kaum im Spiel. Die Bayern-Krise, sie ist schnell in die Nationalmannschaft gesickert.

Zudem stellte der Bundestrainer offensive Außenverteidiger auf, David Raum und Jonas Hofmann. Das Ergebnis: "Wir kamen nie dahin, wo wir sie einsetzen konnten." Schob Hofmann nach vorne, lief er auf Gnabry auf. Raum rückte häufig von der Linie weg - und konnte den Ball dann nicht dorthin spielen, wo er selbst hätte stehen sollen.

"Wir haben wenig hundertprozentige Chancen rausgespielt, das nervt und tut weh", klagte Hofmann. Sicher auch Werner, der acht von 42 Toren in den 14 Spielen unter Flick erzielte.

Ilkay Gündogan wunderte sich über Teamkollegen, die den Anschein erweckten, den Ball nicht haben zu wollen. Ungarn machte das Zentrum dicht, stellte Passwege zu und platzierte jeweils einen Spieler außen tief in der Fünferkette - das reichte.

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung