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Fussball

Ilkay Gündogan auch unter Flick nicht gesetzt: Wieso braucht so einer wie er noch Bewährungschancen?

Ilkay Gündogan, Deutschland
© getty

21 Minuten durfte Ilkay Gündogan im ersten Spiel der Nations League, dem 1:1 in Italien, mitwirken. Auch unter Bundestrainer Hansi Flick scheint die Geschichte von Gündogan in der DFB-Elf keine neue Wendung zu erfahren. Dabei überredete Flick Gündogan erst zum Weitermachen.

Nach dem Aus im Achtelfinale der EM 2021 hatte Gündogan nach zehn fast nie komplikationsfreien Jahren mit einem Rücktritt aus der DFB-Elf geliebäugelt. Der Spiegel meint erfahren zu haben, dass Gündogans Rücktrittsbeschluss zu "achtzig Prozenzt festgestanden" habe.

Doch ein langes Telefonat mit dem damals designierten Bundestrainer Hansi Flick stimmte den mittlerweile 31-Jährigen um.

"Wertschätzung" habe er gespürt von Flick, berichtete Gündogan später, vor dem 1:1 in der Nations League gegen Italien lobte der Mittelfeldspieler den Trainer erneut. Flick habe "eine neue Dynamik reingebracht. Vielleicht war das eine Veränderung, die wir gebraucht haben", sagte er der FAZ.

Von dieser neuen Dynamik im Spiel der DFB-Elf war gegen Italien freilich höchstens in den ordentlichen ersten 15 Minuten etwas zu sehen, danach ergab sich die Nationalmannschaft in der Freiluftsauna des wunderschönen Stadions Renato dall'Ara in Bologna der Hitze und vielleicht auch ein bisschen dem Willen der neuformierten und stark verjüngten italienischen Nationalmannschaft, ihr Publikum nach der verpassten WM und dem brutalst deutlichen 0:3 in der Finalissima gegen Argentinien ein wenig zu versöhnen.

DFB-Team: Ilkay Gündogan auch unter Flick nicht gesetzt

Ilkay Gündogan betrachtete den eher lauen Kick seiner Mannschaftskameraden größtenteils von der Bank, erst in der 69. Minute kam er für Leon Goretzka. Er stabilisierte die deutsche Zentrale, war immer anspielbereit und verteilte die Bälle gewohnt sicher. "Man kann es so sehen, dass der Trainer das damit wieder geradegerückt hat", sagte Gündogan am Montag auf einer Pressekonferenz über seine Einwechslung und ergänzte: "Ich bin mir meiner Rolle bewusst. Ich möchte natürlich spielen, ich habe den Anspruch zu spielen, ob hier oder im Verein." Doch zur Wahrheit gehört auch: Gündogan ist in der Nationalmannschaft auch unter Flick eben nicht gesetzt.

Zwei Partien im Oktober verpasste er zwar verletzungsbedingt, aber nur in fünf von nun zehn Länderspielen unter Flick stand Gündogan in der Startelf, in den acht Spielen gelangen ihm drei Tore und eine Vorlage.

Doch anders als von Flick im Sommer in Aussicht gestellt, durfte er sich nie als offensiver ausgerichteter Achter oder gar auf der Zehn versuchen, auch weil Flick dort ohnehin die Qual der Wahl hat. Gegen Italien saßen etwa Kai Havertz und Jamal Musiala ebenfalls nur auf der Bank, der angeschlagene Marco Reus stand nicht mal im Kader. Und Thomas Müller und Serge Gnabry sind ja auch noch da.

"Ich schätze ihn sehr als Spieler, aber noch mehr als Mensch. Weil er einfach ein toller Mensch ist", sagte Flick am Montag: "Er hat gezeigt, dass er ein beruhigendes Element im Spiel ist. Er kann den Ball halten und gibt eine gewisse Sicherheit."

Es spricht jedoch viel dafür, dass Gündogan auch vor und bei seinem wohl letzten Turnier seine Rolle im zentralen Mittelfeld finden muss. Dort also, wo die Bayern-Kumpel Joshua Kimmich und Leon Goretzka die Nase vorn zu haben scheinen.

DFB-Team: Bei Leon Goretzka schwang ein Hauch Alibi mit

In Bologna wurde Kimmich nicht nur wegen seines Ausgleichstreffers seinem Anspruch als Leader der Mannschaft gerecht. Leon Goretzka dagegen fiel vor allem durch ungewohnte Schwächen im Spiel gegen den Ball und allzu großem Zögern vor dem Tor auf. Er konnte seine Wucht nur selten entfalten, bei seinen dynamischen Aktionen, sonst sein Markenzeichen, schwang bisweilen ein Hauch Alibi mit.

Kurz: Eine Pause für Goretzka im Spiel gegen England in München und eine Sprengung des mächtigen Bayernblocks auch an dieser Stelle (auch der in Italien schwache Leroy Sane und Thomas Müller könnten eine Pause gebrauchen) am Dienstag (20.45 Uhr, LIVETICKER) wäre durchaus angebracht.

Das könnte natürlich erneut eine Bewährungschance für Gündogan sein. Wobei da die entscheidende Frage ist, wieso ein Spieler wie Gündogan, der so spielintelligent wie nur wenige Spieler auf der Welt ist, überhaupt noch Bewährungschancen braucht in der DFB-Elf?

Klar, Gündogan war in seiner Karriere oft und viel verletzt, doch seine Turniergeschichte liest sich nicht nur wegen der Verletzungen eher zäh:

  • Bei der EM 2012 war er im Kader, spielte aber nicht.
  • Die WM 2014 verpasste er wegen einer Rückenverletzung.
  • Die EM 2016 verpasste er wegen einer Knieverletzung.
  • Vor der WM 2018 der Skandal wegen der Erdogan-Fotos, während des Turniers kam er auf 59 Minuten beim einzigen Sieg gegen Schweden.
  • Bei der EM 2021 spielte er 90 Minuten gegen Frankreich, 73 gegen Portugal, 58 gegen Ungarn und gar nicht gegen England.

Wäre er nach dem paneuropäischen Turnier zurückgetreten, seine Nationalmannschaftskarriere wäre erst recht unvollendet gewesen. Ob er daran noch etwas ändern kann, ist offen. Bei einer anderen Sache könnte ihm seine wechselvolle Zeit beim DFB aber helfen.

Obwohl Gündogan seit April durch sein damals 34. Tor für Manchester City zum treffsichersten Deutschen in der Geschichte der Premier League wurde und er am letzten Spieltag mit seinen zwei Toren gegen Aston Villa zum Titelhelden avancierte, soll seine Zukunft bei Manchester City offen sein.

Die treffsichersten Deutschen der Premier League

PlatzSpielerSpieleTore
1Ilkay Gündogan15736
2Mesut Özil18433
3Jürgen Klinsmann5629
4Uwe Rösler10229
5Leroy Sane9025

In den wichtigen Halbfinalspielen gegen Real Madrid in der Champions League saß er zunächst auf der Bank, auch in der Premier League kam er am letzten Spieltag von draußen. Laut Daily Mail soll ihm der Klub trotz Vertrags bis 2023 freigestellt haben, ob er sich nach anderen Vereinen umsehen möchte.

Gündogan, der auf die harte Tour lernen musste, wie nötig im Laufe einer Karriere Geduld sein kann, sagte in der FAZ, auf einen Verbleib bei Manchester City angesprochen: "Das wird sich zeigen. Nach aktuellem Stand gehe ich aber davon aus."

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