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Fussball

FC Bayern München - Drei Thesen zum Sieg gegen Barca: Guardiola schluchzt in sein Kissen

Leroy Sane bestätigte seine Topform gegen Barca.
© getty

Mit dem 3:0 gegen den FC Barcelona krönt der FC Bayern eine makellose Champions-League-Gruppenphase. Großen Anteil an der erneuten Demütigung der ab 2022 nur noch in der Europa League vertretenen Katalanen haben zwei Spieler, die beim 8:2 im vergangenen Jahr nur Zuseher waren - sowie die aus Münchner Sicht mittlerweile durchaus als sportlicher Erfolgsfaktor durchgehende Geisterkulisse.

Drei Thesen zur Machtdemonstration des deutschen Rekordmeisters.

1. Besser denn je: Sane ist der, den Guardiola immer wollte

Obwohl er kurz nach der Pause und kurz vor dem Ende jeweils eine Großchance liegen ließ, war Leroy Sane am Mittwochabend der überragende Mann beim FC Bayern. Seine "Fackel" in der 43. Minute, die Barca-Keeper Marc-Andre ter Stegen durch die Finger rutschte, war bereits sein zehntes Tor in dieser Spielzeit. So viele, wie er in seiner kompletten ersten Saison in München erzielt hatte. "Ich freue mich, es läuft alles gut", resümierte der 25-Jährige nüchtern nach dem Abpfiff bei DAZN.

Zusätzlich zu seinem eigenen Tor leitete Sane auch den Führungstreffer von Thomas Müller mit einem perfekten Pass in den Lauf von Robert Lewandowski ein. Mehr als mit seinen Offensivaktionen begeisterte der Linksfuß seinen Trainer aber mit seinem Engagement im Spiel gegen den Ball. Exemplarisch: Sanes gewonnener Defensivzweikampf nahe des eigenen Strafraums gegen Ousmane Dembele kurz vor der Pause.

"In den letzten drei Spielen hat man gemerkt, dass Leroy viele Spielminuten in der bisherigen Saison hat und ihm nicht mehr jeder Meter leicht gefallen ist", erzählte Julian Nagelsmann und berichtete von einer Videoanalyse mit Sane im Vorfeld der Partie, in der er dem Spieler aufgezeigt habe, woran er arbeiten müsse, um wieder auf 100 Prozent zu gelangen.

Das habe Sane gegen Barca "sofort" umgesetzt, verriet Nagelsmann. Und: "Das unterscheidet am Ende dann auch einen guten von einem sehr guten Spieler. Leroy tut uns aktuell unheimlich gut. Wenn ich sehe, wie er heute arbeitet, ansprintet - das ist für mich Charakterstärke! Die Dinge, die ihm vielleicht immer angekreidet wurden, hat er gar nicht mehr."

Pep Guardiola schluchzt vermutlich gerade irgendwo in Manchester in sein Kissen - und zwar nicht nur, weil Barca mes que un desastre ist. Sein alter Schüler Sane ist besser in Form denn je. Weil er auch endlich der Sane ist, den Citys Trainer unbedingt wollte und nur in Teilen bekam: ein disziplinierter, positiv giftiger Spieler, der sich bei all seinen Offensivqualitäten für keinen Weg zu schade ist. Im Pressing, aber auch in der Rückwärtsbewegung.

2. Musiala wird ein "Big Player" - egal auf welcher Position

Neben Sane glänzte mit Jamal Musiala ein weiterer Spieler, der beim historischen 8:2 gegen Barca im vergangenen Jahr nur zugeschaut hatte - und das auf einer Position, die eher weniger seinem Naturell entspricht.

Nagelsmann brachte den Offensiv-Allrounder auf der Doppelsechs an der Seite von Corentin Tolisso und sah einen 18-Jährigen, der in keinem Augenblick die Nerven verlor, sondern Bälle mit der Coolness eines Routiniers eroberte, behauptete und verteilte. So mancher spanischer Kommentator zeigte sich durchaus erstaunt ob der geschickten, schlangenartigen Bewegungen des Bayern-Juwels. "Madre mia, Musiala", rief einer, nachdem die Nummer 42 der Münchner zu Beginn der zweiten Hälfte Frenkie de Jong lässig stehen gelassen hatte.

Von Minute zu Minute traute sich Musiala mehr zu und erwies sich als würdiger Vertreter des kurzfristig ausgefallenen Leon Goretzka. Sein Tor nach einer guten Stunde zum 3:0-Endstand rundete seine reife Leistung ab. Eine Leistung, die einmal mehr deutlich machte: Musiala wird - sollten ihn keine schweren Verletzungen ausbremsen - in den kommenden Jahren ein sehr wichtiger Spieler für den FC Bayern und die deutsche Nationalelf werden. Unabhängig von seiner Position.

"Das Gute bei Jamal ist, dass er sich nie aufgibt. Du kannst ihn treiben und er nimmt es an", lobte Müller nach der Partie auch die Charakterzüge seines Mitspielers. Dass dieser sich in seinem Alter körperlich weiterentwickeln müsse, sei klar, aber: "Wir sind beide nicht die Schränke der Nation. Lange Gräten, immer mal wieder reinstochern, einen Ball abluchsen: Das macht er schon zusätzlich zu diesem Schlangenartigen ganz gut." Musiala sei "ein guter Junge mit super Fähigkeiten". Müllers Fazit: "Den kann man immer bringen - und das heißt beim FC Bayern schon was mit 18."

3. Sportlich profitiert der FC Bayern von Geisterspielen

Fußball ohne Fans - das ist und bleibt falsch. Insofern hießen die FCB-Bosse die Entscheidung des bayrischen Kabinetts Anfang Dezember, sämtliche Profisportvereine ab sofort wieder zu Geisterspielen zu verdammen, alles andere als willkommen. "Jedes Heimspiel ohne Zuschauer bedeutet für uns einen Einnahmeverlust von mindestens 3,5 Millionen Euro. Das trifft uns sehr hart", klagte etwa Präsident Herbert Hainer.

Wie das Duell mit Barca zeigte, sind Partien ohne Zuschauer im Stadion aber gewiss kein sportlicher Nachteil für die Münchner. Nagelsmann räumte bereits auf der Pressekonferenz vor dem Spiel unumwunden ein, dass es der Kommunikation guttun dürfte, wenn sich die Geräuschkulisse in der Arena in Grenzen halte.

Gerade Musiala profitierte davon, weil ihm neben Nagelsmann auch seine Hinter- und Vorderleute auf seiner ungewohnten Position permanent coachten. Allen voran natürlich "Radio" Müller, der häufig kurze und klare Kommandos wie "Achtung", "Hintermann" oder "Dreh auf" gab und den Youngster lobte, wenn ihm etwas gelang.

"Ganz stark, Jamal", rief zwischendurch auch Manuel Neuer. Ab und zu musste sich der eine oder andere Spieler aber auch kritische Worte der "Leitwölfe" anhören. Müller sah sich etwa berufen, Offensivtalent Malik Tillman wenige Augenblicke nach dessen Einwechslung für Lewandowski daran zu erinnern, dass die Mannschaft gerne hoch und energisch presse.

Zwar äußerten alle Protagonisten hinterher die Hoffnung, baldmöglichst wieder vor ausverkauftem Haus spielen zu können. Rein sportlich - und das hat die Triple-Saison 2019/20 gezeigt - machen sich die Münchner das Ärgernis Geisterkulisse aber sehr gut zunutze. Besser als andere Teams zumindest, auch besser als Barca. Bei den Katalanen sprachen zwar die Defensivspieler - insbesondere Pique und ter Stegen (in beachtlich gutem Spanisch) - viel, doch vorne herrschte Stille.

Champions League: Die Tabelle der Gruppe E

RangMannschaftSpieleSUNDiff.Pkt.
1FC Bayern München6600+1918
2SL Benfica6222-28
3FC Barcelona6213-77
4Dynamo Kiew6015-101
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