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Fussball

Kommentar zur Zukunft von Hansi Flick beim FC Bayern München: Wo ist Oliver Kahn?

Oliver Kahn übernimmt Schritt für Schritt die Aufgaben von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge.
© getty

Dem FC Bayern München wurde eben noch zugetraut, nicht nur sportlich eine Ära im Weltfußball zu prägen, nun droht die erste titellose Saison seit Äonen. Der Umgang mit dem Konflikt zwischen Trainer Hansi Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic könnte den Rekordmeister zudem um Jahre zurückwerfen. Der designierte Vorstandschef Oliver Kahn muss jetzt handeln. Ein Kommentar.

Streit sind sie beim FC Bayern München gewohnt. Mehr noch: Konflikte untereinander sehen sie in der Führungsetage des Rekordmeisters sogar als eine Art Lebenselixier an, Reibung erzeugt ja durchaus Energie.

"Ich bin lange genug hier, um die bayerische Streitkultur zu schätzen - eine Kultur der offenen und ehrlichen Diskussion", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kürzlich zu The Athletic. Eine "Art von Streitkultur" sei ein "wichtiger Erfolgsfaktor" beim Rekordmeister, erklärte zuvor schon Rummenigges designierter Nachfolger Oliver Kahn.

Jedoch versucht sich ausgerechnet Kahn in dieser Beziehung als Anti-Bayer, seit er im Januar 2020 sein Vorstandsamt angetreten hat. Als Spieler noch VulKahn und Angstmacher, hält sich der einstige Titan als Funktionär bei allen innerbetrieblichen Konflikten der letzten Monate schön raus. Dabei müsste Kahn sich spätestens jetzt positionieren und aus der Deckung wagen.

Für die Bayern wird Kahns Schweigen zunehmend zum Problem. Denn während Kahn sich - zumindest öffentlich - nicht positionieren möchte, droht der Konflikt zwischen Trainer Hansi Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic, der natürlich nicht nur ein Konflikt zwischen Personen, sondern auch ein Streit der Patrone und der Ideen ist, den Rekordmeister um Jahre zurückzuwerfen. Mit Streitkultur hat die Fortsetzungskomödie, die sich die Beteiligten gerade abliefern, schließlich recht wenig zu tun.

FC Bayern: Wer gehört zum Team Kahn?

Eben noch eine Mannschaft und ein Trainer, denen zugetraut wurde, eine Ära zu prägen, in der der Weltfußball ein wenig mehr bayerisch sprechen (und vielleicht sogar finanziert) werden würde, ist nun sogar die erste komplett titellose Bayern-Saison seit Äonen möglich.

Eben noch ein Klub, der weitsichtig an einer "Strategie 2030" arbeitete und sich zu emanzipieren schien von kurzsichtigen Bauchentscheidungen, werden die Klub-Mitarbeiter nun wieder in Team Tegernsee (aka Team Hoeneß) und Team Grünwald (aka Team Rummenigge) unterteilt.

Dass seit Wochen darüber gerätselt wird, welcher Seite Oliver Kahn eher zugeneigt ist, spricht Bände. Auch wenn Kahn erst in wenigen Monaten die volle Macht haben wird, müsste die Frage längst lauten, wer beim FC Bayern zum Team Kahn gehört? Stattdessen weiß man nicht einmal, ob es ein Team Kahn überhaupt gibt.

Bayern München ist in Paris natürlich nicht wegen des persönlichen Konflikts zwischen Flick und Salihamidzic schon im Viertelfinale der Königsklasse ausgeschieden. Bester Feldspieler der Bayern auf dem Platz am Dienstag war Jerome Boateng, den Hansi Flick auch nächste Saison noch gerne in München gesehen hätte. Nicht viel schlechter als Boateng war Lucas Hernandez, den Salihamidzic gerne noch viel öfter spielen sehen würde.

FC Bayern: Strategische Fragen an den designierten Chef

Aber Bayern ist natürlich auch ausgeschieden wegen des Kern des Konflikts der sportlich Verantwortlichen: Nämlich im Speziellen, wie gut der Kader dieser Saison in der Breite ist und wie viel Einfluss ein Trainer ganz allgemein auf die Kaderplanung haben darf beim Rekordmeister. Fragen, die auch strategischer Natur sind. Fragen, die auch der designierte Vorstandsvorsitzende beantworten müsste.

Kahn versteht Führung anders als die alten Verantwortlichen des FC Bayern, integrativer, strategischer. Nach allem, was man hört, scheinen seine Ideen alle Hand und Fuß zu haben. Doch im Moment scheint er tatenlos dabei zuzusehen, wie der Trainer, der den Klub noch vor wenigen Monaten zu den größtmöglichen Triumphen geführt hat, stillos vergrault wird. Dass die Münchner es nicht geschafft haben, dem Trainer ein Umfeld zu schaffen, in dem er sich so wohlfühlt, dass er unbedingt bleiben möchte, ist eben auch ein Führungsversagen.

Wenn Kahn sein neues Amt nicht mit dem Makel antreten will, sich in den entscheidenden Momenten weggeduckt zu haben, dann muss er den FC Bayern München jetzt zu seinem Verein machen und sagen, wohin die Reise gehen soll.

FC Bayern München: Die nächsten Spiele

WettbewerbDatumGegnerH/A
Bundesliga17.04.VfL WolfsburgA
Bundesliga20.04.Bayer LeverkusenH
Bundesliga24.04.FSV Mainz 05A
Bundesliga08.05Borussia MönchengladbachH
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