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Fussball

FC Bayern - Neuzugang Mathys Tel im Check: Ehrgeizling, Rekordbrecher, neuer Henry

Von Falko Blöding
Mathys Tel spielt bei Stade Rennes - und wird schon mit Thierry Henry verglichen.

Der FC Bayern München hat auf dem Transfermarkt in diesem Sommer richtig zugeschlagen: Matthijs de Ligt, Sadio Mane, Ryan Gravenberch, Noussair Mazraoui - ziemlich hochkarätige Namen, die der FCB als Neuzugänge präsentiert hat. Mit einem fünften Spieler sind sich die Münchner ebenfalls einig - doch der muss sich seinen Namen im europäischen Fußball erst noch erarbeiten: Mathys Tel.

Der junge, unbekannte Franzosen ist ein vielseitiger Angreifer aus Sarcelles bei Paris und zarte 17 Jahre alt. Er gilt in Frankreich als eine der größten Nachwuchshoffnungen. Diverse Rekorde pflastern Tels noch kurzen Karriereweg und das Handeln des FC Bayern ergibt durchaus Sinn, beleuchtet man den Werdegang und die Aussichten des Teenagers.

Die Bayern traten schon vor Wochen an den französischen Klub heran und machten ihre Absichten deutlich. Ein erstes Angebot, das nach Informationen von L'Equipe nur sieben Millionen Euro betrug, wurde von Rennes als "unseriös" angesehen. Der Angreifer sei viel mehr wert - und das machte der Klub in den Verhandlungen deutlich: Mehrere Angebot des FC Bayern wurden abgelehnt, erst am Wochenende fanden beide Klubs zueinander. Und Tel kostet mit knapp 30 Millionen Euro inklusive möglicher Boni nun deutlich mehr, als wohl von den Bayern zu Beginn gedacht.

Trainer Julian Nagelsmann ist trotzdem von seinem Neuzugang begeistert: "Er ist ein sehr junger, talentierter Spieler. Er kann auf mehreren Positionen spielen, ist sehr schnell und stark." Er traue Tel "eines Tages 40 Tore pro Saison" für den deutschen Rekordmeister zu. "Aber wenn er diese Saison zehn Tore schießt, sind wir alle glücklich."

Tels Profi-Debüt im Alter von 16 Jahren und 110 Tagen

Tel debütierte im August 2021 für Rennes' Profimannschaft, da war er 16 Jahre und 110 Tage alt. Er knackte damit eine Bestmarke des heutigen Real-Stars Eduardo Camavinga und wurde zum jüngsten Profispieler der Klubgeschichte. Überhaupt gab es in der Ligue 1 nur zehn jüngere Spieler. In der Youth League war Tel zuvor bereits mit 15 Jahren aufgelaufen.

Den Weg zum Rennes-Rekordspieler ebnete sich Tel mit harter Arbeit. Er gilt seit jeher als absoluter Musterprofi. Nachdem er eine Zeit lang in Frankreichs Elitetalentschmiede Clairefontaine ausgebildet worden war, landete er nach Intermezzi bei einigen Vereinen 2019 beim Pariser Vorortklub Montrouge. Einem Klub, der für seine exzellente Nachwuchsarbeit bekannt ist.

Der damals 14 Jahre alte Tel war aufgrund seines auffälligen Talents für die U17 vorgesehen. Sein damaliger Trainer Thomas Berlette erinnert sich bei SPOX und GOAL: "Als ich ihn traf, lagen wir in der Meisterschaft (U17 Nationals, Anm. d. Red.) auf dem zweiten Platz. Ich sagte ihm gleich, dass ich auf seiner Position eigentlich keinen Bedarf hatte. Er entgegnete: 'Kein Problem. Ich werde hart arbeiten und mich beweisen.'"

Mathys Tel wechselte 2020 zu Stade Rennes

Tel hielt sein Versprechen. "Eine Woche später trainierte er bei uns", erinnert sich Berlette. "Die anderen blickten ein wenig auf ihn herab, er war schließlich jünger. Aber er war unglaublich eifrig. Er wollte sich entwickeln, und er wollte lernen." Andere junge Spieler hätten ihn gar als "zu ehrgeizig" empfunden, so sein einstiger Förderer.

Zu jener Zeit spielte Tel noch defensiver, in der Mittelfeldzentrale und manchmal sogar in der Innenverteidigung. Berlette, der heute als Co-Trainer in Reims arbeitet, beorderte den Youngster deutlich weiter nach vorn: "Meinem Stab und mir fielen diese enormen Fähigkeiten im Dribbling und bei der Geschwindigkeit auf. Es wäre eine Schande gewesen, das nicht zu nutzen. Also stellten wir ihn auf die offensiven Außenbahnen."

Schnell machte sich Tel landesweit einen Namen und weckte das Interesse aus Rennes, wohin er 2020 wechselte. In der bretonischen Nachwuchsakademie, in der unter anderem der genannte Camavinga, Ousmane Dembele und Ismaila Sarr ausgebildet worden waren, lebte er sich schnell ein, und sein Profidebüt im vergangenen Herbst kam nicht wirklich überraschend.

Beim nächsten Schritt in seiner Laufbahn geht es auch darum, eine dauerhafte Position für Tel zu finden. Bei seinem bisherigen Klub kam er meist über die linke Außenbahn, als Stoßstürmer glänzte er in Frankreichs U18 als Goalgetter. So auch vergangenen Herbst beim bekannten U18-Nachwuchsturnier Lafarge Foot Avenir. Da wurde er als bester Spieler ausgezeichnet, noch vor Barca-Star Gavi, der mit Spanien den Titel gewann.

Transfer zum FC Bayern: Mathys Tel stand in Rennes bis 2024 unter Vertrag

Entfernt erinnert der 1,83 Meter große Rechtsfuß in seiner Spielweise an Thierry Henry. Frankreichs Legende kam zu ihrer besten Zeit als Sturmspitze ja auch eher als offensiver Freigeist daher - und verfügte über ähnlich viel Tempo wie Tel, der extrem beschleunigen kann.

Der Scout eines europäischen Spitzenklubs sagte bei SPOX und GOAL, nachdem er Tel mehrfach unter die Lupe genommen hatte: "Ich fand ihn auch im Mittelfeld stark. Er hat viele gute Läufe in die Tiefe gemacht und seine Technik ausgespielt. Im Sturm ist er immer auf der Suche nach Lösungen und will als Bindeglied zum Mittelfeld fungieren. Ich glaube, er wird ein Spieler der Spitzenklasse. Auf welcher Position? Das weiß ich nicht."

Zehn Profispiele hat der Junioren-Nationalspieler bisher gesammelt. Auf seinen ersten Treffer wartet er noch. Bei allem Talent und allem Fleiß ist er noch ein absoluter Rohdiamant, der trotz guter Anlagen und starker Einstellung noch in vielen Bereichen Luft nach oben hat. Jedenfalls ist es schwer vorstellbar, dass er in München auf Anhieb eine prominente Rolle im Starensemble einnimmt.

Tels Vertrag in Rennes lief eigentlich noch bis 2024, er unterschrieb ihn erst im vergangenen Oktober. Damals sprach er anschließend von einem "emotionalen Moment" und kündigte an: "Der schwierigste Teil liegt noch vor mir. Eine Menge ist zuletzt passiert und ich will daraus Stärke ziehen. Ich werde so weiterarbeiten, wie ich es jeden Tag tue." Und das macht er dann ab der kommenden Woche nicht mehr in Rennes, sondern in München.

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