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NFL - San Francisco 49ers: Nicht überragend, aber gerade gut genug

Deebo Samuel und Jimmy Garoppolo sind zwei der Gründe, warum die 49ers nun wieder Richtung Playoffs schauen können.

Die San Francisco 49ers haben sich nach einem schwierigen Zwischenspurt zurückgemeldet und haben nun etwas überraschend ihr Playoff-Schicksal in der eigenen Hand. Für diese Entwicklung sind vor allem ein paar Veränderungen verantwortlich.

Eigentlich hatten wir die San Francisco 49ers vor ein paar Wochen doch quasi schon abgeschrieben. Doch nach ihrem Erfolg über die Minnesota Vikings in Woche 12 stehen sie - nach nunmehr drei Siegen am Stück - plötzlich bei 6-5 und wären damit aktuell sogar als Sechster der NFC in den Playoffs. Doch wie kam es zu dieser positiven Entwicklung. Was hat sich seit Saisonbeginn geändert?

Die große Diskussion zum Start der Saison in der Bay Area war die Quarterback-Personalie. Die Niners hatten spektakulär den dritten Pick im Draft von den Miami Dolphins per Trade ergattert und damit dann Trey Lance gezogen. Und jener debütierte direkt in Woche 1 und erzielte einen Touchdown. Ein Auftakt nach Maß und ein Fingerzeig Richtung baldiger Wachablösung.

Zumindest war das die einhellige Meinung, auch wenn Head Coach Kyle Shanahan schon früh klarstellte - wenn auch manchmal nicht unbedingt überzeugend -, dass Jimmy Garoppolo der Starter bliebe. Nach zwei Auftaktsiegen folgten letztlich jedoch vier Niederlagen am Stück und eine Art Schaffenskrise. Das Run Game, das Herzstück der Shanahan-Offense, funktionierte nicht so recht und zu allem Überfluss kehrte das immense Verletzungspech des Vorjahres zurück. Große Namen wie Garoppolo, Tight George Kittle, Edge Rusher Nick Bosa, Running Back Raheem Mostert oder auch Linebacker Dre Greenlaw, Defensive Tackle Javon Kinlaw und Edge Rusher Dee Ford meldeten sich nach und nach ab - einige davon sogar für den Rest der Saison.

Zwischendrin durfte auch mal Lance von Anfang an ran, verletzte sich dann aber selbst am Knie und musste wie Jimmy G passen. Diese Mannschaft hatte also allen Grund, an dem Punkt auseinander zu fallen. Sie kämpfte sich jedoch wieder in die Spur.

Nach ihrer Bye Week in Woche 6 verloren die Niners noch zwei der drei folgenden Partien gegen die Colts und Cardinals, schlugen jedoch die Bears in Chicago nach zähem Kampf. Die Wende jedoch kam erst beim denkwürdigen 31:10-Heimsieg im Monday Night Game der Woche 10 über die Los Angeles Rams.

San Francisco 49ers: Heimsieg über Rams als Wendepunkt

Da hatte es gewissermaßen Klick gemacht in diesem Team. Die Offense wirkte variabler, das Run Game übernahm das Kommando und trumpfte nun viel explosiver, allen voran mit Wide Receiver Deebo Samuel im Backfield, auf. Es war nur der Anfang, die Laufleistung sollte sich danach noch deutlich steigern, aber dieses Spiel war richtungsweisend.

Nicht zufällig war es zugleich das zweite Spiel nach Kittles Rückkehr, nachdem er in der Vorwoche noch kaum ein Faktor gewesen war. Fortan folgten ein lockerer Erfolg über die Jaguars (30:10) sowie der 34:26-Thriller gegen die Vikings am Sonntag, der die Niners nun exzellent für den Schlussspurt positioniert.

Die wichtigsten Stellschrauben im Vergleich zu den fünf Pleiten in sechs Spielen zwischen den Wochen 3 und 9 sind allesamt in der Offense zu verorten. Allen voran herrscht nun wieder eine klare Hierarchie auf der Quarterback-Position. Sah Lance zu Beginn immer mal ein paar Snaps in bestimmten Situationen, ist seine Einsatzzeit zuletzt komplett gestrichen worden - weder beim Kantersieg in Jacksonville noch gegen die Vikings sah er das Feld. Dies ist wieder Garoppolos Show und wird es wohl mindestens bis Saisonende auch bleiben - was darüber hinaus passiert, steht in den Sternen. Sein Vertrag endet 2022, in der kommenden Offseason wäre er günstig loszuwerden, sofern die 49ers denn wollen.

Zudem wurde die Offensive Line stabilisiert. Gegen die Vikings standen alle fünf Starter für alle Offensiv-Snaps auf dem Feld, kein Backup sah das Feld! Das ist besonders bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass zuletzt noch fraglich war, wer gegenüber von Left Tackle Trent Williams, der womöglich die beste Saison seiner beachtlichen Karriere spielt, starten sollte. Zuletzt wurde hier noch im Wechselspiel zwischen Rookie Jaylon Moore und Tom Compton herumprobiert. Gegen Minnesota war dann Compton der Starter und spielte ordentlich. Nicht zufällig gehen die wichtigen Runs der Niners derzeit alle über die rechte Seite, wo allerdings meist auch Kittle anzutreffen ist.

Letzterer hatte zwar gegen die Vikings erstmals seit seiner Rookie-Saison 2017 nur einen Catch, doch zeigte er sich im Run Blocking wie gewohnt äußerst produktiv. Gleiches gilt ebenso für die Wide Receiver, was seit jeher ein wichtiger Faktor für den Erfolg dieser Offense ist.

San Francisco 49ers: Neue Hierarchie im Receiving Corps

Und dann wären da noch eben jene Wide Receiver, die nun klarere Rollen als zu Beginn einnehmen, ebenso hat sich die Hierarchie auf der Position verschoben. Das Prunkstück der Unit ist zweifelsohne Deebo Samuel, der gewissermaßen der neue X-Faktor des Teams ist. War er bislang schon als YAC-Monster (Yards after Catch) bekannt , ist er nun gewissermaßen auch noch ein äußerst explosiver Running Back, wenn man so will.

Was Samuel in dieser Saison leistet, ist schlicht herausragend, was eine Statistik vom Wochenende deutlich unterstreicht: Laut ESPN Stats & Info ist Samuel erst der dritte Spieler in der Geschichte der NFL mit 1000 Receiving Yards, 5 Receiving Touchdowns und 5 Rushing Touchdowns in einer Saison. Vor ihm schafften dies lediglich Hall-of-Famer Marshall Faulk 1999 und Niners-Legende Roger Craig (1985) - die waren übrigens echte Running Backs. Samuel kam zudem bei seiner Leistenverletzung mit dem Schrecken davon und wird wohl nur ein bis zwei Spiele verpassen.

Darüber hinaus hat sich Brandon Aiyuk, der ähnliche Fähigkeiten wie Samuel aufweist, zu einer guten Nummer 2 entwickelt. Und der bislang unauffällige Jauan Jennings, ein Siebtrundenpick 2020, schwamm sich in den vergangenen Wochen frei und darf mittlerweile als klare Nummer 3 dieser Gruppe angesehen werden. Nicht zufällig fing er den zweiten Touchdown des Spiels am Sonntag. Zu Saisonbeginn war er noch eine Randnotiz und sah keine zehn Snaps pro Spiel.

Um das derzeitige Glück perfekt zu machen, muss ebenfalls auf Rookie-Running-Back Elijah Mitchell verwiesen werden. Jener wurde durch die erneut schwere Verletzung von Mostert ins kalte Wasser geworfen und hat in Sachen Rushing Yards unter allen Rookies nur noch Najee Harris vor sich.

Mit einem nun wieder funktionierenden Run Game, das sich auf lange Drives spezialisiert, die dem Gegner den Ball buchstäblich vorenthalten, kontrollieren die Niners nun wieder das Geschehen. Sie sind nicht fehlerfrei unterwegs - man denke nur an Garoppolos abenteuerliche Interception zu Harrison Smith am Sonntag, die Shanahan als "unentschuldbar" deklarierte - , doch insgesamt machen sie derzeit weniger Fehler als die Gegner.

San Francisco 49ers: Defense gerade gut genug

Hinzu kommt, und das soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass auch die Defense wieder besser agiert als phasenweise in dieser Saison. Auch hier gilt, dass die Unit weit von der dominanten Truppe anno 2019 entfernt ist. Die Secondary bleibt wacklig und in Sachen Pass-Rush konzentriert sich zu viel auf Bosa.

Doch man spielt grundlegend gut genug und kann es sich leisten, auf Fehler des Gegners zu warten. Fehler, die zuletzt auch ausgenutzt wurden. Gegen die Rams fing Cornerback Jimmie Ward zwei frühe Interceptions (eine zum Touchdown), gegen die Vikings war es Linebacker Azeez Al-Shaair, der eine Interception fing und einen Fumble eroberte. Darauf folgten ein Touchdown und ein Field Goal.

Gerade gegen die Vikings wurde deutlich, aus welchem Holz diese Mannschaft geschnitzt ist. Es begann holprig, doch anstatt die Köpfe in den Sand zu stecken, bissen sich die Niners ins Spiel und bewiesen am Ende den längeren Atem. Ein Spiegelbild der bisherigen Saison.

Ihre Offense machte gerade genügend Punkte, während die Defense letztlich so viel wie nötig tat, um das Spiel zu gewinnen. Es war kein schillernder Sieg, aber ein am Ende verdienter. Der finale Drive der Vikings endete nicht mit einem spektakulären Play, sondern weil viele Spieler unterm Strich ihren Job gemacht hatten - an der Front kam solider Druck, während hinten die Coverage eng genug war, um dem Gegner das Leben schwer genug zu machen.

Mit 6-5 sind die 49ers nun in Position für einen spannenden Endspurt. Der Best Case ist nun Rang 5 in der NFC und den könnten sie sogar noch aus eigener Kraft erreichen. Derzeit liegen die Niners ein Spiel hinter den Rams, die drei Spiele in Serie verloren haben und San Francisco noch in Woche 18 empfangen. Doch selbst wenn der Sprung auf Rang 5 nicht mehr gelänge, wären die zwei weiteren Wildcards mehr als möglich, zumal die Niners bereits die Direktduelle mit den Vikings (5-6) und Eagles (5-7) gewonnen haben. Sie haben ihr Schicksal in der eigenen Hand. Eine Tatsache, die vor rund vier Wochen noch geradezu undenkbar erschien.

San Francisco 49ers: Das Restprogramm 2021

WocheDatumUhrzeit (MEZ)Gegner
13Sonntag, 5. Dezember22.25 Uhr@ Seahawks
14Sonntag, 12. Dezember19 Uhr@ Bengals
15Sonntag, 19. Dezember22.05 Uhrvs. Falcons
16Freitag, 24. Dezember2.20 Uhr@ Titans
17Sonntag, 2. Januar22.05 Uhrvs. Texans
18Sonntag, 9. Januar22.25 Uhr@ Rams
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