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Top 10: Die wichtigsten Erkenntnisse aus Woche 13 in der NFL

SPOX-Redakteur Adrian Franke fasst seine wichtigsten Erkenntnisse zum NFL-Sonntag zusammen.
© getty

Woche 13 in der NFL machte einige Fakten deutlich: Die Liga hat ein extrem großes Mittelfeld - und nur wenige Teams setzen sich nach oben ab. Bei den Chargers und Bears ist ein großer Umbruch notwendig. Die Eagles sollten Carson Wentz zumindest vorerst draußen lassen - und haben die Jets absichtlich verloren? SPOX-Redakteur Adrian Franke bringt Euch am Montag auf Stand mit seinen zehn wichtigsten Punkten und Einschätzungen zum vergangenen NFL-Sonntag, alle Recaps vom Sonntag gibt es hier.

Top 10 - die Takeaways zu Week 13 in der NFL

1. Eagles: Pedersons Stuhl wackelt - Wentz muss raus

Drei Jahre ist es her, dass die Philadelphia Eagles eine Märchensaison spielten. Carson Wentz auf MVP-Kurs, mit Nick Foles zum Super-Bowl-Gewinn, dem ersten Titel in der Geschichte der Franchise. Und die Eagles, so schien es, waren gekommen, um zu bleiben. Ein Team, vermeintlich vielerorts noch inmitten oder gar zu Beginn seiner Prime.

Schnelldurchlauf, drei Jahre später: Bereits im Vorfeld der Partie ließ NFL-Insider Ian Rapoport verlauten, dass der Stuhl von Eagles-Coach Doug Pederson wackelt. Dass Pederson zu Beginn der kommenden Saison noch in Philly ist, scheint alles andere als garantiert. What have you done for me lately?

Die Eagles hatten seit jener Super-Bowl-Saison auch ihre Umbrüche - selbstredend, drei Jahre in der NFL sind aus Kader-Sicht eine Ewigkeit. Gemeint ist in dem Fall aber gar nicht so sehr das, was bei den Spielern passierte: Pederson hatte 2017 einen exzellenten offensiven Trainerstab um sich, mit Frank Reich als Offensive Coordinator, John DeFilippo als Quarterbacks-Coach und Mike Groh als Wide-Receiver-Coach.

Dieses Gebilde zerbrach schnell; erfolgreiche Teams werden auch im Trainerstab gerupft. Und mehr als durch die Verletzungen in der Offensive Line sieht man diese Defizite in der laufenden Saison. Die Eagles suchen offensiv verzweifelt nach einer Identität. Das Play-Calling ist nicht gut. Vor allem aber: der übergreifende Plan fehlte. Bis jetzt zumindest.

War es das für Carson Wentz?

Das galt (und gilt) für die Offense im Gesamtbild, aber eben insbesondere für die wichtigste Position.

Die Eagles haben Jalen Hurts in der zweiten Runde des vergangenen Drafts geholt. Carson Wentz spielt grausam, das setzte sich auch gegen die Packers fort: Wentz ist der schlechteste Quarterback in der NFL in puncto Pocket-Verhalten, er verfehlt regelmäßig Receiver, er ist viel zu langsam mit seinen Reads, er macht gravierende Fehler und regelmäßig, wenn per Designs mögliche Targets offen sind, zögert er zu lange oder verfehlt diese.

Wenn man eine Offense hat, die den Ball nicht bewegen kann, die keinen taktischen Plan B findet, und deren Quarterback mächtige Probleme hat - sollte es dann nicht einen klaren Alternativplan geben, um mit dem mobilen Rookie-Quarterback vielleicht über eine andere Schiene eine offensive Identität zu finden? Und selbst wenn es nur für ein, zwei Wochen der Fall ist, und Wentz danach mit frischem Kopf wieder übernehmen kann? Was wäre hier der Worst Case, was gibt es zu verlieren?

Bereits in der Vorwoche schien Hurts im Training mehr Snaps mit den Startern zu bekommen, um eine größere Rolle gegen Seattle zu erhalten. Davon war dann nichts zu sehen. Gegen Green Bay kam er schließlich Mitte des dritten Viertels rein, und sorgte prompt für einige Highlights. Natürlich war längst nicht alles perfekt, doch die Offense lief mit Hurts besser, und das war nur in der Notfall-Backup-Rolle. Nicht mit einem auf ihn angepassten Game Plan.

Pederson wollte sich nach dem Spiel noch nicht auf einen fixen Starter festlegen. Doch nach dem, was in Green Bay zu beobachten war, und was mit Wentz schon die ganze Saison über ein konstantes Thema ist, darf es eigentlich keine zwei Meinungen geben: Wentz muss auf die Bank. Mindestens vorübergehend. Dabei sagt niemand, dass ein Tausch automatisch alle Probleme löst oder dass Hurts auch nur besser spielt als Wentz. Aber Woche für Woche das Gleiche mit Wentz kann so nicht weitergehen.

Anfang dieser Woche hatte Pederson davon gesprochen, dass er überlegt, das Play-Calling abzugeben. Die Spieler hatten ein "Players-only-Meeting" am Mittwoch. Es ist quasi das Einmaleins des "die Lage ist ernst" in der NFL. Es ist an der Zeit, auch die Quarterback-Karte zu spielen.

2. Der Seahawks-Patzer zeigt ein klares Muster

Es sollte eine der eindeutigeren Partien werden. Die Giants als vermeintlich klar unterlegener Gast aus der NFC East, der mit Backup-Quarterback Colt McCoy nach Seattle reisen musste und für die Seahawks den nächsten Stop des vermeintlich einfachsten Parts des Schedules darstellen sollte.

Doch weit gefehlt. Die Giants schockten Seattle nicht nur mit dem 17:12-Sieg, der auch die NFC West komplett offen hält, während die G-Men sich in ihrer Division langsam absetzen könnten - es war auch die Art und Weise, wie New York dieses Spiel gewann, die Seahawks-Fans Sorgen bereiten dürfte.

Die Scoring-Drives der Giants waren dabei nicht das Thema. Seattle blitzte früh und viel und kam so auch immer wieder durch; zwei der drei Scoring-Drives kamen direkt nach Seahawks-Turnovern mit einem kurzen Feld, der erste Touchdown-Drive kam durch einen 60-Yard-Run zustande. Nein, es war Seattles Offense, die eigentlich das Prunkstück dieses Teams sein sollte, die einen ganzen Sandkasten im Getriebe hatte. Und das nicht zum ersten Mal über die letzten drei Wochen.

Vor allem besorgniserregend ist, dass sich ein Muster abzeichnet. Das sind nicht einfach zufällige Niederlagen, in denen Russell Wilson und Co. zu viel liegen lassen oder zu viele einfache Fehler machen. Seattle, und Wilson konkret, haben Probleme gegen Defenses, die viel mit zwei tiefen Safeties agieren und darauf aufbauend einmal ihre Coverages "verstecken" und nach dem Snap umstellen, aber auch Wilson vielseitige Pressure-Pakete entgegenwerfen.

Das war dieses Jahr bereits mehrfach zu beobachten. Dann fehlen die Big Plays, Seattle hat dagegen weniger vertikale Konzepte, dann sind Drops wie der von DK Metcalf noch schmerzhafter. Und dass Tyler Lockett nicht bei 100 Prozent ist, ist ein umso größerer Faktor.

Vor allem aber spielt Wilson ganz individuell betrachtet viel wackliger. Er fängt dann sichtbar an, seiner Protection nicht zu vertrauen, er geht nicht gut durch seine Reads, er flüchtet zu schnell aus der Pocket, er geht zu schnell zum Checkdown. Die Probleme in der Offense können sich so im Laufe eines Spiels immer weiter hochschaukeln, und die Giants spielten exzellente Coverage dagegen.

Gerade in der Offensive Line fehlt eben auch die Qualität, um ein Spiel "mal eben" auf andere Art und Weise zu dominieren. Und wenn Seattle inzwischen gegen zwei tiefe Safeties den Ball nicht laufen kann - worauf die Giants mit ihrer D-Line setzen -, wird es problematisch. Auch deshalb bekommt man unter dem Strich ein Team, das dominant sein müsste, aber von Inkonstanz geplagt ist.

Aber die Giants sollten hier nicht unerwähnt bleiben. Daniel Jones hatte ich über die vergangenen Wochen bereits mehrfach gelobt, aber hier war es einmal mehr auch die Defense, die begeisterte. Die G-Men haben hier im Laufe der Saison deutlich erkennbare Fortschritte gemacht, und zusammen mit einer Offense, die zumindest immer für ein paar Big Plays gut ist, sind die Giants zumindest mal eines: unangenehm. Und dieses Prädikat dürfte für Giants-Fans angesichts der Aussichten im Vorfeld der Saison bereits äußerst willkommen sein.

3. Browns, Titans und das breite Mittelmaß

Das Duell der beiden schematisch vielleicht ähnlichsten Offenses in der NFL zwischen Cleveland und Tennessee war letztlich eine deutliche Angelegenheit - weil Cleveland vielleicht die beste Browns-Halbzeit in diesem Jahrtausend aufs Feld legte. Und das trotz einiger früher Fehler, so ließ Donovan Peoples-Jones etwa einen frühen mutmaßlichen Touchdown-Pass fallen.

Aber dann spielte sich Cleveland in einen Rausch. Mit mehreren Trick Plays, mit der gewohnt kräftigen Dosis Play Action - aber auch mit Plays aus Empty, mit einigen guten Szenen von Baker Mayfield, der am Sonntag der erste Browns-Quarterback seit Otto Graham im Dezember 1951 wurde, der in einer ersten Hälfte vier Touchdown-Pässe auflegte.

Viel davon gelang aus einer sauberen Pocket, weil Tennessee mal wieder keinen Druck auf den Quarterback ausüben konnte.

Tennessee kam dann in der zweiten Hälfte ein wenig zurück, als sie gezwungen waren, den Ball mehr zu werfen. Tannehill, Brown und vor allem Corey Davis machten allesamt Plays - und gleichzeitig wurden hier dann auch Schwachstellen deutlich, eben wenn die Tackles konstant in Pass-Protection standhalten müssen. Und gemessen daran war die zweite Hälfte immer noch äußerst explosiv.

Das breite Mittelfeld der NFL

Aber eine übergreifende Erkenntnis ist aus diesem Spiel - und generell aus diesem Spieltag - hängengeblieben: Die NFL hat zwei, maximal drei wirkliche Top-Teams: Die Chiefs, die Saints (mit Brees zurück), mit Abstrichen die Packers.

Ab dann beginnt das erweiterte Mittelfeld. Mit den Seahawks, die gerade gegen die Giants mit deren Backup-Quarterback verloren haben. Mit den Steelers, die beinahe gegen die Ravens und deren Offense-Backups verloren hätten. Mit den Bucs, die ihre selbstverschuldeten Offensiv-Schwierigkeiten durch die Saison schleppen.

Und irgendwann dann eben auch mit den Titans und Browns. Zwei Teams, die weit davon entfernt sind, "komplette" Teams aufs Feld zu führen. Die Titans haben zumeist mehr offensive Explosivität, die Browns sind in der Offensive Line sowie defensiv besser. Aber beide Teams haben auch deutlich erkennbare Limitierungen und Schwachstellen - wie eben auch die anderen Teams in dieser Gruppe, manche noch größere als die anderen.

Das heißt aber eben gleichzeitig: in dieser Gruppe kann vermutlich letztlich auch jeder jeden schlagen. Und das dürfte zumindest für spannende Playoffs sorgen.

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