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Third and Long Week 8 - der Mailbag zum Spieltag: MVP, Rookies und Co.: Die Awards zur Saison-Halbzeit

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OnLy_GB: War Brady doch wichtiger als Belichick? Funktioniert es nur in der Kombination? Oder sind die Pats wegen der Gesamtsituation des Kaders so viel schlechter als gewohnt?

Ganz simpel könnte man sagen: Um in der heutigen NFL nachhaltigen Erfolg zu haben, braucht man eine konstante Top-Offense. Und um eine konstante Top-Offense zu haben, braucht man einen Top-Quarterback. Natürlich ist es nicht so simpel, aber wenn wir über Erfolg in der heutigen NFL sprechen, ist es ein legitimer Startpunkt.

Vor 20 Jahren - also in der Brady-Frühphase - war es noch eine andere Liga, und gerade in seinen frühen Jahren wurde Brady auch stark von Defenses und dem Run Game mit getragen. Doch in der heutigen NFL ist es schwer bis nahezu unmöglich, den Elite-Quarterback von einem aufs andere Jahr zu ersetzen. Und wie schlecht die Umstände bereits letztes Jahr in New England waren - sowie im gleichen Gedankengang, wie gut Brady gespielt hat, dass die Pats offensiv zumindest funktioniert haben - wird dieses Jahr so richtig deutlich.

Auch Belichick kann das nicht ausgleichen. Kein Coach könnte das. Nicht mit dem schlechtesten offensiven Waffenarsenal der Liga. Aber trotzdem würde ich hier ganz klar auf eine nicht schwarz-weiße Herangehensweise drängen. So gut Brady auch in der "zweiten Dynasty Phase" in New England war, so konnte er sich eben doch auch darauf verlassen, dass Belichick das Team insgesamt perfekt eingestellt hat, dass die Defense ihren Teil beitragen wird und dass simple Fehler, die andere Teams so häufig enge Spiele kosten, bei den Patriots deutlich seltener auftreten.

Umgekehrt wusste Belichick, dass Brady wenige gravierende Fehler machen würde, dass er die Offense bis zur Perfektion kontrolliert und wenn man die ganze Diskussion noch auf Dinge wie Mentalität ausweitet, war das Gesamt-Konstrukt in Foxboro ohnehin einzigartig. Ich würde beide in ihrer Bedeutung nicht voneinander trennen. Diese Saison zeigt für mich vor allem, dass auch der beste Head Coach der Liga eine gewisse Quarterback- und generelle Offense-Base-Line braucht.

Brady auf der anderen Seite ist in eine signifikant bessere Situation, was die individuelle Qualität des Teams angeht, gekommen. In puncto Coaching, Play-Calling oder auch In-Game-Entscheidungen frage ich mich aber schon, ob Brady nicht schon das eine oder andere Mal ein kleines "das bin ich anders gewohnt" im Hinterkopf hatte.

BigWink: Sind die Steelers Top-Favorit auf die Bye in der AFC?

Nein, das ist mir definitiv zu stark. Auch wenn der weitere Schedule vergleichsweise gut aussieht.

Die Steelers sind gut und sie sind relativ komplett, was den Kader angeht. Aber trotzdem haben sie auch klare Limitierungen, sei es offensiv im Passspiel, oder eben defensiv auch in Coverage. Der stark vom Kurzpassspiel geprägte offensive Ansatz mit Big Ben primär als Ballverteiler harmoniert gut mit der Dominanz der Defensive Line - die Offense kann lange Drives hinlegen, die Defense kann ihr den Ball schnell zurückholen und lässt wenige Big Plays zu. So ersticken die Steelers Gegner und ganze Spiele.

Aber der Spielraum für Fehler ist eben auch sehr klein, ich hatte darüber letzte Woche bereits ein wenig geschrieben, nachdem Pittsburgh das Spiel gegen die Titans fast noch in der zweiten Hälfte komplett aus der Hand gegeben hätte. Und auch gegen die Ravens war es ja so, dass Pittsburgh den Ball lange nicht wirklich bewegen konnte und letztlich Baltimores Turnover die Partie stets in Reichweite für die Steelers hielten. Die Iso-Route-Offense der Steelers funktionierte gegen die Elite-Secondary der Ravens schlicht nicht.

Pittsurgh gehört in die AFC-Spitzengruppe, die Spiele jetzt gegen Tennessee und Baltimore lassen ja kaum einen anderen Schluss zu. Aber der Top-Favorit auf die Bye Week in der AFC ist und bleibt für mich Kansas City.

Lukas L: Was ist das Ziel für mittelmäßige Teams, die eigentlich kaum mehr in die Playoffs kommen können? Extra viel testen und Niederlagen in Kauf nehmen?

Im Vakuum betrachtet wäre das natürlich das Idealszenario. Teams wie die Texans, Jaguars, Cowboys, Giants oder auch Vikings könnten nicht nur junge Spieler testen und ihnen gleichzeitig wertvolle Reps geben, sondern auch alternative Ansätze auf beiden Seiten des Balls unter Wettkampfbedingungen ausprobieren.

Doch natürlich passiert letztlich nichts im Vakuum. Für Coaches und GMs geht es um Jobs und die sportliche Zukunft - ein hart erkämpftes 6-10-Finish kann ein Jahr mehr im Amt bedeuten, ein Jahr mehr, um vielleicht doch die richtigen Knöpfe zu drücken, vielleicht auch etwas neues aufzubauen. Dan Quinn im Vorjahr bei den Falcons wäre so ein Paradebeispiel.

Das macht mutige Experimente und gewagte Personalentscheidungen eben extrem schwierig. Nur Coaches mit sehr langfristiger Sicherheit und möglichst früh in ihrem Prozess - Matt Rhule bei den Panthers etwa, im Vorjahr Brian Flores in Miami - können dann auch radikalere Entscheidungen treffen. Aber Geduld ist ein seltenes Gut, und das gilt auch - oder erst recht - für NFL-Teambesitzer.

Deshalb sind auch Umbrüche so schwierig, selbst wenn sie, wie einst mit Sashi Brown in Cleveland, vermeintlich langfristig ausgelegt sind und einen klaren Plan verfolgen. Nahezu kein Verantwortungsträger in der NFL kann es sich leisten, Niederlagen in Kauf zu nehmen.

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