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NFL: Derrick Henry von den Tennessee Titans - Der Bulldozer, der die Uhr zurückdreht

Derrick Henry ist der Star der bisherigen NFL Playoffs für die Tennessee Titans.

Running Back Derrick Henry avancierte durch zwei herausragende Leistungen in den diesjährigen NFL Playoffs zum Star der Tennessee Titans. Dabei zeichnet ihn aus, was nach neuesten Erkenntnissen gar kein Erfolgsrezept mehr ist.

Derrick Henry ist in aller Munde. Der Running Back der Tennessee Titans lief in den ersten beiden Playoff-Runden alles in Grund und Boden und war damit der beste Mann seines Teams - vielleicht sogar aller Teams, blickt man auf die Leistung im Rahmen der jeweiligen Position.

Henry überrannte zunächst die Patriots (34 CAR, 182 YDS, TD) und dann auch noch die Ravens (30 CAR, 195 YDS, PASS TD) und drehte damit gewissermaßen die Uhr zurück. In einer Zeit, in der alles über das Passspiel geht und jeder Analytics-Verfechter gebetsmühlenartig betont, wie unklug Laufspielzüge, speziell in frühen Downs, doch eigentlich sind.

Henry jedoch ist die Antithese dieser New-Age-Denkweise. Er hatte in beiden Spielen mehr Touches als Quarterback Ryan Tannehill Pässe warf - genau genommen kam das Verhältnis sehr nahe an 2:1 heran. Eigentlich undenkbar, dass man mit diesem Ansatz, noch dazu in den Playoffs, bestehen kann. Zumal etwa die Seahawks letztlich auch daran scheiterten, dass sie einfach zu sehr am Lauf festgehalten hatten, anstatt den Ball in die Hände ihrer Superstar-Quarterbacks zu geben.

Nicht so Tennessee, das ganz bewusst diesem Bulldozer auf zwei Beinen (112 Kilogramm auf 1,90 Meter Körpergröße, 4,54 40-Yard-Sprint) vermehrt den Ball gibt. Der Ansatz ist klar: Mit starker Defense und dem Laufspiel soll der Erfolg kommen. Immerhin funktionierte dieser Ansatz seit Jahren in dieser Liga, in Tennessee besonders in der Hochzeit der Titans Ende der 90er Jahre mit Running-Back-Legende Eddie George als treibender Kraft.

Tennessee Titans: Die Vorteile des dominanten Run Games

Die Idee: Wer gut mit dem Ball laufen kann, hält diesen auch länger. Hält man den Ball länger, kann der Gegner ihn nicht haben und selbst Punkte erzielen. Das Spiel wird kürzer, es gibt - im Idealfall - weniger Drives für beide Teams. Gleichzeitig entlastet das natürlich auch die eigene Defense, die weniger Zeit auf dem Platz verbringen muss. Ein recht triviales Konzept, das in der Tat über Jahrzehnte hinweg funktioniert hat.

Henrys Aufstieg ist derweil keineswegs ein neues Phänomen. Bereits Ende der Saison 2018 fand Alabamas Heisman-Gewinner von 2015 in die Spur und ist seitdem kaum noch aufzuhalten. 2019 nun krönte sich Henry zum Rushing-Leader und Co-Rushing-Touchdown-Leader (zusammen mit Aaron Jones). Warum?

Glaubt man seinem Running Backs Coach Tony Dews, dann gelang Henry der Turnaround irgendwann 2018, weil er gewissermaßen das Licht gesehen hatte. "Er sieht es jetzt", zitiert ihn The Athletic. Demnach habe Henry nun mehr Geduld beim Laufspiel, vertraue mehr auf seine Blocks und treffe bessere Entscheidungen. "Don't take the Cheese", sei das Stichtwort.

Derrick Henry: Statistiken 2019

KategorieWertLiga-Rang
Rushing Yards15401
Rushing Touchdowns161
DVOA (Prozent)6,511
DYAR1906

Gemeint ist damit: Entscheide Dich nicht für eine Richtung beim Cut, bis Du weißt, welche Gasse sich tatsächlich für Dich auftun wird.

Bei Henry war dies offenbar ein längerer Lernprozess. In seinen ersten beiden NFL-Jahren noch gab er den Backup hinter DeMarco Murray und sah entsprechend weniger Einsatzzeit. 2018 dann übernahm er den Starter-Job und brauchte eine Weile, um sich freizuschwimmen. Bis er dann Feuer fing und in Woche 14 gewissermaßen seine Coming-Out-Party feierte. Gegen die Jaguars lief er für 238 Yards und 4 Touchdowns, gefolgt von 170 Yards (33 CAR) und 2 Touchdowns gegen die Giants.

Derrick Hendry, der Madden-Wunschtraum

Seine Leistungen in der Regular Season 2019 und dann auch in den Playoffs brachte ihm schließlich jede Menge Respekt ein. Ravens-Defensive-Coordinator nannte ihn kürzlich "einen dieser Typen, die die Kinder in Madden kreieren".

Dieser Madden-Gott könnte nun sogar Historisches leisten. Nach den ersten zwei Playoff-Spielen steht er bereits bei 377 Rushing Yards. Hält er die Pace und erreichen die Titans den Super Bowl, dann könnte der Allzeit-Playoff-Saison-Rekord von John Riggins aus der Saison 1982 fallen - damals lief der Redskins-Star für 610 Yards in vier Spielen.

Rekorde und dergleichen sind jedoch nicht das, was Henry antreibt. Er ist eher ein Leisetreter, zumindest in der Öffentlichkeit. Nachdem die Titans durch einen Sieg in Woche 17 in Houston die Playoffs erreicht und er selbst den Rushing-Titel gewonnen hatten, ging sein Blick schnell nach vorne: "Er stand einfach auf und sagte: 'Wir haben nicht unser bestes Spiel gezeigt; lasst uns herausfinden, wie wir das in New England machen können'", berichtete Safety Kevin Byard.

Und dennoch: So imposant seine Leistungen - und die der Titans insgesamt - aber auch bis hierhin waren, so konstant blieben auch die Stimmen der Zweifler, die immer wieder hinterfragten, ob sich der Titans-Ansatz tatsächlich auch gegen den kommenden Gegner auszahlen wird.

Titans: Defense und Special Teams helfen gegen Ravens

Gegen die Patriots war deren Run-Defense ohnehin ein bekannter Schwachpunkt, dazu kam eine sehr schwache Offense.

Gegen Baltimore dagegen sah die gegnerische Defense stabiler aus und wie um Himmels Willen wäre Lamar Jackson zu stoppen? Die Antwort: Im Prinzip stoppte er sich mit ein paar zu vielen Fehlern - mit freundlicher Unterstützung seiner Receiver - selbst. Und offensiv funktionierte das Laufspiel sehr wohl, wobei betont werden muss, dass Henry knapp 60 Prozent seiner Yards mit drei Läufen besorgte - der Rest waren eher kurze Runs.

Die Turnovers, die durch Defense und Special Teams produziert wurden, halfen also in großem Maße der eigenen Offense. Doch wird das auch gegen die Kansas City Chiefs im AFC Championship Game am Sonntag (ab 21.05 Uhr auch mit Original-US-Kommentar live auf DAZN) funktionieren?

Möglicherweise ja, denn auch die Chiefs sind defensiv anfällig. Kansas Citys Passspiel allerdings dürfte die Titans vor eine weitaus größere Herausforderung stellen als alles, was sie bislang gesehen hatten. Umso wichtiger wäre es für Tennessee, dass Henry möglichst dominant auftritt und damit den Ball aus den Händen von Patrick Mahomes fernhält - mit langen Drives, die dann auch mit Punkten enden.

Wollen die Titans also zum zweiten Mal in ihrer Geschichte in den Super Bowl einziehen - zum ersten Mal seit der 1999er Saison -, dann muss Henry einmal mehr die Uhr zurückdrehen und die Titans auf seine Schultern nehmen.

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