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Third and Long: West Coast, Air Raid und Co. - die Offense-Schemes aller 32 Teams

NFL, Arizona Cardinals, New England Patriots, Seattle Seahawks, Green Bay Packers, Kansas City Chiefs, Offenses, Schemes

Dallas Cowboys

Stat to Know 2018: Obwohl Ezekiel Elliott die Liga mit weitem Abstand in Runs anführte (304, 43 mehr als der Zweitplatzierte Saquon Barkley), konzentrierten sich Defenses deshalb nicht stärker auf den Run: 24,6 Prozent von Elliotts Runs kamen gegen acht oder mehr Spieler in der Box, 19 Backs (Minimum: 85 Runs) waren vor ihm.

Offense-Grundlage 2019: Eine Variante der Air Coryell Offense.

Vor zwei Jahren war Kellen Moore noch der Backup-Quarterback der Cowboys, nach einem Jahr als QB-Coach soll er jetzt als neuer Offensive Coordinator die Offense endlich moderner machen. Dallas hatte letztes Jahr prozentual die wenigsten Max-Protection-Snaps und spielte gelegentlich auch aus 10-Personnel. Trotzdem wurde Prescott den Ball nur in 42,9 Prozent der Fälle in weniger als 2,5 Sekunden los. Die Cowboys agierten unter Scott Linehan zu häufig mit ISO-Routes - also Passspielzügen, bei denen die Routes nicht zusammenarbeiten sondern eher im Vakuum stattfinden -, und hatten dann nicht die individuelle Qualität, um so konstant zu gewinnen. Moores Aufgabe ist es nicht, eine komplett neue Offense zu gestalten; angesichts der Tatsache, dass er den Großteil seiner NFL-Karriere unter Linehan verbracht hat, wäre das auch die falsche Erwartung. Eher geht es darum, die vorhandene Offense anzupassen, sie schwerer lesbarer und effizienter zu machen. Mehr Motion, mehr Kreativität, mehr RPOs sollen Prescott die Arbeit erleichtern.

Denver Broncos

Stat to Know 2018: Unter Running Backs mit mindestens 85 Runs hatte Royce Freeman die zweithöchste Quote an Runs gegen 8 oder mehr Spieler in der Box (36,1 Prozent). Rookie-Kollege Phillip Lindsay dagegen hatte eine der niedrigsten Quoten (14,06 Prozent).

Offense-Grundlage 2019: West Coast mit Outside Zone Blocking.

Die Broncos gehen mit der Verpflichtung von Rich Scangarello einen mutigen Weg. Scangarellos Erfahrung als Offensive Coordinator beschränkt sich bisher auf kleinere Colleges, die vergangenen beiden Jahre verbrachte er als Quarterbacks-Coach unter Kyle Shanahan in San Francisco. Währenddessen stiegen seine Aktien beständig und nach der vergangenen Saison war er plötzlich ein begehrter Position-Coach. Scangarello hatte bereits in Atlanta eine Position als Assistenztrainer für die Offensive Line angenommen, um unter Shanahan arbeiten zu können und dessen Offense besser zu verstehen - insofern ist es kein Geheimnis, welche Offense er nach Denver mitbringen wird. Es wird seine Version der West Coast Offense sein, die Kyle Shanahan spielen lässt, mit einem Fokus auf das Outside Zone Run Game und darauf aufbauend ein ausgeprägtes Play Action Passspiel, das Quarterbacks einfache Completions und den Receivern viele Yards nach dem Catch ermöglichen soll.

Detroit Lions

Stat to Know 2018: Kurzpass, Kurzpass, Kurzpass: Matthew Stafford hatte eine der niedrigsten durchschnittlichen Target-Tiefen (Average Intended Air Yards: 7) und warf den Ball im Schnitt zwei Yards kürzer als der nächste First-Down-Marker.

Offense-Grundlage 2019: West Coast mit Fokus auf das Run Game

Nach einjähriger Pause ist Darrell Bevell zurück in der NFL, und der langjährige Seahawks-Offensive-Coordinator (2011 bis 2017) bringt eine klare Philosophie mit: Das Run Game dominiert. Das ist Bevells klare Identität und es scheint auch zu dem zu passen, was sich Matt Patricia wünscht. Die Lions haben sich, schon bevor Patricia kam, stark auf die Offensive Line fokussiert und zusätzlich in ihr Run Game investiert, während das Passing Game zunehmend simpler und weniger explosiv wurde. Obwohl man mit Kenny Golladay und Marvin Jones die Waffen und mit Matthew Stafford den Quarterback hätte. Denkbar wäre ein Szenario in etwa in dieser Richtung: Das Run Game wird das Rückgrat der Offense, gleichzeitig sollen aber, etwa aus 2-TE-Sets, vertikale Pässe auch via Play Action stärker in den Mittelpunkt rücken.

Green Bay Packers

Stat to Know 2018: Aaron Rodgers hatte in der vergangenen Saison 59 Throwaways. Lediglich Jared Goff (40) hatte sonst noch überhaupt mehr als 30 Throwaways. Stichwort: Vertrauen in die Play-Calls ...

Offense-Grundlage 2019: West Coast Offense.

Die Packers wagen einen Neustart. Matt LaFleur ersetzt Mike McCarthy als neuer Head Coach, und das soll sich vor allem offensiv auf dem Platz widerspiegeln. Zwar ist LaFleur was die Basis seiner Offense angeht genauso in der West Coast zuhause wie McCarthy, allerdings sollte die Interpretation von LaFleur, der unter Kyle Shanahan und Sean McVay gearbeitet hat, ehe er letztes Jahr als Offensive Coordinator in Tennessee übernahm, merklich anders aussehen. Was prägte seine Offense unter anderem? Screens, Play Action und Run Pass Options, die dem Quarterback einfache Completions geben sollen, aber auch ein sehr, sehr Run-lastiger Ansatz vor allem bei First und Second Down. Wenn LaFleur den Ball bei First Down warf, dann häufig via Play Action, Screen oder RPO, und das häufig auch sehr effizient. Allerdings warf er den Ball eben viel zu selten in diesen Situationen. Ansonsten spielt das (Rollout) Play-Action-Passspiel eine große Rolle, hier sollte sich Rodgers eigentlich besonders wohlfühlen. Eine genauere Vorschau auf die neue Packers-Offense findet ihr hier.

Houston Texans

Stat to Know 2018: Unter Quarterbacks mit mindestens 150 Dropbacks stand prozentual niemand so häufig unter Druck wie Deshaun Watson (44,7 Prozent). Die anderen QBs über 40 Prozent: Josh Allen, Cody Kessler, Brock Osweiler, Josh Rosen.

Offense-Grundlage 2019: Erhardt-Perkins Offense.

Die Texans-Offense mit Blick auf 2019 zu prognostizieren ist nicht ganz einfach. Letztes Jahr veränderte Coach Bill O'Brien bereits einige Aspekte im Vergleich zum Vorjahr, so ging etwa die Play-Action-Quote deutlich nach unten, gleichzeitig spielte Houston sehr häufig aus Empty Sets und war bei First Down eines der Run-lastigsten Teams. Auch spielte Houston sehr viel mit zusätzlicher Protection, um die anfällige Offensive Line zu unterstützen, und dass DeAndre Hopkins 33 Prozent der Targets erhielt, ist ligaweit einsame Spitze. Die Offensive Line ist noch immer ein Problem, dennoch gilt es für O'Brien, wieder schwerer ausrechenbar zu werden und Deshaun Watson die Arbeit zu erleichtern. Houston warf letztes Jahr laut Football Outsiders 13 Prozent seiner Pässe zu Running Backs, der niedrigste Wert; über 16 Spiele hatte Houston ganze 16 Running-Back-Screens und bei Pässen vor die Line of Scrimmage stand ein magerer Schnitt von 5,2 Yards pro Pass.

Indianapolis Colts

Stat to Know 2018: Andrew Lucks 9,2 Net Yards pro Pass gegen den Blitz waren ein ligaweiter Spitzenwert. Was ihm dabei wenig half waren Running-Back-Screens: Indianapolis verzeichnete bei 18 RB-Screens 0,2 Yards pro Play.

Offense-Grundlage 2019: Flexible Interpretation der West Coast Offense.

Man konnte der Colts-Offense im ersten Jahr unter Frank Reich förmlich dabei zusehen, wie sie komplexer wurde. Aus dem extremen Kurzpassspiel wurde eine Offense, die sich mehr und mehr auf mittlere Reichweite verlagerte, der Fokus verlagerte sich vom ultra-schnellen Release von Andrew Luck zu mehr Matchup-basierten Play-Designs. Indianapolis setzte dabei auf Tempo, war Pass-fokussiert und kreierte Matchups bevorzugt mit mehreren Tight Ends auf dem Feld. Mehr Flexibilität und Variabilität darf in der kommenden Saison erwartet werden, die Neuzugänge Devin Funchess und Parris Campbell machen es möglich.

Jacksonville Jaguars

Stat to Know 2018: Die Jaguars hatten die fünfthöchste Run-Quote in der ersten Hälfte (42 Prozent) - und das obwohl sie ligaweit bei First Down (49 Prozent Run Rate) im Liga-Mittelfeld rangierten.

Offense-Grundlage 2019: Flexible West Coast/Erhardt-Perkins Hybrid Offense.

Die Verpflichtung von John DeFilippo als neuer Offensive Coordinator ist zumindest mal überraschend. Die Jaguars haben sich über mehrere Jahre eine Offense aufgebaut, deren Fokus auf dem Run Game liegt; jetzt sollen DeFilippo und Nick Foles das Ruder herumreißen. DeFilippo ließ in Minnesota im Vorjahr eine der Pass-lastigsten Offenses überhaupt spielen, ehe er dort - womöglich auch deshalb - entlassen wurde. Seine jüngste Prägung liegt in der West Coast Offense, zuvor hatte er aber auch in anderen Schemes gearbeitet. Einer der überraschendsten Faktoren in Minnesota war, dass DeFilippo nicht deutlich intensiver auf Play Action setzte: Cousins' Play-Action-Quote von 20,8 Prozent bedeutete Platz 26. Weit weg von dem, was Carson Wentz (32,1 Prozent) und auch Foles (29,6 Prozent) in Philadelphia gewohnt waren. Dazu sollte er wieder stärker zurückkehren, auch um ein Wide Receiver Corps voller Fragezeichen zu unterstützen.

Kansas City Chiefs

Stat to Know 2018: Nur Houston und Philadelphia spielten 2018 mehr aus 12-Personnel (1 RB, 2 TE, 2 WR) als die Chiefs. Kansas City aber war mit 9 Yards pro Pass und einem TD:INT-Verhältnis von 14:4 deutlich effizienter als beide.

Offense-Grundlage 2019: West Coast/Air Raid Hybrid.

Andy Reids Offense ist schematisch mit das absolut Beste, was es in der NFL aktuell gibt. Er kombiniert seine West-Coast-Wurzeln mit kreativen (Option-)Play-Designs aus College-Offenses und baute zuletzt auch vermehrt Air-Raid-Elemente mit ein, etwas, das Quarterback Patrick Mahomes bestens aus dem College kommt. 81 Prozent seiner Snaps verbrachte Mahomes in der Shotgun- oder Pistol-Offense, der Liga-Spitzenwert. Aus Empty Sets gelangen KC 9,1 Yards pro Play. Mahomes hatte eine fantastische Saison auch aus individueller Sicht; gleichzeitig halfen ihm Reids Play-Designs merklich. 22,8 Prozent der Chiefs-Pässe überquerten die Line of Scrimmage nicht, so wird die Arbeit eines Quarterbacks vereinfacht. Passend dazu: Die Chiefs verzeichneten letztes Jahr 11,2 Yards pro Play bei Running-Back-Screens, ein absurder Wert. Unter Quarterbacks mit mindestens 200 Pässen warf nur Nick Mullens in San Francisco prozentual weniger Pässe in enge Fenster (12 Prozent) als Mahomes (12,2 Prozent). Übersetzung: Reids Offense kreiert offene Fenster und klare Reads für den Quarterback sowie konstant Yards nach dem Catch. Nur die Steelers hatten hiervon im Vorjahr mehr als Kansas City.

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