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NFL

Third and Long: Patriots, Chiefs und Co. - die Top-10-Offenses in der NFL

In seiner Kolumne blickt SPOX-Redakteur Adrian Franke auf die Top-Offenses in der NFL.

NFL Top 10 Offenses 2019 - die Top-3

3. Kansas City Chiefs

Quarterback: Der beste Quarterback der Liga, was den Chiefs auch 2019 eine unheimlich hohe Base-Line gibt. Patrick Mahomes hatte eine spektakuläre Saison und man kann nicht erwarten, dass er die eins-zu-eins wiederholt; das Talent aber ist so immens, und umgekehrt wird er sich auch noch weiterentwickeln. Mahomes kreiert außerhalb der Pocket und außerhalb der Play-Struktur, er hat gleichzeitig aber auch Pre-Snap bereits ein hohes Maß an Verantwortung und gewinnt genauso aus der Pocket, wie wenn er improvisiert.

Play-Calling/Scheme: Andy Reid gehört in dieser Kategorie klar in die oberste Liga-Elite. Seit Jahren ist kaum ein Coach besser darin, College-Konzepte zu übernehmen und sein Playbook permanent variabler und kreativer zu gestalten.

Mit Mahomes erhielten verstärkt Elemente der Air Raid Offense Einzug, Reid ist einer der besten Game-Planer in der NFL. Es ist kein Zufall, dass von allen Starting-Quarterbacks keiner prozentual seltener "Tight-Window"-Pässe warf als Mahomes (12,2 Prozent).

Offensive Line: Der Abgang von Center Mitch Morse ist ein Verlust; ein Verlust, den Austin Reiter letztes Jahr zumindest, als Morse zwischenzeitlich sechs Spiele verpasste, überraschend gut auffangen konnte. Die Chiefs sind gut auf den Tackle-Spots mit Schwartz und Fisher, insgesamt ist es aber die Interior-Line, die Sorgen bereitet. Selbst wenn Reiter die guten Eindrücke bestätigt sind die Guard-Spots noch von Inkonstanz geprägt.

Waffen: Das große Fragezeichen ist selbstredend Tyreek Hill. Aktuell ist es angesichts der schweren Vorwürfe schwer vorstellbar, dass Hill in der kommenden Saison (alle Partien) spielen wird. Hill ist eine einzigartige Waffe in der NFL, er gewinnt mit seiner Geschwindigkeit natürlich als Deep-Threat, aber seine Rolle in der Chiefs-Offense ist deutlich vielseitiger; im Screen Game, Underneath, als Ablenkungselement. Fehlt er, wird man das deutlich merken.

Aber KC hat noch mehr im Arsenal für Reid und Mahomes: Travis Kelce ist aktuell der beste Tight End der Liga, Sammy Watkins ist ein legitimer Nummer-1-Receiver, und mit Zweitrunden-Pick Mecole Hardman haben die Chiefs zumindest das Speed-Element, das ohne Hill fehlen würde. Spannend ist auch das Backfield, wo Late-Round-Pick Darwin Thompson sowie UDFA James Williams ernsthafte Chancen auf einen Kaderplatz neben Damien Williams und Carlos Hyde haben sollten.

2. New England Patriots

Quarterback: Noch immer ist Tom Brady einer der besten Pocket-Passer. Pre-Snap herausragend, sein Verhalten in der Pocket ist teilweise makellos und keiner kann den Ball so schnell loswerden wie Brady - was für seine Fähigkeit spricht, Defenses und Matchups vor und nach dem Snap zu diagnostizieren.

Play-Calling/Scheme: Vielseitigkeit ist der Schlüssel in New England, das ist keine Neuigkeit. Josh McDaniels dürfte der beste Offensive Coordinator der Liga sein, die vergangene Saison untermauert diese These. Die Patriots attackieren Gegner zielstrebig gemäß deren Schwachstelle, sie setzen den Fullback intelligent als Matchup-Waffe ein und nutzen das Play-Action-Passspiel so intensiv wie fast kein anderes Team. Einziger Kritikpunkt: Die Pats waren letztes Jahr bisweilen zu Run-lastig.

Offensive Line: Trent Brown hatte eine Ausnahmesaison - jetzt muss er in Oakland zeigen, dass seine 2018er Spielzeit nicht nur ein Ausreißer nach oben war. Dabei war er allerdings insbesondere in Pass-Protection noch immer der wohl anfälligste Spieler in der Pats-Line, vor allem aber wird er durch Vorjahres-Erstrunden-Pick Isaiah Wynn ersetzt, mit dem jüngst verpflichteten Jared Veldheer als Veteran-Sicherheitsnetz dahinter.

Die Patriots haben mit Joe Thuney, David Andrews und Shaq Mason neben den Steelers die wohl beste Interior Offensive Line in der NFL, vor allem aber hat der Titelverteidiger in Dante Scarnecchia den derzeit besten O-Line-Coach der Liga. In der Summe ist das eine herausragende Basis für Erfolg, bedenkt man Bradys Stil dahinter umso mehr.

Waffen: Bei jedem anderen Team würde dieser Part die Gesamtbewertung doch ein gutes Stück nach unten ziehen - auch ich hatte New England anfangs noch ein bis zwei Plätze dahinter. Gronk ist weg und außerhalb von Edelman hat das Receiving-Corps insgesamt Stand heute deutlich mehr Fragezeichen als Antworten parat. Tatsache ist allerdings auch, dass mich dieser Zustand bei keinem Team so wenig zögern lässt, wie es bei den Pats der Fall ist.

New England, angeführt durch das Duo Brady/McDaniels, ist seit Jahren in der Lage, auf Ausfälle (inklusive den von Gronk) und Abgänge zu reagieren, auch wenn es bedeutet, dass die Offense eine grundlegend neue Identität erhalten kann.

Bei den Patriots scheint sich diese Identität 2019 um ein unheimlich tiefes Backfield, angeführt von James White, Sony Michel, Rex Burkhead und Damien Harris, sowie ein physisches Wide-Receiver-Corps mit N'Keal Harry sowie den Veterans Dontrelle Inman und Demaryius Thomas - sofern sie den Kader schaffen - aufzubauen. Watson und Seferian-Jenkins geben New England zumindest funktionale Tight Ends.

1. New Orleans Saints

Quarterback: Drew Brees war in der vergangenen Saison der effizienteste Pocket-Passer in der NFL. Rang 2 nach DVOA, kaum ein Quarterback kann Brees' Antizipation das Wasser reichen. Ja, die Offense ist stark um das Kurzpassspiel herum aufgebaut, und Brees' Armstärke sowie die Fähigkeit zum Deep Ball muss man 2019 im Auge behalten - hier hatte er im letzten Saisondrittel immer wieder Probleme. Aber in der Rolle als "Field General" aus der Pocket heraus könnte der 40-Jährige noch eine starke Saison im Tank haben.

Play-Calling/Scheme: Auch hier sind die Saints eines der absoluten Top-Teams. Sean Payton ist seit Jahren einer der besten Play-Designer und Play-Caller in der NFL, und daran hat sich nichts geändert.

New Orleans wirft Gegnern mehr unterschiedliche Formationen entgegen als irgendeine andere Offense, das Einbinden von Backup-Quarterback Taysom Hill war da nur der jüngste Streich. Payton versteht es glänzend, defensive Schwachstellen zu attackieren und gleichzeitig selbst schwer ausrechenbar zu bleiben, innerhalb eines Spiels, aber auch von Woche zu Woche.

Offensive Line: Die Saints hatten letztes Jahr, ob im Run-Blocking oder in Pass-Protection, eine der besten Offensive Lines der NFL. Nur Tackle Ryan Ramczyk ließ mehr als 25 Quarterback-Pressures zu, auch er bewegte sich aber insgesamt noch auf einem sehr guten Level.

Mit Armstead, Peat, Warford und Ramczyk kehren vier von fünf Startern zurück, spannend wird es in der Mitte: Nach dem überraschenden Rücktritt von Center Max Unger gingen die Saints im Draft in der zweiten Runde aggressiv nach oben, um sich Erik McCoy zu sichern. Der wird höchstwahrscheinlich nicht nahtlos für Unger übernehmen können, der Drop-Off wird sich aber in Grenzen halten. Und dann hat New Orleans erneut alle Zutaten für eine Top-5-Line.

Waffen: Michael Thomas und Alvin Kamara gehören beide zur absoluten Elite auf ihrer Position, sie sind es, die dieses Team auf den Skill-Positions tragen. Oft allerdings auch aufgrund von zu wenig Unterstützung; letztes Jahr konnte man immer wieder Probleme beobachten, wenn Teams mal insbesondere Thomas in den Griff bekommen haben. Von Tre'Quan Smith muss der nächste Schritt kommen, eventuell hat auch Meredith mit längerem Abstand zu seiner Verletzung wieder mehr im Tank.

Die wirklich spannende Personalie hier ist Jared Cook. Die Saints haben den Ex-Raiders-TE in der Free Agency verpflichtet, Cook war letztes Jahr in Oakland einer der besseren Tight Ends in der NFL und aus New Orleans ist bereits zu hören, dass einige der "alten Jimmy Graham Plays" für Cook wieder rausgeholt werden sollen. Er könnte das Puzzle-Teil sein, das New Orleans im Passing Game gefehlt hat.

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