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NBA

NBA - Top-Pick Paolo Banchero: Wie der Forward Franz Wagner und den Orlando Magic helfen wird

Von Robert Arndt
Paolo Banchero spielte nur eine Saison für die Duke Blue Devils.

Die Orlando Magic überraschten mit ihrer Entscheidung, Paolo Banchero zum Top-Pick zu machen. Auf dem zweiten Blick ist es jedoch eine Verbindung, die Sinn ergeben könnte. Es lohnt sich ein Blick auf Bancheros Werdegang und darauf, wie auch Franz Wagner profitieren könnte.

Szenen wie diese sieht man beim NBA Draft selten. Gerade die Top-Picks wissen meist recht genau, wo sie am Ende landen werden. Bei Paolo Banchero war das in diesem Jahr ein wenig anders. Keiner wusste so genau, wie sich die Orlando Magic an Position eins entscheiden würden, erst wenige Minuten vor dem Beginn der Veranstaltung sickerte durch, dass die Wahl auf den Halb-Italiener fallen würde.

Bei ihm selbst schien das nicht angekommen zu sein, wie in Trance bewegte sich der 19-Jährige zu Commissioner Adam Silver auf die Bühne, um die Glückwünsche und die Magic-Cap zu erhalten. Das letzte Mal, als eine Wahl an der Eins ähnlich überraschte, ist nun schon neun Jahre her. Damals zogen die Cavs Anthony Bennett - sein Schicksal dürfte bestens bekannt sein.

Ein solches sollte Banchero nicht drohen. Die meisten Mock Drafts hatten den Forward zwar nur an Position 3, dennoch gab es auch vor dem Draft jede Menge gute Argumente, dass womöglich er der beste Spieler dieses Jahrgangs ist. "Wir hatten das Gefühl, dass er der beste Spieler auf dem College war, hart an sich arbeitet und noch jede Menge Luft nach oben hat. Er ist einer dieser Spieler, die wie gemacht für die Playoffs sind", erklärte Magic-Boss Jeff Weltman die Wahl seines Teams.

Dem stimmte auch Coach Jahmal Mosley zu: "Wir wollen hier intelligente Spieler haben, die flexibel sind und gewinnen wollen. (Banchero) erfüllt all diese Voraussetzungen." Vor allem aber ist Banchero der Spieler, der offensiv am weitesten ist und auch das größte Potenzial mitbringt. Was den Magic in ihrem Rebuild noch fehlt, ist der Go-to-Guy, genau diese Rolle soll Banchero übernehmen.

Paolo Banchero: Sportler-Familie und die Seattle-Schule

In einer modernen NBA, in welcher das Kreieren vom Flügel immer wichtiger wird, besitzt Banchero mit 2,08 Metern und 113 Kilo Gardemaß und ist mehr als ein reiner Scorer. Der 19-Jährige kann den Korb attackieren, selbst aus der Mitteldistanz abdrücken, aber auch seine Mitspieler in Szene setzen. Es bestehen weiter Fragezeichen hinter seinem Dreier (nur 33 Prozent) für Duke, die Bewegung an sich sieht aber flüssig aus.

Das sollte nicht verwundern, denn Sport wurde dem kleinen Paolo quasi in die Wiege gelegt. Mutter Rhonda Smith-Banchero ist bei den Washington Huskies eine Legende (sie hielt lange Zeit den All-Time Scoring-Rekord der Uni), Vater Mario spielte auf dem gleichen College Tight End. Auch Sohn Paolo probierte sich in beiden Sportarten aus. Noch heute gibt es jede Menge Videomaterial, wie Banchero als 12-Jähriger Quarterback spielte. Erst mit Beginn der High School widmete sich Banchero voll dem Sport seiner Mutter, die später als Coach arbeitete. "Er war oft mit mir beim Training", erinnerte sich Bancheros Mutter später in einem Interview mit Andscape. "Er hat dann meistens an der Seite geworfen."

Eine Sache war Smith-Banchero dabei aber wichtig - und da sprach der Coach aus ihr - und zwar, dass der kleine Paolo die Sache ernst nimmt. "Wenn ich gesehen habe, dass er irgendwelche Trick Shots versucht, bin ich sofort zu ihm hingegangen und habe ihm gesagt: 'Übe keine schlechten Würfe. Mach' nicht so einen Mist' Er hat dann immer zugehört und sich stets trainieren lassen."

Scoring stand dennoch stets an erster Stelle, das ist die Seattle-Schule. Es mag zwar in der Metropole kein Team mehr geben, doch Seattle hat über die Jahre zahlreiche Scorer produziert. Jason Terry, Jamal Crawford, Zach LaVine, Isaiah Thomas, Nate Robinson oder Brandon Roy - sie alle waren oder sind vor allem für ihre Fähigkeit bekannt, den Ball in den Korb zu werfen und wuchsen in Seattle auf.

Paolo Banchero: Coach K schwärmt vom Top-Pick

Aber Banchero kann mehr - und das zeigte er auch in seiner einzigen Saison für Duke, der Abschiedstour des legendären Coaches Mike Krzyzewski. Erst im Halbfinale war ausgerechnet gegen Erzrivale North Carolina Schluss, dennoch hörte man von Coach K kein einziges schlechtes Wort über Banchero, im Gegenteil.

"Er hat tolle Zahlen aufgelegt und Awards gewonnen, aber das Team stand für ihn immer an erster Stelle", schwärmte Coach K nach dem Aus. "Paolo ist ein echter Anführer und alle haben zu ihm aufgeschaut, auch wenn er nur ein Freshman war. Er ist so dynamisch, explosiv und variabel - ein Musterspieler für die heutige NBA."

Vermutlich sind es diese Dinge, die Orlando schließlich dazu bewegten, Banchero an der Eins auszuwählen und nicht etwa Jabari Smith zu nehmen, der zwar ein exzellenter Schütze ist, aber in Sachen Shot Creation noch einiges an Nachholbedarf hat. Auf dem Papier hätte Smith sicherlich gut zum Team gepasst, mit Banchero scheinen die Möglichkeiten aber größer zu sein.

Mit Franz Wagner, Wendell Carter Jr., Cole Anthony und Jalen Suggs zeigte Orlando im Vorjahr schon gute Ansätze, auch wenn es am Ende nur 20 Siege wurden. Das lag vor allem an der schwachen Offense, dafür ist nun Banchero da. Auch bei den Blue Devils gelang es dem Halb-Italiener (er will 2023 für die Squadra Azzurra spielen), eine gute Mischung zu finden, auch wenn es für den ganz großen Wurf nicht reichte.

Mit A.J. Griffin, Mark Williams, Trevor Keels und Wendell Moore spielte Banchero an der Seite von vier weiteren gepickten Spielern und hielt sich mit nur 13 Würfen pro Spiel angenehm zurück. Die Usage Rate von 27,5 Prozent zeigt gleichzeitig aber auch, dass der Top-Pick dennoch in den Großteil der Angriffe involviert war.

Paolo Banchero als neuer Dreh- und Angelpunkt der Magic

Mit Banchero als Fixstern sollte auch Wagner profitieren, der somit weiter die Drei bekleiden wird und um den Top-Pick herum agieren kann. Wagners größte Stärke war in seiner Rookie-Saison das sekundäre Playmaking, durch Banchero dürfte der Berliner mehr Räume bekommen, auch weil Orlando nun nicht mehr Carter Jr. und Mo Bamba nebeneinander starten wird.

Orlando bekommt gleichzeitig mehr Lineup-Flexibilität, vor allem wenn Banchero tatsächlich auch zeitweise als Center aushelfen kann. Seine Defense ist nicht die beste - ein Shotblocker ist er nicht - aber das Positionsspiel ist besser, als es gemacht wurde.

An Selbstvertrauen mangelt es Banchero ohnehin nicht. Nachdem er die Ereignisse des Drafts etwas sacken lassen konnte, folgten bereits die ersten Kampfansagen: "Für mich gibt es kein Limit!", sagte Banchero gegenüber The Athletic. "Ich habe viele Ziele. Ich will Rookie of the Year werden, zum All-Star Game fahren und in die Playoffs kommen. Ich will gewinnen, das ist das Wichtigste für mich."

Bis dahin ist es natürlich noch ein weiter Weg. Das Talent im Kader ist da, nun gilt es zu schauen, wie die verschiedenen Puzzleteile zusammenpassen. Schritt eins ist aber erst einmal die Summer League in Las Vegas, welche in der Nacht auf Freitag um 4 Uhr deutscher Zeit startet. Orlando wird dabei das erste Spiel austragen. Gegner? Die Houston Rockets mit Jabari Smith, den die Magic verschmähten.

Orlando Magic: Der Kader für die Saison 2022/23

Point GuardShooting GuardSmall ForwardPower ForwardCenter
Cole AnthonyJalen SuggsFranz WagnerPaolo BancheroWendell Carter Jr.
Markelle FultzGary HarrisChuma OkekeMoritz WagnerMo Bamba
-Terrence RossR.J. Hampton(Jonathan Isaac)Bol Bol
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