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NBA Finals - Der Neuaufbau der Golden State Warriors: Verkaufte Seele, Platzhalter und 350 Mio. Dollar

Stephen Curry, Draymond Green und Klay Thompson stehen zum sechsten Mal in den NBA Finals.
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Andrew Wiggins: Das fehlende Teil

Über Jahre hatten die Warriors ein Team mit zahlreichen Flügelspielern um die 2 Meter. Klay, Shaun Livingston, Harrison Barnes, Iguodala - sie alle waren wie geschaffen für das Switch-freudige System der Dubs, doch nach der Finals-Enttäuschung 2019 war plötzlich keiner von ihnen mehr da.

Wings sind die Kings der NBA und entsprechend teuer, manchmal auch zu teuer. Wie im Fall von Andrew Wiggins, der seinen Maximal-Vertrag nie rechtfertigen konnte und das auch jetzt noch nicht tut, obwohl er in dieser Saison erstmals All-Star wurde. Sein Motor kann heiß oder kalt laufen, für die Warriors ging es aber weniger um seine Offense als um seine Verteidigung.

In einer kleineren offensiven Rolle kam diese vor allem in den Playoffs zur Geltung. Ob Ja Morant, Luka Doncic oder nun Jayson Tatum - Wiggins verteidigt den Superstar des Gegners und macht seine Sache mehr als ordentlich.

Das ist ein Plus und macht den D-Lo-Trade zu einem der einseitigen Trades der vergangenen Jahre. Nicht nur bekamen die Warriors ein neues Puzzleteil, sondern erhielten im Februar 2020 neben dem Kanadier auch noch den 2021er Erstrundenpick der Wolves (es wurde Nr.7-Pick Jonathan Kuminga) und konnten mit Jacob Evans sowie Omari Spellman Altlasten abstoßen, womit sie ausnahmsweise etwas Geld sparten. So umstritten der Trade damals war, so eindeutig sieht er heute auf dem Papier aus.

Warriors: Jordan Poole als Gesicht des Re-Toolings

Weniger Einfluss auf die Finals hat derzeit Jordan Poole, dennoch steht auch sein Name sinnbildlich für das Retooling der Warriors. Seine Geschichte als 28. Pick 2019 mit Umwegen über die G-League sollte inzwischen bekannt sein, er ist ein weiteres Gesicht für die Entwicklung eigener Spieler im Warriors-System.

Inzwischen wird der Guard als Mini-Curry gesehen und es ist teils frappierend, wie ähnlich sie auf dem Feld agieren. Auf ihn wartet spätestens 2023 ein großer Zahltag, es könnte das Warriors-Dilemma noch einmal vergrößern und es wird interessant zu sehen sein, wie teuer dieses Team tatsächlich sein darf.

Allgemein haben die Warriors - wie von Myers hervorgehoben - mehr als solide gedraftet. Eines der Probleme von Contendern ist es oft, dass durch niedrige Picks kaum frisches Blut ins Team gebracht werden kann. Auch Golden State musste das erfahren, hier und da landeten sie aber einen Treffer, mit Poole als großem Gewinn.

Kevon Looney (30. Pick 2015) ist noch zu nennen, andere wie Damian Jones (30. Pick 2016), Patrick McCaw (38. Pick 2016), Jacob Evans (28. Pick 2018) oder Alen Smailigic (39. Pick 2019) "floppten", auch wenn man in diesen Gefilden schon viel Glück haben muss.

Anders sieht das bisher mit James Wiseman aus, den die Warriors 2020 an Position zwei drafteten. Der Center hat noch gar keinen Einfluss genommen, es ist umso erstaunlicher, dass die Warriors das so gut verkrafteten, obwohl sie mit diesem Pick (bisher) nicht mal einen guten Rotationsspieler bekamen.

Wiseman sollte der Brückenspieler werden, derjenige, der die bestehende und die kommende Generation verbindet. Warriors-Besitzer Joe Lacob will auch nach Curry und Co. ein Contender sein, Wiseman war als dieses Gesicht angedacht, stattdessen sind es nun andere, wie allen voran Poole. Auch die im Vorjahr gedrafteten Kuminga und Moses Moody deuteten bereits mehr Potenzial an und machen Hoffnung, dass Golden State den Spagat aus Contender und Entwicklung tatsächlich meistern kann.

Warriors: Rückkehr zur eigenen Identität

Ihre Zeit wird kommen, nur noch nicht in diesem Jahr. In den Finals vertraut Kerr seinen Rookies noch nicht, stattdessen greift er lieber auf Veteranen zurück. Davon hat der Coach inzwischen wieder eine Menge dank einer klugen Offseason, in welcher die Franchise wieder "Warriors-Spieler" identifizieren konnte.

Kamen im Vorjahr eher athletische Flügel wie Kelly Oubre Jr. oder Kent Bazemore, lag der Fokus diesmal wieder mehr auf dem Basketball-IQ sowie der Anforderung, dass die Spieler Plays machen können. Iguodala, Nemanja Bjelica und auch Otto Porter Jr. passen einfach in das System, sie alle kamen für einen schmalen Taler und hatten wenig Anpassungsschwierigkeiten.

Solch kleine Moves waren entscheidend, sie mussten passen, weil der Spielraum so marginal war. Selbst in den KD-Jahren klappte das nicht so gut, auch wenn es zweimal zum Titel reichte (mit KD war der Spielraum für Fehler natürlich auch größer). Spieler wie Nick Young oder DeMarcus Cousins hatten eher große Namen, als dass sie wirklich ein Plus im System der Warriors waren.

In dieser Spielzeit passten dagegen die Moves und katapultieren die Warriors zurück in die Finals. "Strength in numbers" war das Motto der ersten Dynastie-Jahre und wurde gewissermaßen reaktiviert. Fast jeder der 15 Spieler im Kader trug etwas bei, getragen natürlich weiterhin von den Platzhirschen Curry, Green und mit größeren Abstrichen Thompson.

Die Warriors werden auch in den kommenden Jahren oben mitspielen, es warten aber auch Entscheidungen. Poole und Wiggins werden 2023 Free Agents, sie beide zu halten, könnte noch einmal teurer werden. Auch Green kann in diesem Jahr aussteigen, Thompsons Deal läuft eine Saison später aus, während Curry sogar bis 2026 gebunden ist.

Golden State Warriors: Die Gehaltsstruktur der kommenden Jahre

SpielerPositionAlter22/2323/2424/2525/26
Stephen CurryPoint Guard3448,151,955,859,6
Klay ThompsonGuard/Forward3240,643,2UFA-
Andrew WigginsForward2733,6UFA--
Draymond GreenForward3225,827,6*UFA-
James WisemanCenter219,612,1**RFA-
Jonathan KumingaForward205,76,0**7,6**RFA
Jordan PooleGuard233,9RFA--
Moses MoodeyGuard203,73,9**5,8**-

* Spieler-Option, ** Team-Option, Alle Angaben in Mio. US-Dollar

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