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NBA-Kolumne Above the Break: Wie Giannis Antetokounmpo die Boston Celtics in Spiel 1 auseinanderschraubte

Giannis Antetokounmpo nahm sein Team in Spiel 1 der Serie gegen die Boston Celtics auf seine Schultern.
© getty

Giannis Antetokounmpo und die Milwaukee Bucks haben in Spiel 1 der Serie gegen die Boston Celtics ein Ausrufezeichen gesetzt. Kann der Champion die beste Defense der NBA auch ohne seinen zweitbesten Scorer aus dem Weg räumen?

9 von 25 aus dem Feld klingt nüchtern betrachtet nicht nach einem sonderlich guten Spiel, gerade für jemanden, der seit Jahren beständig über 50 Prozent seiner Würfe im Korb unterbringt. Das ist selbst dann noch der Fall, wenn wir es auf 9/24 nach unten korrigieren, schließlich war einer dieser offiziellen Fehlwürfe in Wirklichkeit ein Pass, zu sich selbst, über das Brett, logischerweise.

Es gibt keine Bezeichnung für so ein Play, deswegen ist es offiziell eine Fehlwurf/Offensiv-Rebound/Treffer-Kombination und inoffiziell eben ein "T-Mac" oder ein "Wie zum Teufel hat der das jetzt gemacht, war das Absicht?!". Sei's drum: Die Quote war nicht gut, darauf können wir uns einigen.

Auch die 14 Punkte in der Zone waren eher mäßig, bedenkt man, dass Giannis gegen die Bulls drei Spiele mit 20+ davon hatte. Die Celtics hatten einen soliden defensiven Game-Plan, beackerten ihn fast immer mit zwei, oft mit drei Verteidigern und halfen gut aus, insbesondere in Person von Robert Williams, der etliche Abschlüsse am Ring erschwerte, oder auch mit Marcus Smart.

Giannis traf 6/14 in der Zone und hatte nur 4 Fastbreak-Punkte, das sind zwei Faktoren, bei denen sich Boston nach Spiel 1 auf die Schulter klopfen darf, sind es doch beständige Punktelieferanten für Giannis. Kurzum: Es war kein Spiel für "nur rennen, springen und dunken", was frei nach James Harden bekanntlich Giannis' primäre Qualitäten sind.

Es war stattdessen ein Spiel für den besten Spieler der Welt, das in dieser Form vermutlich nur einer so hätte dominieren können, an beiden Enden des Courts. Denn, nur damit das klar ist: Es war eine beeindruckend dominante Vorstellung von Giannis Antetokounmpo. Eine Vorstellung, die den zuletzt so heißen Celtics durchaus Angst machen durfte.

Giannis Antetokounmpo: Die Lösung lautet ...

Giannis brachte die gefürchtete Defense der Celtics gleich in Spiel 1 in ein Dilemma und demonstrierte dabei die Entwicklung, die er über die vergangenen Jahre hingelegt hat. Es ist nicht so lange her, dass eine Mauer, wie Boston sie aufbaute, ihn aus dem Konzept gebracht hätte. Mittlerweile kann er das Spiel jedoch viel besser lesen und andere Lösungen finden, er muss nicht mit dem Kopf durch die Wand.

In Spiel 1 hieß die Lösung oft: Playmaking! Immer wieder traf Giannis gegen die Double- oder Triple-Teams der Celtics gute Entscheidungen, nutzte die extreme Aufmerksamkeit aus und zeigte eines der wohl besten Passing Games seiner Karriere (überhaupt hat er sich in dieser Saison hier massiv weiterentwickelt!).

Gerade in Transition war es überragend, wie er immer wieder die Schützen fand und dabei konsequent ausnutzte, dass Boston aus Angst vor Giannis' Scoring erst einmal versuchte, den Ring zu beschützen.

Auch im Halbfeld bewahrte er überwiegend die Ruhe - er hatte fünf Ballverluste, das ist bei der hohen Usage indes nicht so schlimm - und erzwang kaum mal einen Abschluss, sondern fand auch aus der Not heraus noch den offenen Teamkollegen, wie in diesem Beispiel den bestens aufgelegten Jrue Holiday.

Giannis vs. Boston: Pick your Poison ...

Milwaukee schickte Giannis mehrfach in den Post und positionierte nur den besten Schützen (oft Grayson Allen) auf seiner Seite, sodass das Aushelfen zur ultimativen Pick-your-Poison-Situation wurde. Aushelfen und den freien Dreier riskieren? Oder beim Mann bleiben und Giannis in Isolation arbeiten lassen? Beides keine guten Optionen. Zumal Antetokounmpo eben fast immer realisierte, was die Defense ihm gab.

Es waren auch nicht bloß die Assists, Giannis spielte etliche Male den Pass vor dem Pass, der die Celtics erst in Rotation brachte. Milwaukee bewegte den Ball danach schnell und fand oft die offene Option, die Bucks wirkten darauf vorbereitet, wie viel Aufmerksamkeit Antetokounmpo von der gegnerischen Defense zuteil wurde.

Es ist ja auch logisch: Man kann Giannis nur als Team verteidigen. Blieb es an einem Spieler hängen, wie hier am aufopferungsvoll kämpfenden Al Horford, macht eben zumeist Giannis 2 Punkte oder geht an die Linie. Da lieber einen offenen Allen-Dreier, oder? Willkommen in der Welt jedes Coaches, der eine Serie gegen diesen Freak gewinnen möchte.

Bucks: Offense mit viel Luft nach oben

In der ersten Hälfte ging der Plan der Bucks auch deshalb auf, weil die Schützen die Hälfte ihrer Dreier trafen (10/20). Das war in der zweiten Hälfte überhaupt nicht mehr der Fall (2/14), die Offense wurde dadurch zunehmend von den beiden Stars abhängig, dennoch wirkte es nie, als würde es gleich brenzlig werden.

Zum einen lag das an den Big Plays von Holiday und Giannis. Der Point Guard war im Prinzip er selbst und Khris Middleton in Personalunion, verteidigte sensationell und versenkte vorne wieder und wieder seine Würfe, gerade aus der Mitteldistanz. Antetokounmpo versenkte seinerseits zwei Midrange-Jumper, mehr Schaden richtete er aber in Korbnähe an.

Sein vorletzter Treffer war der besagte "T-Mac", der letzte war ebenfalls einer, bei dem er ein Stück weit schneller dachte als seine Gegenspieler und seinen Willen durchsetzte, ein Putback-Dunk. Dazu war er unheimlich aktiv als Screener und beschäftigte die Celtics-Defense auch dann, wenn er selbst nicht den Abschluss suchte.

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