Cookie-Einstellungen
NBA

NBA Playoffs - Atlanta Hawks schaffen ohne Trae Young den Ausgleich: Next Man Up als Religion

Cam Reddish gehörte zu den überraschenden Hawks-Helden in Spiel 4.
© getty

Die Atlanta Hawks haben auch ohne ihren besten Spieler den Ausgleich gegen die Milwaukee Bucks geschafft. Auf einmal spricht wieder einiges für das Team, das schon so oft abgeschrieben wurde - auch dank eines vermeintlich Aussortierten.

Es sprach nicht sonderlich viel für Atlanta. Ohnehin waren die Hawks als klarer Underdog in die Serie gestartet, wie schon zuvor gegen Philadelphia, doch nun fehlte auch noch der Hauptgrund, warum dieser Status zuvor keine große Rolle gespielt hatte. Trae Young wollte auf die Zähne beißen, er wurde jedoch nicht rechtzeitig fit und musste sich das Spiel von der Seitenlinie aus ansehen.

Es spricht für dieses Hawks-Team, dass man sich davon nicht beirren ließ und diese Partie schon vor der Verletzung von Giannis Antetokounmpo offen gestaltete. Atlanta mag nicht der Favorit bei den Buchmachern gewesen sein, aber vor einem sehr lauten Publikum in der State Farm Arena spielten die Hawks von Beginn an alles andere als ängstlich. Im Gegenteil.

Ohne ihren Anführer waren die Hawks souveräner, mutiger und konsequenter als ihre Gegenspieler, die diese Serie in Spiel 4 scheinbar auf dem Silbertablett serviert bekommen hatten. Niemand verkörperte dies beim dominanten 110:88-Sieg mehr als Lou Williams - noch so jemand, der während dieser Spielzeit schon abgeschrieben wurde.

Hawks vs. Bucks, Spiel 4: Hier gibt es die Highlights der Partie.

Lou Williams dachte über Karriereende nach

Tatsächlich ist es nicht lange her, dass Williams selbst über sein Karriereende nachdachte. Während der Saison tradete ihn sein langjähriger Arbeitgeber, die L.A. Clippers, mitsamt Picks für Rajon Rondo nach Atlanta.

In Los Angeles hatte man entschieden, dass ein natürlicherer Playmaker und besserer Verteidiger wie Rondo gerade in den Playoffs einen höheren Wert haben würde als die menschgewordene Mikrowelle Williams.

Dieser nahm es persönlich, aber er nahm die Herausforderung auch an und versuchte seit seiner Ankunft in Atlanta, den Franchise Player zu unterstützen. "Er hat es akzeptiert. Er wusste, dass Trae die Zukunft dieser Organisation ist", sagte Nate McMillan. "Er hat es großartig angenommen, ein Mentor für Trae zu sein, ihm Dinge zu zeigen. Er hat wirklich viel geopfert, um uns zu helfen."

Lou Williams startet erstmals in seiner Karriere

Der Coach setzte Williams überwiegend als Backup ein, gerade gegen Philly spielte Williams des Öfteren auch neben Young, weil die Sixers dieses defensiv arg limitierte Lineup nicht konsequent bestrafen konnten. In Spiel 4 gegen die Bucks musste Williams nun eine neue Rolle einnehmen - erstmals in seiner Karriere stand der 34-Jährige in einem Playoff-Spiel von Beginn an auf dem Court.

Er tat dies mit Bravour. Williams spielte 8 Assists bei nur 1 Turnover, er navigierte sich mit der charakteristischen Nonchalance durch die Bucks-Defense und traf fast jeden seiner Würfe (7/9). Er überdrehte nicht und erzwang fast nichts, abgesehen von einem wilden Transition-Wurf über den ausgestreckten Arm von Giannis, der allerdings ebenfalls reinfiel.

"Es ist keine große Anpassung", sagte Sweet Lou anschließend über seine Rolle. "Man weiß, dass die Minuten hochgehen werden, ansonsten macht man sich einfach bereit für ein Basketball-Spiel. Wir sind Profis. Ich weiß, dass es ein Klischee ist, aber wenn jemand ausfällt, dann muss eben jemand anders einspringen. Manchmal muss man als Team zusammenkommen, um Erfolg zu kreieren."

Atlanta Hawks profitieren von ihrer Tiefe

Das gelang den Hawks in dieser Partie, da vom gesamten Kader wichtige Beiträge kamen. Bogdan Bogdanovic schüttelte die zuletzt schwächeren Leistungen ab, bewegte sich besser und traf sechs Dreier für 20 Punkte (hinzu kamen 4 Steals). Kevin Huerter war aus der Mitteldistanz und als Playmaker effektiv. Danilo Gallinari lieferte Scoring, Clint Capela traf einen der kuriosesten Würfe dieser Postseason.

Und dann war da noch Cam Reddish. Der Lottery-Pick von 2018 stand erst zum zweiten Mal in dieser Postseason auf dem Court und spielte seine ersten relevanten Minuten seit Ende Februar, das war ihm jedoch nicht anzumerken. Mit guter Defense und starkem Shooting fügte sich der Youngster bärenstark in ein exzellentes Hawks-Kollektiv ein.

"Er ist stolz auf seine Defense. Er ist einer der wenigen Spieler in der Liga, bei denen das so ist", schwärmte McMillan. "Er zieht seine Energie daraus. Es geht ihm weniger um die Offensive, er kommt von Beginn an rein und will Defense spielen."

Sollte sein Körper mitspielen, Reddish fiel für einen Großteil der Saison aufgrund von Problemen an der Achillessehne aus, winkt ihm im Lauf der Serie eine noch größere Rolle. Das könnte sich gerade dann als wertvoll erweisen, wenn Giannis tatsächlich ausfällt und Middleton so zur ersten Option der Bucks-Offense wird - ein fitter Reddish ist auf dem Flügel die beste Defensiv-Option der Hawks gegen den All-Star.

Hawks vs. Bucks, Spiel 5: Wer wird rechtzeitig fit?

Spieler wie Reddish und Williams stehen gewissermaßen sinnbildlich für die Unterschiede zwischen den Bucks und Hawks in der bisherigen Serie. Milwaukee hat offensichtlich die Starpower, sucht allerdings von Zeit zu Zeit vergeblich nach Unterstützung für Giannis, Middleton und Jrue Holiday. In dieser Partie lieferte der Supporting Cast kaum etwas Zählbares.

Atlanta hingegen lebt neben Young durchaus von seiner Tiefe, die noch eindrucksvoller erscheint, wenn man bedenkt, dass Reddish monatelang fehlte und dass mit De'Andre Hunter momentan der beste Flügelspieler immer noch ausfällt. "Wir hatten über die ganze Saison immer wieder Ausfälle. Wir kennen also alle diese Next-Man-Up-Mentalität", lobte McMillan.

Diese wird auch in den kommenden Partien gefragt sein, mindestens zwei sind es noch. Bei den Bucks steht ein großes Fragezeichen hinter Giannis, ein MRT soll am Mittwoch für Klarheit sorgen. Bei den Hawks sind mit Young und Capela gleich zwei Starter fraglich. Die NBA Playoffs 2021, sie bleiben ein Abnutzungskampf.

Und die Hawks stehen immer noch, ganz egal, wie oft sie abgeschrieben wurden. Es fehlen nur noch zwei Siege bis zu den Finals.

Hawks vs. Bucks: Die Serie im Überblick - Stand: 2-2

SpielDatumUhrzeitHeimAuswärtsErgebnis
124. Juni2.30 UhrBucksHawks113:116
226. Juni2.30 UhrBucksHawks125:91
328. Juni2.30 UhrHawksBucks102:113
430. Juni2.30 UhrHawksBucks110:88
52. Juli2.30 UhrBucksHawks
64. Juli2.30 UhrHawksBucks
7*6. Juli2.30 UhrBucksHawks
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung