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NBA - Kommentar zum Verletzungschaos und dem Spielplan: LeBron James hat Recht - und trägt eine Mitschuld

LeBron James hat sich mit den Los Angeles Lakers schon in Runde eins verabschiedet.
© getty

Schon vor ihrem Beginn wurden die diesjährigen Playoffs von Verletzungen geprägt, ein Trend, der sich in den vergangenen Tagen noch fortgesetzt hat. LeBron James hat deswegen zurecht Kritik am Spielplan geübt - allerdings tragen die Spieler selbst ihre Schuld daran. Ein Kommentar.

LeBron James spricht den NBA-Fans aus der Seele, wenn er betont, es zu hassen, wie viele Verletzungen sich momentan und schon über die gesamte Saison in der Liga breitmachen. Nun hat es auch noch Kawhi Leonard erwischt, der sich einreiht in eine Riege von All-Stars, die in dieser Postseason schon mindestens ein Spiel aussetzen mussten. Es könnten noch mehr werden.

Es sind zudem nicht nur einzelne Verletzungen, es ist häufig eine generelle Müdigkeit und Überlastung. Es ist kein Zufall, dass sich drei von vier Conference-Finalisten der letzten Saison in Runde eins verabschiedeten, oder dass Nikola Jokic in Serbien nun harsch kritisiert wird, weil er nach zwei Saisons ohne nennenswerte Pause nicht nahtlos mit dem Nationalteam weitermachen will.

Jokic schützt sich selbst und zieht die Reißleine, bevor auch er sich schwerer verletzt. Das muss er wohl auch, denn sonst nimmt ihm keiner diese Entscheidung ab. Womit wir bei der Problematik von James' Kritik am Spielplan angekommen wären. Diese ist einerseits zwar angebracht, denn 72 Spiele innerhalb kürzester Zeit und eine "Offseason" von bloß 72 Tagen waren von Anfang an knüppelhart.

Andererseits ist es eben eine Entscheidung, die nicht über den Kopf der Spieler hinaus getroffen wurde. Diese haben den Spielplan mitgetragen - und das schließt auch James ein, der nicht irgendein Spieler ist, sondern mindestens inoffiziell der einflussreichste Spieler von allen. Er trägt somit eine Mitschuld an der Situation, die er jetzt selbst kritisiert.

NBA Playoffs: Niemand ist zufrieden

Der 36-Jährige wird mitnichten der einzige Spieler sein, der gerne eine längere Offseason gehabt hätte. Es ist auch gut möglich, dass er tatsächlich intern vor den Auswirkungen eines solchen Spielplans gewarnt hat, wie er nun sagt ("Sie wollten nicht auf mich hören"). Mit seinem Einfluss verhindert hat er diesen aber nicht, ebenso wenig wie das All-Star Game, das er während der Saison ebenfalls harsch kritisiert und sogar als "Schlag ins Gesicht" bezeichnet hatte.

Letzten Endes hat die Spieler-Union bei allen - offensichtlich finanziell motivierten - Vorschlägen seitens der Liga mitgemacht, schließlich betrafen all diese Entscheidungen auch ihre eigenen Finanzen. Nach außen hin wurde der Spielplan von allen Seiten als mehr oder weniger alternativlos präsentiert, wollte man die Verluste durch COVID-19 einigermaßen in Grenzen halten.

Das Resultat ist nun in jedem Fall eine Situation, die für niemanden zufriedenstellend ist. Für die Spieler nicht, die platt oder verletzt sind, und die schon jetzt, wenn sie noch im Rennen sind, von einem "Titel mit Sternchen" hören müssen. Für die Fans nicht, die viele der besten Spieler nicht oder nur eingeschränkt zu sehen bekommen.

Und auch nicht für die Liga, die ihre meisten klassischen Zugpferde (allen voran LeBron und die Lakers) bereits verloren hat, um ihre Quoten bangt und sich nun obendrein wieder kritisieren lassen muss. Das Rennen zum Titel, es verkommt derzeit gefühlt zur Frage, wer am Ende noch stehen kann.

NBA: Rückkehr zum normalen Spielplan?

Vielleicht ist das ja mal ein guter Zeitpunkt, um zu hinterfragen, ob das Geschäft wirklich permanent über allem stehen muss - oder ob es nicht an der Zeit wäre, das Produkt an sich zu schützen. Was auch geschäftlich funktionieren könnte: Gerade während der Regular Season könnten weniger Spiele aufgrund höherer sportlicher Relevanz mehr Interesse auf sich ziehen. Vor allem dann, wenn die besten Spieler für diese Spiele tatsächlich zur Verfügung stehen.

Es sieht allerdings nicht danach aus. Die neue Saison beginnt am 19. Oktober, also wieder mit einer verkürzten Offseason. Für Spieler, die noch an den Olympischen Spielen teilnehmen, wird es nicht mehr Regenerationszeit geben als in der vergangenen Offseason. Und dann winken wieder 82 Spiele sowie möglicherweise noch ein neues Turnier während der Saison. Ganz entspannt.

James hat vollkommen Recht damit, wenn er solche Pläne kritisiert. Es steht aber durchaus in seiner Macht, präventiv dagegen vorzugehen. Im Nachhinein kritisieren kann jeder, so einflussreich wie LeBron ist in diesem Sport aber nur einer: LeBron.

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