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NBA - Gewinner und Verlierer der ersten Saisonhälfte: Am Ende lacht LaVar Ball

Joe Harris versenkt in der Saison 2020/21 an der Seite von Kevin Durant, James Harden und Co. 50,6 Prozent seiner Dreier.

Die erste Hälfte der NBA-Saison 2020/21 ist Geschichte, Zeit für ein Zwischenfazit. In New York frohlocken die Basketball-Fans nach Jahren voller Enttäuschungen, während LaVar Ball mit Genugtuung auf die bisherige Spielzeit schaut. In Dallas sehnt man sich zurück in die Honeymoon-Phase mit Kristaps Porzingis. Die Gewinner und Verlierer der ersten Saisonhälfte.

Nicht nur im Big Apple, auch in einigen kleineren Märkten ist die Stimmung euphorisch. Stephen Curry arbeitet an seiner Legende und Daryl Morey hat alles richtig gemacht.

NBA: Die Gewinner der ersten Saisonhälfte

Die Stadt New York

Zugegeben, die Tabelle in der Eastern Conference ist derzeit nicht wahnsinnig aussagekräftig, wenn die ersten drei Teams ausgeblendet werden. Zu dicht liegt alles beieinander, zu sehr sind die Positionen Momentaufnahmen. Trotzdem: Nach dem heutigen Stand hätte die Stadt New York zwei Playoff-Teams und sogar in beiden Fällen die Chance auf den Heimvorteil.

Es ist zwar eher nicht wahrscheinlich, dass die Knicks diesen erreichen werden, zumindest die Playoff-Teilnahme wirkt aber wie ein realistisches Szenario - und das ist durchaus bemerkenswert. Die Knicks standen zuletzt 2013 in den Playoffs, seither reihte sich eine verheerende Saison an die nächste und die Franchise verschliss Coaches wie Schalke 04 im Frühjahr 2021.

Wie sehr die Knicks-Fans auf Erfolgserlebnisse gewartet haben, zeigte sich kürzlich, als sich nach dem Sieg über Indiana wilde Party-Szenen in den Straßen vorm Madison Square Garden ereigneten - die Knicks hatten gerade ihre Saisonbilanz bei 17-17 ausgeglichen. Baby Steps eben: Wenn die Restaurants in New York geöffnet wären, müsste Tom Thibodeau derzeit wohl nirgendwo bezahlen.

Brooklyn wiederum erreichte zwar auch in den vergangenen beiden Jahren die Postseason, die letzte gewonnene Serie allerdings liegt auch schon schlappe sieben Jahre zurück. Die Erwartungen sind in dieser Saison völlig andere, eigentlich muss mit dem Triumvirat James Harden, Kyrie Irving und Kevin Durant der Titel her.

Das ist zwar noch lange hin, tatsächlich sah in den Wochen vor der nun anstehenden Pause aber kein Team im Osten besser aus als die Nets, die zehn ihrer vergangenen elf Spiele gewonnen haben, obwohl Durant nur in einem davon mitwirken konnte. Es gibt ja auch noch andere.

Joe Harris

Es ist noch nicht lange her, dass Joe Harris sich noch Aussagen von Irving anhören musste, in denen dieser vom "Kern" der Nets sprach und den Edelschützen dabei bewusst oder unbewusst nicht erwähnte. Sein Vertrag lief zudem in der Offseason aus, insofern wirkte seine Zukunft in Brooklyn ungewiss, obwohl Harris seinem Skillset zufolge perfekt zu zwei balldominanten Superstars passte.

Mittlerweile hat Harris einen neuen Vierjahresvertrag über 72 Millionen Dollar unterschrieben und aus zwei Superstars sind drei geworden. Am Fit hat sich aber nichts geändert - und mittlerweile hat das wohl auch der letzte in Brooklyn verstanden. Harris schießt über die Saison unheimliche 50,6 Prozent von der Dreierlinie und ist damit fast so etwas wie Brooklyns vierter Star geworden.

Der 29-Jährige dürfte sich dabei wie Gott in Frankreich fühlen: So viele gute Würfe bekommen Schützen seines Kalibers sonst fast nie serviert, da sie eben so eine große Gefahr ausstrahlen. Irving, Harden und Durant sind nur eben selbst so gefährlich, dass die gegnerische Defense bisweilen mit einem Harris-Wurf "leben" muss - und das liegt ihm natürlich.

Kyle Korver hält bisher den Dreierrekord in Sachen Quote über eine Saison, seitdem er 2009/10 53,6 Prozent seiner Versuche im Korb unterbrachte, allerdings nahm er damals auch nur 2,1 Dreier pro Spiel. Harris steht aktuell bei 6,7 Dreiern pro Spiel und könnte Korvers Rekord trotzdem gefährlich werden! Die Nets sind, offensiv, ziemlich einzigartig.

Kleine Märkte

Gefeiert werden darf aktuell indes nicht nur in New York oder dem Westküsten-Pendant Los Angeles, wo wie schon vergangene Saison zwei Teams legitime Titelchancen für sich beanspruchen können. Auch die oft belächelten Small-Market-Teams gehören teilweise zu den Gewinnern, wie drei Teams stellvertretend verdeutlichen:

  • Milwaukee: Die Bucks sind bisher noch nicht so dominant wie in der vergangenen Saison, das große Ziel sind allerdings ja ohnehin die Playoffs. Und die Tatsache, dass Giannis Antetokounmpo vorzeitig seinen Vertrag verlängert hat, ist nach wie vor ein positives Zeichen für alle kleinen Märkte.
  • Utah: Auch ohne echten Superstar oder große Strahlkraft in der Free Agency kann man zum besten Team der Liga werden, wie die Jazz in der ersten Saisonhälfte bewiesen haben. Natürlich muss sich zeigen, ob der Stil sich auch auf die Playoffs übertragen lässt, aber bisher begeisterte das Team vom Salzsee mit tollem Team-Basketball und weckte bisweilen Erinnerungen an die 2014er Spurs. Und das nach einer Offseason ohne viele Wechsel (lediglich Derrick Favors wurde hinzugeholt) - Kontinuität hat noch immer ihren Wert.
  • Charlotte: Eine so positive Stimmung gab es rund um die Hornets wohl seit den Hochzeiten von Baron Davis nicht mehr - wenn überhaupt. Was uns zum nächsten Gewinner führt.

LaVar Ball

Wir erinnern uns dran, wie noch vor wenigen Jahren alle Welt über diesen großmäuligen Typen lachte, der seine Söhne in ein Duell mit LeBron James und Michael Jordan schicken und davon ausgehen würde, dass sie ohne große Mühe gewinnen würden. Das letzte Lachen dürfte LaVar selbst haben, selbst wenn es ein solches Duell nie geben wird.

Denn: Zwei seiner Söhne sind tatsächlich Top-3-Picks in der NBA geworden und der jüngere von ihnen schickt sich derzeit tatsächlich an, eins der neuen Aushängeschilder der Liga zu werden - passenderweise auch noch in Jordans Team. LaMelo Ball ist als Rookie deutlich weiter, als es sich selbst seine Befürworter erträumt haben dürften.

Sein uneigennütziges und spektakuläres Spiel macht die Hornets zu einem herausragenden League Pass-Team, das dazu auch noch realistische Chancen auf die Playoffs hat. Lonzo wiederum tauchte zwar zwischenzeitlich in Trade-Gerüchten auf, seither hat sich aber auch der etwas ältere Ball-Bruder berappelt und ist mittlerweile wohl der drittbeste Spieler bei den Pelicans.

Selbst wenn die Ball-Brüder keine Superstars werden sollten, gute NBA-Spieler sind sie jetzt schon - beide. Wie viele Väter können das schon behaupten?

Stephen Curry

Eine lebende Legende ist Stephen Curry zwar schon lange, nach seinen Verletzungen im Vorjahr und dem Spieler-Exodus in Golden State wurden jedoch vor dieser Spielzeit (und auch nach den ersten paar Spielen) wieder einmal die Stimmen laut, die dem besten Shooter der NBA-Geschichte seinen Status streitig machen wollten. Diese sind mittlerweile ziemlich leise geworden.

Curry macht die Warriors zwar nicht im Alleingang zu einem Titelkandidaten, das ist dem zweimaligen MVP aber schwerlich anzulasten. Seine eigenen Leistungen stehen seinen besten Zeiten schließlich in nichts nach - Curry ist offensiv immer noch eine beispiellose Naturgewalt, auf seine ganz eigene Art und Weise.

Die Warriors werden herausfinden müssen, wie sie die noch verbleibenden Curry-Jahre auf diesem Niveau perfekt nutzen können, wobei die Rückkehr von Klay Thompson in der kommenden Saison sicherlich helfen wird. Curry hat in jedem Fall schon in dieser ersten Saisonhälfte (erneut) bewiesen, dass er auch ohne Superstars neben sich ein solcher sein kann.

Daryl Morey

In Houston vermuten anscheinend viele, dass Morey in der Offseason vorsorglich seinen Abschied von den Rockets verkündet hat, weil er wusste, was im Anschluss passieren würde. Falls dem so sein sollte: Alles richtig gemacht, kann man da wohl nur sagen. Morey ist dem drohenden Chaos in Texas entgangen, hat rund zwei Wochen "Sabbatical" gemacht und ist dann bei einem Team gelandet, das mit der besten Bilanz in der Eastern Conference in die All-Star-Pause geht.

Morey hat daran freilich selbst seinen Anteil. Innerhalb weniger Wochen schaffte er es, mehrere Schützen nach Philly zu lotsen und damit endlich einen etwas besser passenden Supporting Cast für Ben Simmons und Joel Embiid zusammenzustellen. Embiid dankt es mit einer so dominanten Saison, dass er momentan wohl als Favorit in einem engen MVP-Rennen angesehen werden muss.

Einen Wermutstropfen gab es vielleicht: Rockets-Boss Tilman Fertitta nahm Morey den Abschied wohl so übel, dass er partout keine Lust hatte, James Harden nach Philadelphia zu schicken, obwohl Simmons wahrscheinlich der bestmögliche Gegenwert gewesen wäre. Aber vielleicht erweist sich das ja auch als Segen, sollte Philly die derzeitige Position behaupten und den Osten gewinnen.

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