Suche...
NBA

NBA Legenden-Serie: Der "Punch" - wie Rudy Tomjanovich beinahe sein Leben verlor

Rudy Tomjanovich prägte die Houston Rockets über drei Jahrzehnte wie fast niemand sonst.

Viele Jahre musste Rudy Tomjanovich warten. Nun wurde der legendäre Coach endlich in die Hall of Fame aufgenommen und gehört zum prominenten 2020er Jahrgang mit Kobe Bryant, Tim Duncan und Kevin Garnett - dabei wurde sein Name lange mit einem der schlimmsten Skandale der NBA-Geschichte verbunden.

Es war nicht das erste Rodeo für Rudy Tomjanovich. Seit 2011 ist der 71-Jährige für die Hall of Fame wählbar, bereits 2017 und 2018 war er ein Finalist. Entsprechend angespannt verbrachte er den Samstag: "Es war ein sehr spannender Tag, weil ich schon vorher in dieser Position war und dann die Antwort 'Sorry, nicht in diesem Jahr' bekommen habe", sagte Tomjanovich bei ESPN.

Diesmal jedoch fiel die Antwort anders aus - ausgerechnet in einem Jahrgang, der von NBA-Seite her so viel Starpower wie vermutlich noch nie mitbringt, waren doch mit Kobe, KG und Duncan gleich drei der wohl 20 besten Spieler der NBA-Geschichte mit dabei. Doch Rudy T ist nun ebenfalls einer von ihnen.

"Das erste, was passierte, war ein unglaublicher Seufzer der Erleichterung. Und dann kam langsam - aber umso kräftiger - der komplette Jubel. Wir fahren nach Springfield!", erklärte Tomjanovich. Es war auch an der Zeit dafür.

Rudy Tomjanovich: Meister und Olympia-Sieger

Tomjanovich hat zwar nicht den Namen wie das Star-Trio, er darf aber ein ziemlich einzigartiges Resümee sein Eigen nennen. Beispielsweise erreichte er als einzige Person in der NBA 10.000 Punkte als Spieler und 500 Siege als Coach, gewann als einer von neun Coaches zwei Titel in Serie, holte Olympia-Gold und gewann eine Meisterschaft mit dem bis heute niedrigsten Seeding der NBA-Historie (1995 startete Houston von Platz 6 in die Playoffs). Ein fünfmaliger All-Star war er ebenfalls.

Tatsächlich hatte er über einen gewissen Zeitraum aber einen Namen, der eine ähnlich starke Reaktion hervorrief wie etwa der von Duncan oder Garnett - nur galt das nicht im Positiven. Im Gegenteil. Vielmehr wurde sein Name mit etwas verbunden, das alle Beteiligten - nicht zuletzt er selbst - am liebsten vergessen hätten.

Für eine Zeit lang war Rudy Tomjanovich in erster Linie der Spieler, der auf dem Parkett beinahe gestorben wäre. Der Empfänger des schlimmsten Faustschlags der NBA-Geschichte, der als "The Punch" in die Geschichte einging. Ein Teil des vielleicht größten NBA-Skandals, viele Jahre vor der "Malice at the Palace".

Wie eine Wassermelone auf Beton

Wir schreiben den 9. Dezember 1977, die Houston Rockets sind bei den Los Angeles Lakers zu Gast. Lakers-Forward und -Enforcer Kermit Washington steigt im Duell gegen Rockets-Center Kevin Kunnert zum Rebound hoch, sichert sich diesen und versucht Kunnert dabei noch wegzuschieben. Kunnert "antwortet" mit zwei Ellbogen-Schwingern, woraufhin Washingtons Teammate Kareem Abdul-Jabbar Kunnert festhält und Washington ihn niederschlägt.

Heute wäre schon eine solche Eskalation fast undenkbar, damals ist sie in der Form noch keine Seltenheit - es ist jedoch noch nicht vorbei. Denn während Washington noch über Kunnert steht, sieht er aus dem Augenwinkel eine Figur im Rockets-Trikot auf ihn zurennen. Es ist Tomjanovich, der seinem Teamkameraden helfen und die Streithähne auseinanderbringen möchte.

Doch Washington sieht sich in Gefahr und geht daher zum Angriff über. Er dreht sich und schlägt mit voller Kraft zu - mitten in das Gesicht des heranstürmenden Tomjanovich. Ein fürchterliches Geräusch entsteht: Abdul-Jabbar beschrieb es später als das Geräusch einer Wassermelone, die aus großer Höhe auf Beton fällt.

Rudy Tomjanovich musste um sein Leben kämpfen

Tomjanovichs Gesicht wird durch den Schlag zertrümmert. Der Einschlag ist so stark, dass der Forward Verletzungen an Genick und Wirbelsäule davonträgt. Während er untersucht wird, kann er langsam austretende Wirbelsäulenflüssigkeit sogar schmecken. Washingtons Schlag ist nur Millimeter davon entfernt, Tomjanovich zu töten.

"Ich habe viele Leute mit deutlich weniger ernsten Verletzungen gesehen, die gestorben sind", sagt der verantwortliche Chirurg später, nachdem Tomjanovichs Gesicht wieder einigermaßen zusammengeflickt ist - und bemüht den unangenehmen Vergleich mit einer in viele Einzelteile zerfallenen Eierschale, die mit Klebeband wiederhergestellt wurde.

In mehreren Not-OPs wird zunächst sichergestellt, dass Tomjanovich überlebt. Über Wochen folgen dann weitere Operationen, um sein Gesicht wiederherzustellen. An Basketball ist zunächst nicht zu denken, während Tomjanovich sich erholt, wird der Fall zum Politikum. Washington muss 10.000 Dollar Strafe zahlen und wird für 26 Spiele suspendiert, damals eine Rekordzahl.

Und die NBA führt erstmals regelmäßige Strafen für Schlägereien ein, nachdem ihre Bosse, um den damaligen Anwalt (und späteren Commissioner) David Stern zu zitieren, realisiert hatten, dass man es "Männern, die so groß und stark sind, nicht erlauben kann, sich gegenseitig zu schlagen." Diese eigentlich nicht bahnbrechende Erkenntnis wäre für Tomjanovich beinahe zu spät gekommen.

Eine Legende der Rockets

Tomjanovich verpasste den Rest der Saison und verklagte die Lakers, am Ende eines langwierigen Zivilprozesses wurden ihm 3 Millionen Dollar zugesprochen. Auf dem Court bewies er ebenfalls Durchhaltevermögen, als er schon für die folgende Saison wieder zurückkehrte und seine fünfte und insgesamt letzte All-Star-Teilnahme erreichte.

Danach folgten zwar nur noch zwei Jahre, weil Komplikationen nach der Verletzung ihm immer wieder zu schaffen machten, dennoch reichte schon seine Zeit als Spieler, um in den Legenden-Kreis der Rockets-Franchise aufgenommen zu werden.

Die Statistiken von Rudy Tomjanovich als Spieler

TeamSpielePunkteReboundsAssistsFG%
San Diego/Houston Rockets76817,48,1250,1

Über elf Saisons trug der Mann aus Hamtramck, Michigan die Farben der Rockets, die nach seiner Rookie-Saison von San Diego nach Houston umzogen, und war bis zu seiner Verletzung der Dauerbrenner auf den Forward-Positionen, konnte scoren und rebounden. Er war auch ein begnadeter Shooter, allerdings in einer Zeit, in der die NBA noch ohne Dreier auskam.

Seine Nr. 45 wurde sowohl von den Rockets als auch den Michigan Wolverines, wo er bis heute Rekordhalter bei den Karriere-Rebounds ist, unter die Hallendecke gezogen. Dabei begann der erfolgreichere Teil seiner Karriere erst nach der Zeit als Spieler.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung