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Basketball

Der Herr der Horde

Bogdan Bogdanovic ist einer der Eckpfeiler im Team von Fenerbahce Ulker
© getty

Als eines der größten europäischen Talente wurde Bogdan Bogdanovic vergangenes Jahr von den Phoenix Suns gedraftet. Sein Weg in die NBA könnte sich aber noch hinziehen, auch weil er mit Fenerbahce Ulker einiges vorhat. Das hochkarätig verstärkte Team zählt in der Turkish Airlines Euroleague zu den Top-Favoriten.

"Ich liebe den Wettbewerb und natürlich will ich immer der Beste sein." Bogdan Bogdanovic hat hohe Ansprüche an sich selbst - in diesem Fall geht es aber nicht um Basketball. Es geht um WoW. Ja, das WoW: World of Warcraft.

"Ich kann dadurch Druck abbauen und meinen Frust loswerden. Es ist eine gute psychologische Vorbereitung auf ein Spiel", so der Shooting Guard über seine Lieblingsbeschäftigung in der Freizeit: "Vor allem, wenn ich Erfolg habe".

Erfolg ist auch in der realen Welt kein Fremdwort für den 22-Jährigen. Die tragende Rolle bei Fenerbahce Ulker ist der neueste Schritt auf Bodganovics steiler Karriereleiter. Kommende Saison ist der Klub aus Istanbul Mitfavorit auf den Titel in der Turkish Airlines Euroleague. Dank hochkarätiger Verstärkung - und dank seiner Nummer 13.

Hallo, Welt

Nach ersten Erfahrungen in kleineren Vereinen seiner Heimatstadt Belgrad machte Bogdanovic beim Nike International Junior Tournament 2010 erstmals außerhalb Serbiens auf sich aufmerksam. Seine starke Leistung krönte er mit einem sehenswerten Baseline-Fadeaway, der seiner Mannschaft mit der Schlusssirene den Erfolg gegen Malaga und damit den Gruppensieg bescherte.

Bei Partizan Belgrad war man angetan von der Entwicklung des 1,97-Meter-Mannes und im Alter von 18 Jahren unterschrieb Bogdanovic beim serbischen Serienmeister seinen ersten Profi-Vertrag. Während er zu seinen ersten beiden Titeln unter Coach Vlada Jovanovic nur wenig beitragen konnte, schenkte ihm dessen Nachfolger Dusko Vujosevic mehr Vertrauen.

In der Saison 12/13 spielte er sich in die Rotation, gab sein Debüt in der Euroleague und wurde in den Kader für die EuroBasket 2013 in Slowenien berufen. Dort blühte er auf, spielte die meisten Minuten seines Teams und legte 9,4 Punkte sowie 4,3 Rebounds auf. Beeindruckend auch seine Dreierquote von 42 Prozent. Die serbische Mannschaft wurde dennoch nur enttäuschender Siebter.

Ein Jahr zum Träumen

Sollten zu diesem Zeitpunkt noch Zweifel an einer bevorstehenden Karriere bestanden haben, Bogdanovic räumte sie mit der folgenden Saison aus dem Weg wie ein Monster Truck einen Fiat Panda. In der Liga jagte ein neues Career High das nächste - besonders heraus stach seine Performance in der Finalserie. Im Alleingang versenkte er den großen Rivalen Roter Stern Belgrad mit durchschnittlich 30,8 Punkten, 4,8 Rebounds und 4,2 Assists. Klare Sache: Finals-MVP.

Es sollte nicht bei einer Trophäe bleiben: In der Euroleague wurde er als bester Nachwuchs-Akteur geehrt, in der länderübergreifenden, osteuropäischen Liga ABA schaffte er es ins First Team. Im Sommer folgte dann die Erfüllung des großen Traums eines jeden Basketballers: Bogdan Bogdanovic wurde in die NBA gedraftet.

Mit dem 27. Pick entschieden sich die Phoenix Suns für den Serben, doch ein direkter Wechsel in die stärkste Liga der Welt stand von Anfang an nicht zur Debatte. Die Suns waren mit drei Erstrundenpicks im Draft gut aufgestellt und wählten Bogdanovic als Investition für die Zukunft. Die Ansage für den Zweier: Erfahrung sammeln, sich weiterentwickeln. Klassisch Draft and Stash.

Ab an den Bosporus

An der Silbermedaille der serbischen Nationalmannschaft bei der FIBA WM 2014 hatte Bogdanovic großen Anteil. Im Finale gegen die USA wollte er sich auf der großen Bühne präsentieren, doch der Druck war zu groß und der Gegner zu stark. Bei Bogdanovic lief nicht viel zusammen.

Auf Vertragsverhandlungen hatte das insgesamt starke Auftreten keinen Einfluss, seine Zukunft war zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden. Fenerbahce Ulker kaufte Bogdanovic nach dessen Überflieger-Jahr für 1,3 Millionen Euro aus seinem Vertrag in Belgrad.

Mit den Suns im Hinterkopf unterschrieb er für vier Jahre in Istanbul, mit Ausstiegsmöglichkeiten 2016 und 2017. Der erfolgreiche serbische Coach Zeljko Obradovic nahm Bogdanovic fortan unter seine Fittiche. Bei Fener war Bogdanovic Teil eines starken Kollektivs, die im Vergleich schwächeren individuellen Statistiken spiegelten daher keine negative Entwicklung - ganz im Gegenteil.

Zu Beginn übernahm Bogdanovic beim türkischen Meister die Aufgaben des Spielmachers, nach der Ankunft von Nikos Zisis zum Jahreswechsel stand er deutlich häufiger als Flügelspieler auf dem Feld. Die neue Aufgabe tat ihm gut, förderte seine Allroundfähigkeit und machte sie zu seiner größten Stärke.

Die Positions-Synthese

Bogdanovic hat das Ballhandling eines Point Guards, einen Wurf wie ein Shooting Guard und verteidigt wie ein Flügel. Dabei helfen ihm vor allem seine große Spannweite von 2,11 Meter und die äußerst flinken Hände.

Unverzichtbar - nicht nur in der NBA - seine Fähigkeit, einen eigenen Wurf zu kreieren. Ob mit links oder rechts, der Dribble-Pullup gehört genauso zu seinem Repertoire wie der harte Drive zum Korb. Einziges Manko: ein manchmal noch überhasteter Abschluss oder ein schlechter Pass zum falschen Zeitpunkt. Aber welches Talent ist schon mit der Entscheidungsstärke eines Steve Nash auf die Welt gekommen?

Der späte Vogel...

Diesen Sommer stattete Bogdanovic Phoenix schon einmal einen Besuch ab, über einen früheren Wechsel zu den Suns wurde aber wohl nicht verhandelt. Stattdessen wäre es für das Multitalent lukrativer, erst ab 2017 - also drei Jahre nach dem Draft - in den USA zu spielen.

Dann wäre er nicht mehr an die vergleichsweise niedrigen Rookie-Gehälter gebunden und könnte denselben Weg gehen wie Nikola Mirotic, der für mehr als 5 Millionen Dollar Jahres-Salär bei den Chicago Bulls unterschrieb. Aber all das ist noch Zukunftsmusik.

Zunächst hat sich Bogdanovic mit dem Nationalteam einiges für die bevorstehende EuroBasket im September vorgenommen. Allerdings warten schon in der Vorrunde harte Brocken wie Italien, Spanien oder die Türkei. Auch Deutschland wird versuchen, den weißen Adlern in der Gruppe B ein Bein zu stellen.

Dabei sein ist nichts

Danach gilt Bogdanovics Aufmerksamkeit wieder voll und ganz Fenerbahce. Nach Platz vier in der abgelaufenen Euroleague-Saison, in der er erneut als Rising Star ausgezeichnet wurde und dabei unter anderem Nr. 5 Pick Mario Hezonja hinter sich ließ, haben die Türken diesen Sommer kräftig aufgerüstet.

Mit Pero Antic, Gigi Datome und Epke Udoh wurden gleich drei NBA-Spieler nach Istanbul geholt - Udoh ist dabei unter dem Korb sogar nur zweite Wahl hinter Jan Vesely. Die neuen Spielmacher Kostas Sloukas (Olympiacos) und der türkische Finals-MVP Bobby Dixon (Karsiyaka) sollen gemeinsam den Abgang von Zisis kompensieren.

Die hochkarätigen Verpflichtungen und damit einhergehend die niedrigeren Spielanteile könnten Bogdanovics Entwicklung kommende Saison ein wenig bremsen. Letztendlich ist das Ziel des Klubs aber auch das Ziel von Bogdanovic: den europäischen Thron erklimmen.

Normalerweise guckt er beim Kampf um den Platz auf dem Thron eher anderen zu: den Häusern Lannister, Tagaryen und Stark in seiner Lieblings-Serie beispielsweise. Zumindest, wenn der Leader of Horde, wie er sich bei Twitter nennt, nicht gerade auf dem Court an seinem Spiel feilt. Oder in der Welt von Tauren, Untoten und Blutelfen andere virtuelle WoW-Kreaturen niedermetzelt.

Der Euroleague-Kader im Überblick

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