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NBA

NBA-Legendenserie: Michael Jordans Konkurrent Clyde Drexler - Der (fast) ewige Zweite

Drexler (r.) im Duell mit Michael Jordan in den NBA-Finals 1992

Clyde Drexler: "MJ hat mehr Würfe genommen"

Stattdessen werden Drexler und Jordan zu Rivalen. Die beiden Swingmen sind sich extrem ähnlich: Annähernd gleich groß und gleich schwer, beide mit unfassbarer Sprungkraft ausgestattet. Drexler trägt die 22 auf dem Rücken, MJ übertrumpft ihn ein Jahr später mit der 23. Drexler schafft den Durchbruch und legt sich schnell ein All-Around-Game zu (18,5 Punkte, 8,0 Assists, 5,6 Rebounds, 2,6 Steals in seiner dritten Saison) - aber Jordans All-Around-Game ist noch eine Ecke besser.

Drexler nimmt an insgesamt fünf Dunk Contests teil - aber Jordan gewinnt, sein Stern strahlt heller. 1992 (25 PPG, 6,7 APG, 6,6 RG) bekommt er MVP-Votes - doch Jordan gewinnt. Es mutet fast unfair an, Drexler ständig mit dem besten Spieler aller Zeiten zu messen. Zumal er sich mehr als achtbar aus der Affäre zog.

"Michael und ich hatten die gleiche Spielanlage. Der größte Unterschied war, dass er mehr Würfe genommen hat", so Drexler im Rückblick. "Das soll nicht abwertend klingen, weil er so hart gearbeitet und Tag für Tag großartig gespielt hat. Aber wenn man sich die anderen Aspekte unseres Spiels anschaut, sieht man, dass die Zahlen und Prozente erstaunlich eng sind."

War Clyde Drexler neidisch auf Michael Jordan?

Klingt das nach Neid? "Ich glaube, dass Clyde immer neidisch auf Michael war, wenn ich ganz ehrlich sein soll", sagte Charles Barkley 2012. "Er wollte immer mit Michael verglichen werden." Magic Johnson sieht es ähnlich: "Ich glaube, Clyde hat immer um mehr Ansehen in der Öffentlichkeit gekämpft. Er dachte, er verdient mehr Anerkennung." Wenn es so war, kann man nur eins sagen: Kein Wunder. Im Schatten des GOAT kann es eben auch mal düster und zugig werden. Aber ganz Unrecht hat Drexler mit seiner Behauptung eben auch nicht.

Und die direkten Duelle? Als die Blazers 1992 die Finals gegen die Bulls erreichen, spielt Drexler noch in seiner Prime, die Medien, immer auf der Suche nach Storylines, hypen das Duell als "Magic gegen Bird, Part II". Jordan gewinnt das Duell, daran besteht kein Zweifel. Der MVP legt fast 35 Punkte pro Spiel auf. The Glide dagegen, der sich schon das ganze Jahr mit Knieproblemen herumschlägt, trifft nur 40 Prozent seiner Würfe.

Trotzdem: Er schlägt sich achtbar (24,8 PPG, 7,8 RPG, 5,3 APG), außerdem ist sein Supporting Cast schwächer. Und: Es ist brutal eng. "Jedes einzelne Spiel hätte anders ausgehen können, ein Game 7 wäre perfekt gewesen." Stattdessen geht Spiel 6 mit 97:93 an den alten und neuen Champion. MJ mal wieder im Rampenlicht, Drexler im Abseits.

Clyde Drexler vs. Michael Jordan: Die Stats im Vergleich

SpielePunkteReboundsAssistsFG%3FG%
Drexler1.08620,46,15,647,231,8
Jordan1.07230,16,25,349,732,7


Aber es dauert danach nicht mehr lange bis zum ersten Höhepunkt in der Karriere des Shooting Guards. Mit dem "Dream Team" holt er Gold - diesmal nicht gegen, sondern an der Seite von Jordan. "Besser geht es einfach nicht. Das Dream Team war eine der besten Mannschaften aller Zeiten und ich hatte Glück, ein Teil davon zu sein." Die Goldmedaille um seinen Hals - "ein großartiges Gefühl".

"Second Banana" von Olajuwon

Das zweite Highlight folgt 1995. Nach elfeinhalb Jahren in RIP City wird The Glide im Februar 1995 zu den Houston Rockets getradet. "Ich habe dabei geholfen, den Trade perfekt zu machen", sagt Drexler. "Es war an der Zeit. Ich habe Portland geliebt, aber mein Karriereende rückte näher und ich wusste, dass mir nicht mehr viele Chancen auf einen Titel bleiben. Houston war meine Heimat." So wird Drexler mit seinem College-Kumpel Olajuwon vereint - und wenig später sein Traum wahr.

Als Sixth Seed geht der Titelverteidiger in die Postseason, erreicht die Finals, und diesmal steht Jordan endlich nicht im Weg. Wer die Finals 1995 vor allem deshalb in Erinnerung hat, weil ein erfahrener Dream dem jungen Bulldozer Shaquille O'Neal die Grenzen aufzeigte, wird dem 33 Jahre alten Drexler nicht gerecht. Shaq (28 PPG, 12,5 RPG, 6,3 APG, 59,5 Prozent aus dem Feld) wusste sich gegen Olajuwon (32,8 PPG, 11,5 RPG, 5,5 APG, 48 Prozent FG) durchaus zu behaupten. Neuzugang Drexler spielte mit 21,5 Punkten, 9,5 Rebounds und 6,8 Assists pro Spiel eine perfekte zweite Geige - ohne ihn hätte es wohl nicht gereicht.

"Es war ein phänomenales Gefühl, das Team zu sein, das am Ende noch übrig bleibt", versucht er später, seine Emotionen zu beschreiben. Endlich am Ziel. "Ich habe so hart dafür gearbeitet. Ich war einfach nur erleichtert und... es war fantastisch." Der Schatten des großen Rivalen ist endlich abgelegt, ein paar Jahre später kann der heutige Hall of Famer beruhigt in den Sonnenuntergang reiten.

"Michael war ein netter Typ"

Was bleibt heute vom Mann, der bis heute bedauert, den Blazers keinen Titel bringen zu können? Ein herausragender Athlet, ein kompromissloser Dunker ("Wir dunkten nicht, um eine Show abzuliefern. Es ging darum, den Gegner einzuschüchtern und gute Würfe zu nehmen"). Ein netter Mann auf dem Court ("Trash Talk war nicht mein Ding"), der stolz auf seine skandalfreie Karriere ist - und trotzdem Sinn für Rivalitäten hatte ("Damals mochte man den Gegner nicht so besonders").

Ein Mann, der so stolz ist auf seine Goldmedaille ist, dass er den US-Teams von 2008 und 2012 höchstens einen Sieg in fünf Spielen zutrauen würde. Ein Allrounder, wie er im Buche steht: Nur drei Spieler beendeten ihre Karriere mit mehr als 20.000 Punkten, 6.000 Assists und 6.000 Rebounds: Oscar Robertson, John Havlicek - und The Glide.

Und ein Mann, der selbst über seinen größten Rivalen nichts Schlechtes sagen kann: "Michael war immer ein netter Typ." Vielleicht fehlte ihm, ganz besonders im Vergleich zu Jordan, der letzte Killerinstinkt, der Egoismus, der zu einem 30-Punkte-Scorer dazugehören muss. Doch damit hat der mittlerweile 53-Jährige, der ab und an am Mikrofon für die Rockets zu hören ist, seinen Frieden gemacht.

Der Schatten von MJ ist enorm, ganz besonders für die Konkurrenten der damaligen Tage. Doch kaum jemand verstand es, so erfolgreich in diesem Schatten seine Kreise zu ziehen, wie Clyde Drexler.

Und hin und wieder eben auch aus ihm herauszugleiten.

 

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