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Tennis

French-Open-Erkenntnisse: Rafael Nadal zerstört das GOAT-Rennen

Coco Gauff verlor das French-Open-Finale gegen Coco Gauff.
© getty

Rafael Nadal ist zum 14. Mal der König von Roland Garros - das erhoffte große Endspiel gibt es allerdings nicht. Ist das GOAT-Rennen jetzt endgültig entschieden? Bei den Damen wird Siegerin Iga Swiatek zum Problem für die Konkurrenz - aber die Damen-Tour hat noch ganz andere Schwierigkeiten. Die Erkenntnisse zu den French Open.

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French Open: Rafael Nadal und das Draw sorgen für Langeweile

Dass Nadal vor dem Finale haushoher Favorit war, war natürlich keine Überraschung, bei einer Bilanz von 13-0 in Endspielen von Roland Garros (kein einziges Mal über fünf Sätze). Ein bisschen mehr Spannung hatten sich die Zuschauer auf dem Philippe Chatrier aber dennoch ausgerechnet, schließlich hatte Casper Ruud in diesem Jahr schon zwei Sandplatzturniere gewonnen und war auf seinem Lieblingsbelag unterwegs.

Das Finale war dann aber trotz immerhin 2:20 Stunden Spielzeit in etwa so spannend wie das Endspiel der Damen 24 Stunden zuvor. Sechs Spiele ließ Nadal seinem Herausforderer über drei Sätze, Coco Gauff hatte in zwei Sätzen vier Spiele gegen Iga Swiatek gewonnen.

Wirklich strecken musste sich Rafa dabei nicht. Zwei Breaks "schenkte" er Ruud mit Doppelfehlern und uncharakteristischen Unforced Errors, ansonsten spielte er seinen Stiefel runter, garniert mit dem einen oder anderen Zauberschlag natürlich. Aber schon früh war klar, dass Ruud die Schwächen seiner Rückhand nicht würde kompensieren können. So saugte Nadal die Spannung unbarmherzig aus dem Match. Und am Ende ging Ruud dann auch die Luft aus, der Norweger verlor elf Spiele in Folge.

Man fühlte sich an das Wimbledon-Finale 2021 erinnert, als Novak Djokovic Ähnliches mit Matteo Berrettini anstellte: "Oh, du hast eine Schwäche? Dann nutze ich diese rücksichtslos aus." So wie in vielen French-Open-Endspielen zwischen Nadal und Roger Federer - nur waren die auf etwas höherem Level.

Das schmälert Nadals Leistung nicht, im Gegenteil. Auch ein durchschnittlicher Rafa ist in diesem Turnier, in diesem Stadion, einfach ein gigantisches Hindernis. Sein Spiel ist so perfekt maßgeschneidert für den Belag und 99 Prozent aller Gegner, dass sich nach Routine anfühlt, was ganz bestimmt keine Routine ist.

Wirklich strecken musste sich Nadal in diesem Turnier aber dennoch, mehrfach sogar, schließlich warteten vier Top-10-Spieler auf dem Weg zum Titel. Fünf Sätze gegen Felix Auger-Aliassime, vier gegen einen dann doch erstaunlich wackeligen Djoker und natürlich die zwei brutalen Sätze gegen Alexander Zverev, die mit dessen bitterer Verletzung endeten.

Der mittlerweile 36 Jahre alte Mallorquiner, er war in diesem Jahr definitiv schlagbar. Dass das Finale dann den Vibe und die Scoreline eines Erst- oder Zweitrundenmatches hatte und nicht Djokovic, Zverev oder auch Shooting-Star Carlos Alcaraz warteten, lag am extrem unausgeglichenen Draw, welches das Quartett in die gleiche Hälfte befördert hatte. Es gab Zeiten, da wurde die Setzliste nicht streng nach Weltrangliste erstellt - das hätte in diesem Fall für einen spannenderen letzten Turniertag gesorgt.

French Open: Iga Swiatek ist ein Problem für das Damentennis

Es ist erst vier Monate her, da war Ashleigh Barty nach ihrem Sieg bei den Australian Open das Nonplusultra im Damentennis und gefühlt zwei Level über der Konkurrenz anzusiedeln. Dann erklärte die sympathische Australierin aus heiterem Himmel mit nur 25 ihren Rücktritt - und die WTA stand plötzlich ohne Galionsfigur da.

Auftritt Iga Swiatek: Weil sich Barty direkt aus der Weltrangliste streichen ließ, übernahm sie im Februar die Spitze des Rankings. Und hat seitdem nicht mehr verloren. Ihre 35 gewonnenen Matches in Folge sind die längste Serie auf der Damentour seit Venus Williams im Jahr 2000. Es gibt Überlegenheit, es gibt Dominanz - und es gibt das, was Swiatek derzeit veranstaltet.

Vor zwei Jahren hatte die Polin das damals im Herbst ausgetragene Turnier als ungesetzte Spielerin gewonnen, ohne Satzverlust und ähnlich überlegen. Aber damals ließ sich das noch als "Markenzeichen" der extrem volatilen WTA-Tour einordnen, wo ja immer wieder Spielerinnen aus dem Nichts zum Titel marschieren (siehe Emma Raducanu bei den letzten US Open). Und in der Tat konnte Swiatek seitdem ja auch kein Grand Slam mehr gewinnen.

Bis jetzt. Nach diesem Auftritt ist Swiatek nicht nur kein "One-Slam-Wonder" mehr, sie hat ihre Vormachtstellung bei den Damen auch eindrucksvoll untermauert. "2020 dachte ich, ich habe einfach Glück gehabt. Diesmal hatte ich das Gefühl, dass ich es mir auch verdient habe", sagte sie nach ihrem Sieg am Samstag. 2020 hatte sie in sieben Matches 28 Spiele abgegeben, im Schnitt also ein 6:2. Heuer waren es "immerhin" 33 Spiele und sogar ein verlorener Satz. Aber es gab eben auch Bagels und Breadsticks - so viele, dass sich das Internet damit mittlerweile einen Spaß erlaubt.

Wichtig wäre es für die WTA, dass sich nun eine Rivalin für Swiatek findet. Ob Serena Williams noch einmal angreifen kann, wird mit jedem Tag unwahrscheinlicher, Naomi Osaka ist nur auf Hartplatz eine Bedrohung, kämpft aber derzeit gefühlt mehr mit sich selbst und dem Rummel als mit der Filzkugel. Konstanz ist bei den Damen derzeit ohnehin eher ein Fremdwort (siehe unten).

Ein besseres Aushängeschild als Swiatek könnte man sich dennoch nicht wünschen. Und: Sie ist erst 21. Gut möglich, dass die Serie auch in Wimbledon hält, selbst wenn sie dort bislang nicht über die 4. Runde hinausgekommen ist.

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