Boxen

"McGregor hat Eier so groß wie Hüpfbälle"

Floyd Mayweather Jr. und Conor McGregor kommen aus zwei verschiedenen Welten

Niederlage? Katastrophe für Mayweather und das Boxen

Todorov: Wenn das Unmögliche geschehen sollte, dann wird das natürlich große Auswirkungen auf das Vermächtnis von Mayweather haben - und auf den gesamten Boxsport. McGregor wird beim Boxen bleiben und die dort viel größeren Summen lächelnd mitnehmen. Sollte er es wirklich schaffen, dann muss er tief im Inneren zudem wirklich mehr drauf haben. Mehr als alle im Vorfeld erwartet haben. Aber: Es wird nicht passieren.

Hein: Der Fight ist für beide Sportarten extrem wichtig, vor allem aber für das Boxen. Denn eines ist sicher: Wenn McGregor, dieser selbstverliebte und verrückte Visionär, wirklich alle Register ziehen und den Kampf gewinnen sollte, dann ist es die offizielle Beerdigung des Boxens. Dann wurde dem Sport das Standbein weggetreten. Die Leute wollen keinen technisch hochqualitativen Kampf sehen. Das Duell zwischen Mayweather und Pacquiao hat die Zuschauer gelangweilt. Die Fans wollen Drama, sie wollen sehen, dass dieser großkotzige Ire auf die Fresse bekommt oder dass dieser großkotzige Amerikaner, der bei jeder Gelegenheit seine Gucci-Taschen auspackt und seine Kohle auf den Tisch legt, alles verspielt, was er sich aufgebaut hat. Deshalb ist es für Mayweather noch schlimmer. Wie kann ein Mensch sich so viel Druck aufbauen? Und dann eventuell auch noch verlieren? Dann muss er im Ring vor Scham explodieren. Egal, wie es ausgeht, in beiden Fällen freuen sich die Leute. Ein Großmaul wird verlieren, das wollen alle sehen. Allein deshalb hat dieser Kampf auf jeden Fall eine Daseinsberechtigung. Ach, es müsste mehr Fighter wie Mayweather und McGregor geben, die dermaßen Eier zeigen.

Platte: Das stimmt. Die MMA-Anhänger würden sich auf jeden Fall feiern und der Boxsport würde komisch aus der Wäsche schauen. Die Auswirkungen wären verheerend, wenn einer der Vorzeige-Sportler des Boxens, der 49 Konkurrenten geschlagen hat, gegen einen unerfahrenen MMA-Fighter verlieren würde. Zwei Jahrzehnte konnte er von den besten seines Fachs nicht geschlagen werden. Es wäre ein Schlag. Undenkbar. Für Mayweather selbst geht es um den Rekord mit 50 Siegen in ebenso vielen Kämpfen. Deshalb wäre für ihn eine Pleite der schlimmste Fall. Im Endeffekt kommt es aber auch ein bisschen auf den Verlauf des Kampfes an. Wenn es ein Lucky Punch ist, was immer passieren kann, dann muss man das auch so werten. Das, was er sich in all den Jahren aufgebaut hat, wird durch eine solche Aktion nicht entwertet. Es wäre allerdings definitiv leicht angekratzt.

Höfling: Das ist für mich genau der Punkt, Jan. Wie verläuft der Kampf und wie endet er? Ein Lucky Punch von McGregor würde die Boxwelt erschüttern. Das gleiche würde für das Vermächtnis von Mayweather gelten, das für immer mit einem tiefen Kratzer versehen wäre. Zerstört wäre es dennoch nicht. Viele große Boxer wussten nicht, wann es Zeit ist, die Handschuhe am Nagel zu lassen. Resultate waren Niederlagen, die eigentlich undenkbar schienen. Unwürdig der großen Karrieren, die den traurigen Bildern vorausgegangen waren. Mayweather hat, ob man seinen Stil mag oder nicht, über eine Dauer von zwei Dekaden alle geschlagen. Er hat große Boxer geschlagen, hat die Geschichte des Sports für immer geprägt. Auch der Boxsport würde sich zeitnah rehabilitieren. McGregor könnte nach einem Sieg der Verlockung des Geldes und der Stimme seines Egos nicht widerstehen und würde wieder in den Ring steigen. Einen zweiten Lucky Punch wird es dann nicht geben. Die Variante, dass er Mayweather ausboxt, kann ich mir bei den Überlegungen getrost sparen, da dies auf keinen Fall passieren wird. Denn es gibt etwas, das Floyd von vielen großen Legenden in deren letzten Kämpfen unterscheidet: Er ist noch immer voll auf der Höhe.

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