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Basketball

DBB-Guard Maódo Lô als Shooting Star bei der EuroBasket 2022: Der nächste deutsche NBA-Export?

Dennis Schröder (l.) und Franz Wagner harmonieren bei der EuroBasket exzellent miteinander.

Maódo Lô hat in der EM-Vorrunde vielen Beobachtern die Augen geöffnet - und auch seinen Teamkollegen Dennis Schröder zum Schwärmen gebracht. SPOX sprach mit Per Günther und einem Scout über den Berliner und die Frage, ob er wirklich bereit für den Schritt in die NBA ist.

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Dennis Schröder verfolgt bei der EM bisher eine klare Linie. Über seine eigenen Leistungen spricht der DBB-Kapitän eher kritisch, über seine Teamkollegen hingegen schlägt er positive Töne an. Abgesehen davon, dass er sie, wenn er selbst nicht spielt, jedes Mal anfeuert wie ihr größter Fan. Natürlich geben ihm einige davon auch permanent gute Gründe.

Maódo Lô zum Beispiel. "Er ist der nächste, der in die NBA geht", schwärmte Schröder nach dem Sieg über Frankreich von seinem nominellen Backup. Diese Aussage erregte Aufsehen, Lôs Spiel allerdings tat dies ebenfalls. Sensationelle 48,5 Prozent seiner Dreier traf der 29-Jährige in der Vorrunde, darunter auch die spielentscheidenden gegen Litauen.

Wird Lô also der nächste NBA-Export? Er selbst hat dies in der Vergangenheit als sein Ziel formuliert: Im Podcast Got Nexxt verriet er, dass es auch schon Angebote gab, allerdings mit ungarantierten Verträgen. Ein NBA-Scout, mit dem SPOX in Köln sprach, zeigte sich angetan von seiner Kreativität und seinen Shooting-Fähigkeiten und bescheinigte ihm, ein Backup in der NBA sein zu können.

Per Günther: "In der NBA sein ist nicht gleich in der NBA sein"

Das alleine führt natürlich noch zu nichts. Es braucht mehr als Talent: Es braucht Glück, Timing, die richtige Rolle. "In der NBA sein ist nicht gleich in der NBA sein", erklärt MagentaTV-Experte Per Günther gegenüber SPOX. "Bestimmt ist es für ihn möglich, in ein NBA-Team zu kommen. Aber ist es eine Rolle, in der er machen kann, was er jetzt macht?"

Lôs Rolle, die des kleineren, scorenden Guards, ist in der NBA die mit dem größten Angebot und dem dadurch geringsten Bedarf - fast alle Teams sind auf der Eins gut und tief besetzt. Das ist ja auch ein Grund dafür, warum Schröder selbst immer noch vertragslos ist. Es gibt mehr qualifizierte Spieler als Jobs, die verfügbar sind.

Dass Lô zu diesen qualifizierten Spielern gehört, zeigt er derzeit eindrucksvoll. Wer seine Entwicklung bei ALBA Berlin über die vergangenen Jahre nicht so eng verfolgt hat, dem werden bei diesem Turnier die Augen geöffnet.

Per Günther: Darum ist Maódo Lô so gut

Lô war vielleicht der konstanteste Akteur der Vorrunde und bereicherte das Spiel nahezu immer, wenn er auf dem Court stand. "Dieser Stepback ist eigentlich nicht zu verteidigen", sagt Günther. "Es ist ein gutes Gefühl, wenn du weißt, dass einer den Ball in der Hand hat, der jederzeit einen guten Look kriegen kann."

Lô gibt dieses Element, und er gibt noch mehr: "Er pusht den Ball sehr gerne. Und er färbt ab mit seiner Lockerheit und seinem Selbstbewusstsein. Gerade in Phasen, in denen es nicht so läuft, bringt er Rhythmus und Flow."

Er gibt dem Team auch einen anderen Look als Schröder. Nicht nur, dass der eine bisher viel besser von draußen trifft als der andere (Schröder trifft aktuell 20,7 Prozent), die Offensive sieht auch anders aus: Lô und die anderen Bankspieler spielen grundsätzlich etwas schneller und mit mehr Fluss als die Starter, die in einigen Spielen offensiv eher schleppend ins Spiel kamen.

Auch Schröder habe in der zweiten Halbzeit gegen Slowenien jedoch verstärkt darauf geachtet, bei jeder Gelegenheit das Spiel schnell zu machen, betont Günther: "Grundsätzlich finde ich es schön zu sehen, dass es zwei solche Spieler gibt und dass es neben Dennis noch Luft genug gibt, sich so zu entfalten. Das spricht auch für Dennis."

Dennis Schröder: Alte Vorwürfe passen nicht mehr

Dieser Punkt ist wichtig. Der alte Vorwurf der Eigensinnigkeit passt bei Schröder tatsächlich nicht, wenn man ihn bei diesem Turnier beobachtet. Er nimmt zwar die meisten Würfe, das ist aber auch seine Rolle - und er gibt durchaus bereitwillig Touches ab. An Franz Wagner, aber auch an Lô. Es ist kein Kopf durch die Wand, es ist eine gesunde Aufteilung.

"Wie er dafür sorgt, dass Franz und Maodo dabei sind ... das ist ehrlich", sagt Günther. "Dennis will, dass andere Leute gut spielen, weil er weiß, dass es ihm hilft zu gewinnen. Da geht es wirklich nicht um ihn. Abgesehen vom Wurf gibt es in vielen Bereichen einen noch besseren Dennis als in der Vergangenheit."

In der Folge sieht auch die deutsche Offense variabler aus. In fünf Vorrundenspielen hatte Deutschland vier verschiedene Topscorer, das wäre vor nicht allzu langer Zeit undenkbar gewesen (bei der EM 2017 in Israel war es Schröder in sechs von sieben Spielen). Und das macht auch Schröder das Leben leichter.

Schröder, Lô und Wagner: Die drei Amigos im DBB-Team

Der Braunschweiger kann sich mehr auf defensive Aufgaben konzentrieren, eher mal Coast-to-Coast gehen und attackieren, wenn er nicht immer Dreh- und Angelpunkt der Offense sein muss. Er hat viel mehr Creation neben sich als in der Vergangenheit, vor allem dann, wenn Schröder, Lô und Wagner gleichzeitig auf dem Court stehen.

Offensiv ist das vermutlich der beste Look des DBB-Teams. Lô und Wagner können Ballhandling übernehmen, sie können für sich selbst kreieren und auch Schröder mal leichte Abschlüsse verschaffen, wenn er beispielsweise Closeouts attackieren kann, nachdem die Defense schon in Rotation gebracht wurde.

Es ist kein Geheimnis, dass Schröder davon profitiert, zumal er auch den Dreier off the catch besser trifft als aus dem Dribbling. Nicht aus Zufall spielte er seine beste NBA-Saison bei den OKC Thunder, als nahezu immer entweder Shai Gilgeous-Alexander oder Chris Paul neben ihm auf dem Court standen.

Schröder, Wagner, Lô: Ein Novum der DBB-Geschichte

Kaliber wie "Point God" CP3 hat das DBB-Team nicht. Trotzdem hat die Mannschaft aktuell drei Spieler, die als Creator gezählt werden können, und das auf einem hohen Niveau. Als bestes Beispiel kann das Litauen-Spiel dienen, als nacheinander Schröder, Wagner und Lô damit betraut wurden, den Sieg aus Isolation nach Hause zu bringen.

Das ist ein Novum in der deutschen Basketball-Geschichte, wie auch Günther weiß: "Es gab entweder einen oder zwei. Drei in der Form hat es noch nicht gegeben."

Vom etablierten Schröder und dem aufstrebenden NBA-Spieler Wagner war es in gewisser Weise zu erwarten, dass sie diese Qualität einbringen. Lô hat mittlerweile bewiesen, dass er dazugehört als Dritter im Bunde. Ganz unabhängig davon, ob er wirklich bald in die NBA geht oder nicht.

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