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NBA

NBA - Er erinnert an einen Hall of Famer: Wie Tyrese Haliburton die Pacers vor ganz neue Probleme stellt

Die Indiana Pacers galten vor der Saison als Tanking-Kandidat, stattdessen sind sie momentan ein Playoff-Team - vor allem dank Tyrese Haliburton. Können - und wollen - die Pacers ihren Kurs halten?

Eigentlich war die Geschichte über die Pacers-Saison 22/23 schon geschrieben, bevor sie begann. Die Worte "Tanking", "Trades" und "Wembanyama" kamen darin vor, Erwartungen gab es kaum, außer eben in der Hinsicht, dass Indiana schlecht sein und vielleicht den einen oder anderen Spieler abgeben würde.

Man muss diese Geschichte mittlerweile umschreiben oder zumindest um ein paar Kapitel ergänzen. Auch wenn die Pacers auf dem derzeitigen West-Coast-Trip ins Straucheln geraten sind, sind sie ein Playoff-Team, stehen gleichauf mit Preseason-Favorit Philly und vor Miami oder Brooklyn.

Indiana gehört kurz gesagt zu den positiven Überraschungen der Spielzeit, was sie vor allem einem Trade aus der Vorsaison zu verdanken haben. Dieser brachte ihnen Tyrese Haliburton - und dieser wiederum bringt sein Team nun in eine Lage, in der es ziemlich bald ein paar Entscheidungen treffen muss. Aber der Reihe nach ...

Tyrese Haliburton: Ein Spieler, der nie zu haben sein sollte

Es war ein Deal, der vergangene Saison für sehr viel Aufsehen sorgte: Indiana gab (im Wesentlichen) einen zweimaligen All-Star für einen 14-Punkte-Scorer sowie Buddy Hield ab, und trotzdem waren sich viele Beobachter einig, dass Indiana dabei einen Coup gelandet hatte - während sie sich gleichzeitig fragten, wie Sacramento einen Spieler wie Haliburton gehen lassen konnte.

Denn dieser war zwar noch nicht an dem Punkt, den Domantas Sabonis (der übrigens eine exzellente Saison bei den Kings spielt) bereits erreicht hatte, aber auf einem guten Weg dorthin. Haliburton begeisterte als Rookie mit seinem effizienten, teamdienlichen Spiel, in Jahr zwei bestätigte er die Zahlen und deutete das Potenzial an, sogar noch weitaus mehr leisten zu können.

Haliburton war 21 Jahre alt, noch zwei Jahre auf seinem Rookie-Vertrag und ein riesiges Talent auf der vielleicht wichtigsten Position ligaweit - ein Spielertyp, der eigentlich nie verfügbar wird. Der in diesem Fall aber verfügbar wurde, weil Sacramento auch schon De'Aaron Fox hatte und nicht wusste, ob beide je ideal würden koexistieren können.

Es war ein Glücksfall für die Pacers, die mit Sabonis auf der Stelle traten und für den Center nun einen Spieler zurückbekamen, dem sie die Zügel in die Hände geben konnten, der ihnen eine gewisse Perspektive verschaffte. Es war ein Move, der vor allem ihre Zukunft transformieren sollte - der die Pacers nun aber auch schon in der Gegenwart transformiert.

Tyrese Haliburton: Ein bisschen wie Steve Nash

Haliburton ist ein Point Guard im klassischen Sinne. Er bereitet lieber vor, als dass er selbst scort, bei vielen seiner Stationen musste er bereits von Coaches angefleht werden, mehr zu werfen. Er erinnert in dieser Hinsicht ein wenig an Steve Nash, der das gleiche "Problem" zu Beginn seiner Zeit in Dallas hatte.

Ähnlich wie der legendäre Kanadier ist er aber auch ein Spieler, der alle um ihn herum besser macht. In Indiana ist dieser Effekt noch besser ersichtlich als in Sacramento: Der 22-Jährige führt die Liga bei den Assists an (hier habt Ihr es zuerst gehört!) und macht Spiele der Pacers bisweilen zum Spektakel.

Indiana spielt mit der höchsten Pace der Liga, vor allem dank ihm. Es werden frühe, schnelle Abschlüsse gesucht, alle im Team teilen den Ball bereitwillig, weil sie wissen, dass er sie wieder finden wird. Es ist teamdienlicher Basketball ohne eigene Agenda, was nicht selbstverständlich ist bei einem Team mit so vielen begleitenden Trade-Gerüchten.

Haliburton: Kreativität und Kontrolle

Haliburton ist dabei derjenige, der einen Großteil der Entscheidungen trifft - und der sie sehr gut trifft. Über drei Spiele verteilte er kürzlich 40 Assists ohne einen einzigen Ballverlust. Das gab es noch nie in der NBA-Historie! Das hier ist übrigens Assist Nr. 40 ... es gibt wesentlich leichtere Pässe.

Das ist auch kein Einzelfall. Haliburton spielt zwar unheimlich gerne beispielsweise Pässe, nachdem er abgesprungen ist, die traditionell verpönt sind, wirkt dabei aber nie unkontrolliert. Er liest die Defense unheimlich gut, dieser Prozess läuft eben auch in der Luft weiter. Er findet jede Lücke, ist jetzt schon einer der besten und kreativsten Passer der NBA.

Und auch das Scoring wird. Haliburton zieht zwar noch immer viel zu wenige Freiwürfe, ist aber trotzdem aggressiver im Abschluss geworden und nimmt immerhin 15 Abschlüsse pro Spiel. Vor dem derzeitigen Cold Streak, bei dem ihn wohl auch eine Leistenverletzung einschränkte, war die Effizienz dennoch weiter sehr erfreulich, trotz der eigentümlichen Wurftechnik kann Haliburton die Defense auch mit seinem Scoring unter Druck setzen. Er dürfte sicherlich auch um die 18 Würfe pro Spiel nehmen, aber der Trend geht immerhin in die richtige Richtung.

Tyrese Haliburton und der All-Star-Case

"Tyrese hat ein riesiges Potenzial. Ich glaube, er kann auf jeden Fall ein künftiger All-Star sein", sagte Head Coach Rick Carlisle vor einigen Wochen. "Es macht Spaß, ihm zuzusehen. Er spielt mit viel Freude, mit Stil, mit Können. Er ist ein Künstler." Alles richtig - nur dass Haliburton, wenn er so weiter spielt, schon in dieser Saison ein All-Star sein sollte.

Der Point Guard profitiert dabei auch von seinem Umfeld. Einerseits, weil Carlisle ihm alle Freiheiten gibt, andererseits aber auch, weil der Supporting Cast durchaus zu ihm passt. Solange Myles Turner auf der Fünf spielt, kann Indiana schnell spielen und hat gute bis sehr gute Schützen auf allen Positionen, was viel Platz für Haliburtons Drives bedeutet.

Indiana nimmt die viertmeisten Dreier ligaweit, gerne auch in Semi-Transition, gegen unsortierte Defense. Hield etwa stellt gerne einen frühen Block für Haliburton und fliegt zur Dreierlinie. Generell setzen nur wenige Teams ihre Flügel so gerne und viel als Screener ein, um dadurch Chaos zu stiften.

Mathurin und Haliburton: Der Backcourt der Zukunft

Während Hield genau wie Turner schon seit Monaten in Trade-Gerüchten auftaucht, ist mindestens einer dieser Wings bereits ein fixer Bestandteil in allen Pacers-Planungen. Benn Mathurin kommt derzeit noch von der Bank, dürfte früher oder später aber den Platz im Backcourt neben Haliburton einnehmen - und diesen idealerweise über viele Jahre nicht mehr verlassen.

Der Rookie ist ein dynamischer Scorer und ein nahezu idealer Fit neben Haliburton, weil er eine Fähigkeit beherrscht, die diesem noch fehlt: "Er kommt besser und regelmäßiger an die Freiwurflinie als jeder Rookie, den ich je gesehen habe. Er lebt dort einfach", schwärmte Haliburton kürzlich von Mathurin, der die Pacers mit 6,3 Freebies pro Spiel anführt.

Tatsächlich ist der Swingman großartig darin, die durch Haliburtons Pick'n'Rolls in Rotation gebrachte Defense zu attackieren, zumal die Verteidigung auch seinen Wurf fürchten muss (40 Prozent 3FG). Auch wenn er in anderen Bereichen noch etwas roh wirkt, die Scoring-Fähigkeiten sind offenkundig. "Wir ergänzen uns sehr gut", befand Haliburton.

Indiana Pacers: Was passiert mit Myles Turner?

Generell wirken die Pacers nicht wie ein Team, das bald komplett einreißt. Wenn sie das nicht wollen, zumindest. Die Schlüsselpersonalie ist vielleicht Turner, ein Spieler, der seit Jahren kurz vor einem Trade steht und dessen Vertrag im Sommer ausläuft. Die Pacers können ihn jetzt traden, bevor sie ihn ohne Gegenwert verlieren - sie könnten aber auch versuchen, ihn mit einem neuen Vertrag zu halten. Und warum eigentlich nicht?

Wenn fit, ist Turner ein toller Fit neben Haliburton und ein guter Center, der derzeit die beste Saison seines Lebens spielt (kein Zufall!). Er ist mit 26 Jahren nicht zu alt, um gemeinsam mit dem Backcourt zu reifen. Er kann dazu beitragen, die Baustelle in der Defensive anzugehen, die auch dank Haliburton durchaus noch da ist (Platz 22 beim Defensiv-Rating).

Er kann aber auch einen guten Pick zurückbringen und die Pacers auf einen klareren Kurs setzen, wenn ihnen dieser Weg lieber ist und sie denken, sie müssen noch einmal vom Lottery-Apfel abbeißen. Im Gegensatz zu dem, was vor der Saison angenommen wurde, ist das eine Entscheidung, die die Pacers noch treffen müssen.

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