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Fussball

Brasilien-Noten: Real- und Barça-Star enttäuschen komplett

Von Ryan Tolmich / Kevin Hildebrand
WM 2022, Brasilien, Kroatien, Neymar, Raphinha

Nach einem dramatischen Spiel mussten sich die Brasilianer den Kroaten im ersten WM-Viertelfinale geschlagen geben. Hier gibt's die Einzelkritik.

Seinen Kopf in den Händen vergraben, seinen Tränen ließ er freien Lauf - auch nach Minuten nach Ende des Elfmeterschießens im WM-Viertelfinale zwischen Kroatien und Brasilien (5:3) saß Superstar Neymar traurig auf dem Platz. Wobei das wahrscheinlich noch untertrieben ist.

Brasilien ist raus aus dem Turnier in Katar, bei dem der Rekordweltmeister die Zuschauer bislang so verzaubert hatten. Vor der Partie gegen die Europäer galt die Selecao als klarer Favorit. Doch das war den Kroaten egal.

Die Kroaten gaben sich niemals auf, zwangen Brasilien ins Elfmeterschießen und hatten dort nach Rodrygos Fehlschuss zu Beginn von Anfang an die Oberhand. Dabei sah vorher alles so aus, als würden die Südamerikaner locker ins Halbfinale spazieren.

Nicht falsch verstehen: Kroatien hielt gut dagegen, stellte einen ebenbürtigen Gegner da und hielt die Künstler aus Brasilien lange in Schach. Doch spätestens, als Neymar zum Ende der ersten Halbzeit der Verlängerung zum 1:0 für die Seleção traf, schien alles entschieden. Bis Bruno Petkovic vier Minuten vor Abpfiff zum Ausgleich traf und seine Farben ins Elfmeterschießen rettete.

Der Rest? Geschichte. An dieser Stelle wirft SPOX einen Blick auf die Noten und Einzelkritiken der brasilianischen Spieler, die bei dem denkwürdigen Viertelfinale auf dem Platz standen. Und wir küren den Gewinner des Spiels.

GEWINNER DES SPIELS: DOMINIK LIVAKOVIC

Zugegeben, an dieser Stelle könnten auch noch andere Spieler stehen. Luka Modric beispielsweise, der dem Spiel überall seinen Stempel aufdrückte und stets alle Zügel in der Hand zu halten schien. Oder Bruno Petkovic, der wahrscheinlich das wichtigste Tor im bisherigen Turnierverlauf der Kroaten schoss. Aber nein, an einem Mann gibt es kein Vorbeikommen: Dominik Livakovic.

Wer hätte vor dem Spiel gedacht, dass sich der Torhüter von Dinamo Zagreb zum WM-Helden aufschwingen würde? Wobei seine starken Leistungen nicht erst beim Spiel gegen die Selecao Gold wert waren.

Im Achtelfinale gegen Japan hielt Livakovic drei von vier Elfmetern. Gegen Brasilien macht der 27-Jährige scheinbar einfach da weiter, wo er wenige Tage zuvor aufgehört hatte. Elf teils starke Paraden in 120 Minuten sind vielleicht keine unübertroffen hohe Zahl, doch Livakovic sorgte dafür, dass Brasilien verzweifelte, kein Momentum aufbaute - und seine eigene Mannschaft im Spiel blieb.

Der Gegentreffer durch Neymar in der Verlängerung? Geschenkt, das Tor war einfach stark erzielt, Kroatiens Keeper traf keine Schuld. Und im Elfmeterschießen angelte er sich direkt den ersten brasilianischen Schuss von Rodrygo. Zugegeben, dieser war nicht sonderlich präzise. Nichtsdestotrotz, Livakovic behielt die Nerven - und hatte riesige Anteile am Halbfinaleinzug seiner Farben.

DER VERLIERER DES SPIELS: NEYMAR

Um eines gleich zu Beginn klarzustellen: Neymar war in diesem Spiel nichts vorzuwerfen. Seine Leistung rechtfertigt diesen unrühmlichen Titel des Verlierers des Spiels nicht, wohl aber seine Legende. Oder sein Vermächtnis.

Als schillernder Star der brasilianischen Nationalmannschaft sind naturgemäß alle Augen auf den Kicker von Paris Saint-Germain gerichtet. Und er ging mit guter Leistung voran, erzielte das so wichtige 1:0 für die Selecao und stieß das Tor zum Halbfinale extrem weit auf. Gleichzeitig zog er mit diesem Treffer mit Brasiliens Rekordtorschütze Pelé gleich. Beide erzielten im Dress der Selecao jeweils 77 Tore.

Und doch ist Neymar die tragische Figur dieses Spiels. Oder dieser WM. Es begann mit seiner Verletzung am Knöchel im WM-Auftaktspiel gegen Serbien, nach der ganz Brasilien den Atem anhielt. Unvergessen die Bilder, als der 30-Jährige mit ordentlich Wasser in den Augen auf der Bank seines Teams Platz nahm. Ein WM-Aus schien zu dem Zeitpunkt möglich.

So endete Neymar WM 2022 in Katar, wie sie begonnen hatte: mit jeder Menge Tränen. Nach Abpfiff des Viertelfinals gegen Kroatien vergrub Neymar sein tränenverschmiertes Gesicht in den Armen, stand lange Zeit nicht auf. Neymar und der lang ersehnte, große Titel mit der Selecao - es soll wohl einfach nicht sein.

BRASILIENS TORHÜTER

ALISSON: Hatte fast das ganze Spiel über nichts zu tun und wurde durch einen abgefälschten Schuss bezwungen. Hielt im Elfmeterschießen aber auch keinen Ball. Note: 3,5.

BRASILIENS ABWEHR

DANILO: Defensiv besser als offensiv, wo er so gut wie gar nichts zum Spiel seiner Mannschaft beitragen konnte. Note: 4.

MARQUINHOS: Eigentlich solide, ehe alles den Bach runterlief. Er fälschte den Ball zu Kroatiens 1:1 ab und schoss dann im Elfmeterschießen an den Pfosten. Diese Nacht wird er lange nicht vergessen. Note: 4.

THIAGO SILVA: Gab 120 Minuten Vollgas - mit und ohne Ball. Note: 2.

ÉDER MILITÃO: Gute Vorstellung auf der ungewohnten rechten Außenbahn, auch wenn er offensiv quasi nicht vorhanden war. Note: 3.

BRASILIENS MITTELFELD

LUCAS PAQUETÁ: Stets aktiv, leitete Neymars Tor ein. Ließ aber sonst einige Chancen liegen und überzeugte nur recht selten. Note: 4.

CASEMIRO: Früh eine gelbe abgeholt, teils starke Defensive, Elfmeter verwandelt. Eine typische Casemiro-Vorstellung. Note: 3.

BRASILIENS ANGRIFF

VINÍCIUS JÚNIOR: Viel Einsatz, allerdings kam dabei nichts rum. Kreierte kaum Torgefahr und musste in der 64. Minute runter. Note: 4,5.

NEYMAR: Schoss ein nahezu legendäres Tor und hätte zum Volkshelden aufsteigen können, so ist er die tragische Figur in der Niederlage seines Teams. Note: 2,5.

RAPHINHA: Blass, ineffektiv, wurde folgerichtig ausgewechselt. Note: 4,5.

RICHARLISON: Lovren und Gvardiol nahmen den Angreifer ziemlich aus dem Spiel, trotzdem kam er zu Chancen. Alles in allem aber nicht genug für ein solch wichtiges Spiel. Note: 3,5.

BRASILIENS EINWECHSELSPIELER

ANTONY: Verzögerte zu oft das Spiel, auch wenn er einige gute Szenen dank seiner Geschwindigkeit hatte. Note: 4.

RODRYGO: Kein gutes Spiel, kein guter Elfmeter. Gerade letzterer wird vielen in Erinnerung bleiben. Note: 4,5.

PEDRO: Konnte nach seiner Einwechslung nicht wirklich glänzen, war aber nervenstark vom Punkt. Note: 4.

FRED: Zu spät eingewechselt, um dem Team helfen zu können. Keine Bewertung.

ALEX SANDRO: Ebenfalls dank fehlender Minuten ohne Einfluss aufs Spiel. Ohne Bewertung.

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