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Fussball

Besser als Mbappé, Lewandowski und Haaland: Stuttgart-Stürmer Serhou Guirassy verzückt die Bundesliga

Von Christian Guinin
FC Bayern, News und Gerüchte, Lothar Matthäus, David de Gea, Harry Kane, Sofyan Amrabat, Kyle Walker, Malik Tillman
© getty

Der VfB Stuttgart liegt nach einem starken Start in die neue Bundesliga-Saison auf Platz vier der Tabelle und damit auf Champions-League-Kurs. Zu verdanken haben das die Schwaben vor allem einem Mann: Serhou Guirassy.

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Der abgelaufene Transfersommer war ein Transfersommer der Stürmer in der Bundesliga. Der FC Bayern, RB Leipzig, Borussia Dortmund oder auch Bayer 04 Leverkusen - die Topklubs im deutschen Oberhaus stellten hübsche Summen bereit, um den jeweiligen Wunsch-Knipser in die vereinseigenen Farben zu transferieren.

Während sich der FC Bayern beispielsweise die Dienste von Harry Kane schlappe 100 Millionen Euro kosten ließ, zahlten die Leipziger immerhin noch knapp 40 Millionen Euro für Lois Openda. Leverkusen und Dortmund griffen nicht ganz in dieses Preisregal, überwiesen für Victor Boniface und Niclas Füllkrug aber immerhin auch noch 20,5 beziehungsweise 13 Millionen Euro an die abgebenden Vereine.

Für die Fans stellte sich angesichts dieser großspurigen Transferaktivitäten deshalb auch schnell die Frage, welcher Knipser in der Bundesliga denn am härtesten einschlagen würde. Etwa Harry Kane - immerhin aufgrund seiner 278 Tore in 430 Pflichtspielen für Tottenham Hotspur mit reichlich Vorschusslorbeeren dekoriert? Oder Kraftpaket Boniface, welcher im vergangenen Jahr Union Berlin aus der Europa League geballert hatte? Oder doch etwa Torschützenkönig Füllkrug, der sich mit dem Wechsel zum BVB endlich den Traum vom Wechsel zu einem Topklub verwirklicht und nun die Chance auf den ganz großen Karrieresprung ermöglicht bekommen hatte?

VfB Stuttgart: Serhou Guirassy trifft am Fließband

Egal für wen sich die Fans am Ende entschieden, viele von ihnen wurden Lügen gestraft. Denn nach vier Spieltagen thront ein ganz Anderer an der Spitze der Torschützenliste: Stuttgarts Serhou Guirassy - aktuell DER Shootingstar der Bundesliga. Sage und schreibe acht Treffer erzielte der Mann aus Guinea in vier Spielen - und brauchte dafür gerade einmal acht Torschüsse. Die sagenhafte Treffer-Quote: 100 Prozent! Solch ein Start in eine Spielzeit war zuletzt einem gewissen Peter Meyer für Borussia Mönchengladbach geglückt. Vor 56 Jahren.

Nimmt man noch den Einsatz im DFB-Pokal hinzu, sind es gar neun Treffer in fünf Begegnungen, umgerechnet trifft der 27-jährige Guirassy also alle 42 Spielminuten. Das sind Zahlen, die nicht einmal die ganz Großen im Weltfußball vorweisen können. Kein Robert Lewandowski, kein Kylian Mbappé, kein Erling Haaland. Sie alle ziehen im Vergleich zum VfB-Angreifer den Kürzeren.

Beeindruckend ist das vor allem unter dem Gesichtspunkt, in welcher Art und Weise Guirassy seine Tore im Stuttgarter Dress erzielt. Im Gegensatz zu vielen seiner Sturm-Kollegen gehört der Guineer nicht zu jenen Neunern, die einen Angriff lediglich mit dem letzten Kontakt vor dem leeren Tor vollenden. Guirassy hat unglaublich viele verschiedene Stärken und Facetten. Bestaunen konnte man diese Vielseitigkeit erst jüngst beim 3:1-Sieg seines VfB gegen den 1. FSV Mainz 05.

Das 1:0 war ein feiner, technisch höchst anspruchsvoller Heber über den Torhüter, das 2:1 ein eleganter Haken um den Gegenspieler mit trockenem Abschluss ins kurze Eck, das 3:1 dann ein Mix aus Durchsetzungskraft, Abgeklärtheit und Coolness. Selten passte das klassische "er ist ein kompletter Angreifer"-Lob eines Trainers (O-Ton Sebastian Hoeneß) so sehr wie bei Guirassy. Der bullige Stürmer vereint die Fähigkeiten eines Neuners der alten Schule wie Kopfballstärke, Kaltschnäuzigkeit im Abschluss und Durchsetzungsvermögen mit einem sehr feinen Füßchen sowie einem guten Auge für den Mitspieler.

Serhou Guirassy: In Köln als Chancentod abgestraft

Dabei startete seine Zeit in der Bundesliga alles andere als verheißungsvoll. Zwischen 2016 und 2019 stand Guirassy schon einmal im deutschen Oberhaus unter Vertrag. Mit gerade einmal 20 Jahren schloss er sich damals dem 1. FC Köln an, in der Domstadt kam er allerdings nie über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus. Oftmals wurde ihm vorgeworfen, zu schlampig mit seinen Großchancen umzugehen. Noch jetzt kursiert im Netz ein viraler Clip, in welchem es Guirassy tatsächlich gelingt, ein Zuspiel freistehend aus einem Meter nicht im Tor unterzubekommen. Der passende Name des Clips: "Guirassy fail".

Über den SC Amiens und Stade Rennes - wo er ebenfalls keine schlechten, aber keineswegs herausragende Torquoten aufweisen konnte - landete er im Sommer 2022 dann zunächst leihweise und ab diesem Sommer schließlich fest beim VfB Stuttgart, wo er nach langer Suche seine sportliche Heimat gefunden zu haben scheint. "Ich habe in meiner Karriere noch nie so viele Tore gemacht, bin wahrscheinlich in der Form meines Lebens", meinte der 27-Jährige erst kürzlich. Dank Guirassy haben die Schwaben, die sich in der vergangenen Saison erst in der Relegation gerettet hatten, mit neun Punkten aus vier Spielen einen Topstart hingelegt, liegen aktuell sogar auf einem Champions-League-Platz.

Serhou Guirassy: Premier-League-Klubs klopfen an

Auch deshalb waren schon vor der Saison viele Fans und Experten davon ausgegangen, dass der Stürmer nach einer starken Premieren-Spielzeit bei den Schwaben das Weite suchen und sich einem internationalen Topklub anschließen würde - wenn auch nur aufgrund der besseren Bezahlung. Der Ton der Debatten: Warum spielt ein Angreifer der Klasse eines Guirassy noch bei einem Klub wie dem VfB Stuttgart? Da gäbe es doch sicherlich bessere Alternativen.

Diverse Premier-League-Klubs lockten mit teils hochdotierten Angeboten. Lothar Matthäus brachte den Angreifer - noch vor der Verpflichtung von Kane - gar als möglichen Nachfolger für Robert Lewandowski beim FC Bayern ins Gespräch. Als "ballsicherer, schneller und robuster" Stürmer könne Guirassy dem deutschen Rekordmeister enorm weiterhelfen, sah der Rekordnationalspieler schon damals die Stärken des Guineers.

Doch die Fangemeinde der Münchner war mit Matthäus nicht einer Meinung. Es folgten umgehend Spott und Häme im Netz: Was sollte der übermächtige FC Bayern denn mit einem Angreifer von einem Abstiegskandidaten anfangen? Zumal Kane damals schon in München gehandelt wurde.

Serhou Guirassy: "Meine Familie und ich fühlen uns hier wohl"

Von Stuttgarter Seite hätte man bei einem Angebot so oder so nur wenig Gegenwehr leisten können, schließlich ließ sich Guirassy bei seiner festen Verpflichtung - neun Millionen Euro überwies der VfB an Stade Rennes - im direkten Gegenzug eine festgeschriebene Ausstiegsklausel in Höhe von 15 Millionen Euro in seinem Vertrag verankern. Zur Überraschung vieler widerstand der Angreifer der Versuchung jedoch, hielt dem VfB die Treue und zahlt das in ihn gesetzte Vertrauen derzeit tausendfach zurück.

Trainer Sebastien Hoeneß sieht aktuell auch keinerlei Anzeichen dafür, dass der Angreifer den Stuttgartern in naher Zukunft den Rücken zukehren wird. "Serhou weiß, was er hier hat. Er identifiziert sich zu 100 Prozent mit unserer Sache." Was Guirassy bestätigte: "Ich bin froh, hier zu sein. Ich habe mich entschieden, in Stuttgart zu bleiben, da meine Familie und ich uns hier wohlfühlen." Insbesondere mit seinen Mitspielern Enzo Millot und Dan-Axel Zagadou soll er sehr gut befreundet sein.

Beim VfB, der am Freitag (20.30 Uhr/DAZN) auf Aufsteiger Darmstadt 98 trifft, kann er somit fürs Erste noch weiter auf Torejagd gehen. Zumindest bis mindestens zum kommenden Winter ist das Thema zu den Akten gelegt. Hält er seine Form, wäre es ein kleines schwäbisches Wunder, wenn er danach weiter für die Mannen mit dem Ring auf der Brust auflaufen würde. Schließlich werden dann erneut wieder diverse Klubs auf der Suche nach einem Top-Torjäger sein.

Bundesliga: Die Tabelle vor dem 5. Spieltag

PlatzTeamSp.ToreDiffPkt.
1.Bayer Leverkusen413:5810
2.Bayern München411:4710
3.RB Leipzig413:499
4.Stuttgart414:689
5.Hoffenheim410:649
6.Wolfsburg47:529
7.Borussia Dortmund48:538
8.Union Berlin49:726
9.Eintracht Frankfurt44:316
10.Freiburg45:10-56
11.Heidenheim48:9-14
12.Werder Bremen46:9-33
13.Bochum44:9-53
14.Borussia M'gladbach48:12-42
15.Augsburg47:12-52
16.Köln43:7-41
17.Darmstadt 9845:13-81
18.Mainz 0543:12-91

 

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