Cookie-Einstellungen
Fussball

Jonas Boldt vom Hamburger SV im Interview: "Ich trete nicht an, um das Image des HSV zu verändern"

Jonas Boldt ist seit der Saison 2019/20 Sportvorstand beim HSV.
© getty

Bei SPOX und DAZN sagten Sie kürzlich, dass Sie bislang noch kein Gespräch mit Investor Klaus-Michael Kühne geführt haben. Weshalb nicht?

Boldt: Wenn er mit mir sprechen will, dann werde ich mit ihm sprechen. Diese Situation wird bestimmt auch noch kommen. Ich sehe dazu aktuell jedoch keine Eile. Meine erste Aufgabe war es, ein Trainerteam zu finden, Strukturen um- und eine Mannschaft aufzubauen. Ich bin in der Pflicht, zu liefern und nicht zu fordern. Ich denke, dass es unabhängig von Herrn Kühne genug Menschen gibt, denen der HSV am Herzen liegt. Deren Meinung möchte ich einholen und erklären, was wir vorhaben. Ich will in die Stadt hineinhören. Deshalb habe ich mich beispielsweise auch bereits mit Uwe Seeler getroffen und werde bald mit Horst Hrubesch sprechen.

Besteht denn noch eine Art Abhängigkeit von Kühne?

Boldt: Nein, warum? Die Thematiken, die mit dem Aufsichtsrat besprochen wurden, haben mit ihm erst einmal nichts zu tun. Wir haben ein abgesegnetes Budget, in dessen Rahmen ich mich in Absprache mit dem Aufsichtsrat bewege. Wenn wir zeigen, dass wir damit umgehen können, haben wir vielleicht die Chance, das Vertrauen der Menschen, die dem HSV wohlgesonnen sind, zurück zu gewinnen. Ich bin gefragt, Lösungen zu finden.

Finden Sie es aber nicht merkwürdig, dass Kühne selbst noch nicht den Kontakt gesucht hat? Schließlich gibt es beim HSV eine neue sportliche Führung.

Boldt: Ich habe ja nicht gesagt, dass es keinen Kontakt gab. Ich habe nur gesagt, dass ich noch nicht mit ihm gesprochen habe und mein Fokus momentan auf den Aufgaben rund um die Mannschaft liegt.

Welches Bild hatten Sie denn bislang als Außenstehender von Kühne?

Boldt: Er hat etwas geleistet, wovor man riesigen Respekt haben muss. Er ist durch und durch HSV-Fan und liebt den Verein. Mehr weiß ich nicht über ihn. Wie gesagt, mein vordringliches Thema ist derzeit nicht die Beziehung Boldt/Kühne, sondern Boldt beim HSV.

Worauf ich Sie noch ansprechen möchte, ist die Veröffentlichung des Spiegel im Rahmen seiner Arbeit mit Football Leaks. Demnach sollen Sie 2015 den Beratern des damaligen Swansea-Torhüters Lukasz Fabianski mit Hilfe eines Scheinangebots zu einem siebenstelligen Honorar verholfen haben, nachdem dessen Vertrag verlängert wurde. Wie sehr hat Sie diese Veröffentlichung getroffen?

Boldt: Ich war schon sehr stark verwundert, auch über den Zeitpunkt. Ich habe bereits gesagt, dass ich die Email mit der Interessensbekundung nicht hätte vorformulieren lassen sollen, auch wenn sie von mir initiiert wurde und es meine Worte waren. Inhaltlich lief das immer im Sinne von Bayer Leverkusen ab. Jeder, der mich kennt, weiß das auch. Man hat ja letztlich gesehen, dass diese Geschichte aufgrund von inhaltlicher Substanzlosigkeit keine Nachwirkungen hatte. Mich beschäftigt das Thema nicht mehr.

Inwiefern sind Sie denn froh, in der neuen Saison womöglich erst einmal nicht auf Ihren alten Klub zu treffen?

Boldt: Auch wenn es nicht geplant war, macht es das sicherlich leichter, dass der HSV derzeit kein unmittelbarer Konkurrent ist. Im Anschluss an das letzte Heimspiel haben mich viele Fans darauf angesprochen, dass sie es begrüßen würden, wenn ich nicht zu einem direkten Konkurrenten gehe. Ich wusste zwar zu dem Zeitpunkt nichts vom Interesse des HSV, aber ich freue mich, dass ich ihnen diesen Wunsch unbewusst erfüllen kann. Mir war es wichtig, dass ich immer eine besondere Beziehung zum Verein, den Mitarbeitern und vor allem auch den Fans hatte. Was sich dort mittlerweile entwickelt hat, ist angesichts der Größe der Stadt Leverkusen beachtlich. Was mir aber sogar ein bisschen leidtut ist, dass ich eigentlich vorhatte, mich in Leverkusen noch einmal vernünftig zu verabschieden. Am Saisonende ging das nur etwas überstürzt, auch wenn ich mit vielen einzelnen Personen gesprochen habe. Ich werde Leverkusen immer die Daumen drücken, weil sie bis auf die Möglichkeit im Pokal kein Konkurrent sind - zumindest noch in dieser Saison! (lacht)

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung