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Fussball

Nachspielzeit bei der WM 2022: Warum wird so lange nachgespielt?

Von Julius Ostendorf
Bei der WM 2022 wird ungewöhnlich viel nachgespielt.

Die ersten Spiele bei der WM 2022 in Katar überraschten allesamt mit einer ungewöhnlichen langen Nachspielzeit. Doch warum wird eigentlich so lange nachgespielt? SPOX hat die Antwort.

Wie viel Nachspielzeit auf die regulären 45 Minuten einer Halbzeit addiert werden, lag in der Vergangenheit stets im Ermessensspielraum des jeweiligen Schiedsrichters. Normalerweise sollen diese Zusatzminuten lediglich für einen groben Ausgleich der zahlreichen Unterbrechungen (Auswechslungen, Verletzungen, Verzögerungen) sorgen. Bei der aktuellen WM in Katar jedoch, scheint man diese Definition etwas enger zu interpretieren.

Insgesamt 115 Minuten ließen die Schiedsrichter an den ersten drei Turniertagen bereits nachspielen. Bei acht Spielen ergab das mehr als sieben Minuten pro Halbzeit im Durchschnitt.

Zum Vergleich: Einer Studie der Sportforscher des Centre International d'Etude du Sport (CIES) zufolge, legten die Bundesliga-Teams im Zeitraum vom 01. Juli 2019 bis zum 03. März 2021 eine Zusatzschicht von nur 5 Minuten und 33 Sekunden ab - allerdings pro kompletter Partie.

Womit lassen sich diese extremen Unterschiede also erklären? Eine Antwort darauf lieferte Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich bei MagentaTV, wo er während des WM-Turniers als Experte fungiert.

Nachspielzeit bei der WM 2022: Warum wird so lange nachgespielt?

Grund für die lange Nachspielzeit sei ihm zufolge eine neue Regelung der FIFA. Dem Fußball-Weltverband sei in der Vergangenheit aufgestoßen, dass diverse Unterbrechungen unzulässig verzögert würden. Die Folge: Die Nettospielzeit, also der Zeitraum, in dem tatsächlich der Ball rollt, lag im Schnitt nur bei 57 Minuten pro Spiel. Nun jedoch wolle man wieder die Marke von wenigstens 60 Minuten anpeilen.

Damit das gelinge, werde Nachspielzeit immer dann notiert, wenn eine Unterbrechung - egal, was es auch sein mag - länger als 15 Sekunden dauert. Ob ein ausgewechselter Spieler auf dem Weg vom Feld, eine theatralische Einlage eines Spielers oder eine verbale Auseinandersetzung auf dem Feld - jede Sekunde, die die Marke von 15 Sekunden übersteigt, kommt am Ende wieder oben drauf.

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Kritik an der regeltechnischen Neuerung äußerte auch Referee Ittrich selbst. Schließlich passierten in den nachgespielten Minuten häufig die strittigsten Szenen eines ganzen Spiels. Aber auch hinsichtlich der zusätzlichen Belastung für die Spieler, die ja ohnehin in den letzten Wochen in Liga- und Pokalbetrieb ein enorm hohes Pensum ertragen mussten, sei die Änderung "grenzwertig".

Der frühere Bundesliga- und FIFA-Schiedsrichter Knut Kircher vermutet indes, dass die Änderung bald auch schon im nationalen und internationalen Klubbetrieb ankommen wird. "Große Turniere waren schon immer ein Probierfeld für gewisse Neuerungen. Dieser Trend wird sicher auch in der Bundesliga ankommen", sagte er im Interview gegenüber den Stuttgarter Nachrichten.

Nachspielzeit bei der WM 2022: Die bisherigen Zusatzminuten pro Spiel

BegegnungNachspielzeit 1. HalbzeitNachspielzeit 2. Halbzeit
Katar vs. Ecuador (0:2)66

England vs. Iran (6:2)

1413
Senegal vs. Niederlande (0:2)29
USA vs. Wales (1:1)310
Argentinien vs. Saudi-Arabien (1:2)414
Dänemark vs. Tunesien (0:0)47
Polen vs. Mexiko (0:0)38
Frankreich vs. Australien (4:1)78
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