Cookie-Einstellungen

Türkische Klub-Bosse: Lorant, Baklava und eingesperrte Schiris

 
Die Präsidenten der türkischen Fußballklubs liefern in aller Regelmäßigkeit die kuriosesten Geschichten. Sie schmeißen Spieler wegen Baklava raus, sperren Schiedsrichter ein und holen gerne deutsche Trainer. Eine kleine Reise durch die witzigsten Storys.
© imago images
Die Präsidenten der türkischen Fußballklubs liefern in aller Regelmäßigkeit die kuriosesten Geschichten. Sie schmeißen Spieler wegen Baklava raus, sperren Schiedsrichter ein und holen gerne deutsche Trainer. Eine kleine Reise durch die witzigsten Storys.
Auch wenn heutzutage immer mehr türkische Klubs professionelle Strukturen aufbauen, sind die Präsidenten immer noch das absolute Oberhaupt – und meistens mit Narrenfreiheit ausgestattet. Das sorgt für kuriose und verrückte Geschichten. Da wäre ...
© imago images
Auch wenn heutzutage immer mehr türkische Klubs professionelle Strukturen aufbauen, sind die Präsidenten immer noch das absolute Oberhaupt – und meistens mit Narrenfreiheit ausgestattet. Das sorgt für kuriose und verrückte Geschichten. Da wäre ...
AZIZ YILDIRIM: Berühmt und berüchtigt – der vielleicht bekannteste Trainer des türkischen Fußballs, über den man ein Buch schreiben könnte. 2002 war der Fenerbahce-Präsident unzufrieden mit Cheftrainer Mustafa Denizli, der ihm nicht hart genug war.
© imago images
AZIZ YILDIRIM: Berühmt und berüchtigt – der vielleicht bekannteste Trainer des türkischen Fußballs, über den man ein Buch schreiben könnte. 2002 war der Fenerbahce-Präsident unzufrieden mit Cheftrainer Mustafa Denizli, der ihm nicht hart genug war.
Der damalige Fener-Spieler Serhat Akin erzählt: "Er sagte seinen Leuten: 'Holt mir einen Deutschen mit Disziplin!' Irgendjemand hat ihm dann Werner Lorant empfohlen und sie ließen Lorant nach Istanbul einfliegen."
© imago images
Der damalige Fener-Spieler Serhat Akin erzählt: "Er sagte seinen Leuten: 'Holt mir einen Deutschen mit Disziplin!' Irgendjemand hat ihm dann Werner Lorant empfohlen und sie ließen Lorant nach Istanbul einfliegen."
Als Lorant in Istanbul angekommen war, erlebte der Fener-Tross einen kleinen Schock: "Lorant war kunterbunt angezogen. Sie wollten ihn so nicht zum Präsidenten bringen, also fuhren sie in die Stadt und kleideten ihn erstmal neu ein."
© imago images
Als Lorant in Istanbul angekommen war, erlebte der Fener-Tross einen kleinen Schock: "Lorant war kunterbunt angezogen. Sie wollten ihn so nicht zum Präsidenten bringen, also fuhren sie in die Stadt und kleideten ihn erstmal neu ein."
Akin weiter: "Als man im Trainingszentrum ankam, legte Lorants Berater erstmal zwei Flugtickets auf den Tisch. Sie fragten, was das soll. Der Berater sagte, dass sie das Geld wollen. Jemand nahm die Tickets sofort vom Tisch und gab ihnen das Geld."
© imago images
Akin weiter: "Als man im Trainingszentrum ankam, legte Lorants Berater erstmal zwei Flugtickets auf den Tisch. Sie fragten, was das soll. Der Berater sagte, dass sie das Geld wollen. Jemand nahm die Tickets sofort vom Tisch und gab ihnen das Geld."
Dann kam es zum großen Augenblick. Akin: "Aziz Yildirim trat die Tür mit dem Fuß, kam in den Raum und fragte in die Runde: 'Wer von euch ist dieser Lorant?! Du? Dann geh runter und mach der Mannschaft Beine." Lorant blieb elf Monate.
© Twitter
Dann kam es zum großen Augenblick. Akin: "Aziz Yildirim trat die Tür mit dem Fuß, kam in den Raum und fragte in die Runde: 'Wer von euch ist dieser Lorant?! Du? Dann geh runter und mach der Mannschaft Beine." Lorant blieb elf Monate.
2005 traf Fenerbahce im UEFA-Pokal auf Real Saragossa und sah nach dem 0:1 in Hinspiel auch in Spanien kein Land. Serhat Akin, auch damals im Kader, erzählt: "Wir saßen in der Halbzeit in der Kabine, als plötzlich der Präsident hereinkam."
© imago images
2005 traf Fenerbahce im UEFA-Pokal auf Real Saragossa und sah nach dem 0:1 in Hinspiel auch in Spanien kein Land. Serhat Akin, auch damals im Kader, erzählt: "Wir saßen in der Halbzeit in der Kabine, als plötzlich der Präsident hereinkam."
Statt Christoph Daum hielt Yildirim die Ansprache: "Wenn ihr das verliert, könnt ihr euch überlegen, wie ihr nach Hause kommt. Und wer ist hier eigentlich der Kapitän?" Laut Akin versteckten sich alle – selbst Kapitän Ümit Özat (späterer Köln-Profi).
© imago images
Statt Christoph Daum hielt Yildirim die Ansprache: "Wenn ihr das verliert, könnt ihr euch überlegen, wie ihr nach Hause kommt. Und wer ist hier eigentlich der Kapitän?" Laut Akin versteckten sich alle – selbst Kapitän Ümit Özat (späterer Köln-Profi).
Doch das war noch nicht alles: "Der Präsident ging aus der Kabine, kam dann aber wieder zurück und sagte: 'Ich zahle Anelka 3,7 Mio. Euro im Jahr, zahle ich die für nichts? Ihr spielt alle Bälle zu Anelka, damit das klar ist.'"
© imago images
Doch das war noch nicht alles: "Der Präsident ging aus der Kabine, kam dann aber wieder zurück und sagte: 'Ich zahle Anelka 3,7 Mio. Euro im Jahr, zahle ich die für nichts? Ihr spielt alle Bälle zu Anelka, damit das klar ist.'"
Akin erzählt, wie es dann lief: "Tuncay lief allein aufs Tor und flankte dann rechts raus, weil Anelka da ist. Selbst Rüstü suchte bei den Abschlägen nur Anelka. Alle spielten auf Anelka." Fenerbahce verlor dennoch mit 1:2 und flog raus.
© imago images
Akin erzählt, wie es dann lief: "Tuncay lief allein aufs Tor und flankte dann rechts raus, weil Anelka da ist. Selbst Rüstü suchte bei den Abschlägen nur Anelka. Alle spielten auf Anelka." Fenerbahce verlor dennoch mit 1:2 und flog raus.
Akin, der das Fußballspielen in Karlsruhe lernte, sagt: "Der Boss wusste über alles Bescheid. Es gab Müllmänner, die ihn als Informanten kontaktierten, um zu sagen, wo seine Spieler abhängen. Wir wurden einmal nachts beim Dürüm-Essen erwischt."
© imago images
Akin, der das Fußballspielen in Karlsruhe lernte, sagt: "Der Boss wusste über alles Bescheid. Es gab Müllmänner, die ihn als Informanten kontaktierten, um zu sagen, wo seine Spieler abhängen. Wir wurden einmal nachts beim Dürüm-Essen erwischt."
Aziz Yildirim blieb 20 Jahre Präsident von Fenerbahce, verlor 2018 die Wahl an Ali Koc und lässt sich seither nur selten blicken. Nur eine Message schickt er immer wieder: "Ich komme nicht mehr zurück."
© imago images
Aziz Yildirim blieb 20 Jahre Präsident von Fenerbahce, verlor 2018 die Wahl an Ali Koc und lässt sich seither nur selten blicken. Nur eine Message schickt er immer wieder: "Ich komme nicht mehr zurück."
IBRAHIM HACIOSMANOGLU: Lange nicht mehr Präsident ist auch der ehemalige Boss von Trabzonspor, der 2015 in die Schlagzeilen geriet. Nach einem 2:2 gegen Gaziantepspor ließ er das komplette Schiedsrichter-Gespann in der Kabine einsperren.
© imago images
IBRAHIM HACIOSMANOGLU: Lange nicht mehr Präsident ist auch der ehemalige Boss von Trabzonspor, der 2015 in die Schlagzeilen geriet. Nach einem 2:2 gegen Gaziantepspor ließ er das komplette Schiedsrichter-Gespann in der Kabine einsperren.
Hintergrund: Trabzon bekam in der Nachspielzeit einen klaren Elfmeter nicht zugesprochen. "Ich habe den Auftrag erteilt, dass man ihnen die nötige Gastfreundschaft zeigt, ihnen Tee und Kaffee bringt, aber dass sie bis morgen früh in der Kabine bleiben."
© imago images
Hintergrund: Trabzon bekam in der Nachspielzeit einen klaren Elfmeter nicht zugesprochen. "Ich habe den Auftrag erteilt, dass man ihnen die nötige Gastfreundschaft zeigt, ihnen Tee und Kaffee bringt, aber dass sie bis morgen früh in der Kabine bleiben."
Erst durch einen Anruf des damaligen Premier Minister Recep Tayyip Erdogan durfte das Gespann um Cagatay Sahan das Stadion verlassen. Beim Verlassen des Stadions gab es wüste Proteste, ein Fan schrie: "Terroristen!"
© imago images
Erst durch einen Anruf des damaligen Premier Minister Recep Tayyip Erdogan durfte das Gespann um Cagatay Sahan das Stadion verlassen. Beim Verlassen des Stadions gab es wüste Proteste, ein Fan schrie: "Terroristen!"
Wegen Freiheitsberaubung wurde er vor Gericht gestellt. Dort wollte Haciosmanoglu von den Vorwürfen nichts wissen: "Ich wollte die Schiedsrichter schützen." Die achtmonatige Haftstrafe wurde nach Berufung in eine Geldstrafe umgewandelt.
© imago images
Wegen Freiheitsberaubung wurde er vor Gericht gestellt. Dort wollte Haciosmanoglu von den Vorwürfen nichts wissen: "Ich wollte die Schiedsrichter schützen." Die achtmonatige Haftstrafe wurde nach Berufung in eine Geldstrafe umgewandelt.
CEM UZAN: Dass er mit Silvio Berlusconi verglichen wird, hat seine Gründe. Uzan ist ein rechtspopulistischer Politiker, der sein Reichtum u.a. durch die Medien machte. Irgendwann kam er auf die Idee sich zwei Fußball-Klubs zu kaufen.
© getty
CEM UZAN: Dass er mit Silvio Berlusconi verglichen wird, hat seine Gründe. Uzan ist ein rechtspopulistischer Politiker, der sein Reichtum u.a. durch die Medien machte. Irgendwann kam er auf die Idee sich zwei Fußball-Klubs zu kaufen.
Der ungeduldige Uzan glaubte, dass es reicht, seine Kohle reinzuwerfen und es wird alles schon passen. Trotz prominenter Transfers kam alles anders und Uzan passte das gar nicht. 1998, nach einem Spiel gegen Genclerbirligi, platzte ihm der Kragen.
© getty
Der ungeduldige Uzan glaubte, dass es reicht, seine Kohle reinzuwerfen und es wird alles schon passen. Trotz prominenter Transfers kam alles anders und Uzan passte das gar nicht. 1998, nach einem Spiel gegen Genclerbirligi, platzte ihm der Kragen.
"Die Hälfte der Mannschaft wird gehen und ich werde die Karriere der Spieler, die hier wie Touristen über den Platz spazieren, beenden. Ich werde sie nicht verkaufen und ihre Karriere zerstören." Heute lebt er im Exil und postet wirres Zeug.
© imago images
"Die Hälfte der Mannschaft wird gehen und ich werde die Karriere der Spieler, die hier wie Touristen über den Platz spazieren, beenden. Ich werde sie nicht verkaufen und ihre Karriere zerstören." Heute lebt er im Exil und postet wirres Zeug.
SÜLEYMAN SEBA: Der ehemalige Direktor des türkischen Geheimdienstes war 16 Jahre lang Präsident von Besiktas und genoss Zeit seines Lebens großen Respekt von allen Seiten. Nur eine Sache setzte Seba zu: seine Flugangst.
© imago images
SÜLEYMAN SEBA: Der ehemalige Direktor des türkischen Geheimdienstes war 16 Jahre lang Präsident von Besiktas und genoss Zeit seines Lebens großen Respekt von allen Seiten. Nur eine Sache setzte Seba zu: seine Flugangst.
Als 1997 Besiktas in der Champions League in der Gruppenphase auf den FC Bayern traf, wollte er, aber konnte nicht. Bis ihm ein Vorstandsmitglied sagte: "Franz Beckenbauer will Sie in München empfangen." Seba öffnete die Augen und sagte: "Wir fahren."
© imago images
Als 1997 Besiktas in der Champions League in der Gruppenphase auf den FC Bayern traf, wollte er, aber konnte nicht. Bis ihm ein Vorstandsmitglied sagte: "Franz Beckenbauer will Sie in München empfangen." Seba öffnete die Augen und sagte: "Wir fahren."
Er nahm zwei Mitarbeiter mit und fuhr von Istanbul nach München. An der Grenze nach Bulgarien wurde er aber zurückgewiesen, weil er kein Visum hatte. "Die Klub-Mitarbeiter dachten, dass er als Besiktas-Präsident alles darf", so Journalist Ömer Güvenc.
© Twitter
Er nahm zwei Mitarbeiter mit und fuhr von Istanbul nach München. An der Grenze nach Bulgarien wurde er aber zurückgewiesen, weil er kein Visum hatte. "Die Klub-Mitarbeiter dachten, dass er als Besiktas-Präsident alles darf", so Journalist Ömer Güvenc.
Seba ließ seine Kontakte aber spielen, übernachtete in einem Hotel und fuhr am nächsten Tag weiter. In München wurde er tatsächlich von Beckenbauer empfangen, die Bayern gewannen das Spiel und Seba fuhr die 2.000 Kilometer wieder zurück.
© Twitter
Seba ließ seine Kontakte aber spielen, übernachtete in einem Hotel und fuhr am nächsten Tag weiter. In München wurde er tatsächlich von Beckenbauer empfangen, die Bayern gewannen das Spiel und Seba fuhr die 2.000 Kilometer wieder zurück.
Aber Seba konnte auch anders: Saffet Sancakli, heute Abgeordneter in der Türkei, erzählt, wie er als junger Stürmer bei Besiktas spielte: "Er sagte, dass ich zu viel unterwegs sei und dass ich aufpassen müsse. Ich war jung und frech und gab Konter."
© imago images
Aber Seba konnte auch anders: Saffet Sancakli, heute Abgeordneter in der Türkei, erzählt, wie er als junger Stürmer bei Besiktas spielte: "Er sagte, dass ich zu viel unterwegs sei und dass ich aufpassen müsse. Ich war jung und frech und gab Konter."
Sancakli weiter: "Er hatte eine Zeitung auf dem Tisch mit der Tabelle. Wir waren Erster, Eskisehirspor war Letzter. Er zeigte auf Eskisehirspor und sagte: 'Wenn du nicht Ruhe gibst, schicke ich dich da hin.' Ich sagte: 'Dann mach doch.'"
© getty
Sancakli weiter: "Er hatte eine Zeitung auf dem Tisch mit der Tabelle. Wir waren Erster, Eskisehirspor war Letzter. Er zeigte auf Eskisehirspor und sagte: 'Wenn du nicht Ruhe gibst, schicke ich dich da hin.' Ich sagte: 'Dann mach doch.'"
So kam es auch: "Am nächsten Tag rief jemand zuhause an, meine Mutter rief mich zum Telefon. Ich fragte, wer dran sei. Der Gegenüber sagte: 'Ich bin der Präsident von Eskisehirspor, Seba hat dich an uns verliehen. Wo kann ich dich abholen?'"
© Twitter
So kam es auch: "Am nächsten Tag rief jemand zuhause an, meine Mutter rief mich zum Telefon. Ich fragte, wer dran sei. Der Gegenüber sagte: 'Ich bin der Präsident von Eskisehirspor, Seba hat dich an uns verliehen. Wo kann ich dich abholen?'"
EVREN ÖZBEY: Diese Geschichte muss natürlich nochmal erzählt werden. Der Akhisarspor-Boss warf acht Spieler aus dem Kader, weil sie mit einem anderen Präsidentschaftskandidaten Baklava gegessen haben.
© imago images
EVREN ÖZBEY: Diese Geschichte muss natürlich nochmal erzählt werden. Der Akhisarspor-Boss warf acht Spieler aus dem Kader, weil sie mit einem anderen Präsidentschaftskandidaten Baklava gegessen haben.
Jetzt muss man sich auch nicht wundern, warum der einstige Erstligist, der 2018 den Pokal gewann, heute in der 3. Liga spielt und wohl auch nicht mehr so schnell zurückkommt.
© imago images
Jetzt muss man sich auch nicht wundern, warum der einstige Erstligist, der 2018 den Pokal gewann, heute in der 3. Liga spielt und wohl auch nicht mehr so schnell zurückkommt.
ILHAN CAVCAV: Er darf nicht fehlen. Cavcav, der 39 Jahre (!) Präsident von Genclerbirligi war, mal fünf Trainer in einer Saison entließ und selbst Spieler - vor allem im afrikanischen Raum - scoutete, starb leider 2017 an Herzversagen.
© imago images
ILHAN CAVCAV: Er darf nicht fehlen. Cavcav, der 39 Jahre (!) Präsident von Genclerbirligi war, mal fünf Trainer in einer Saison entließ und selbst Spieler - vor allem im afrikanischen Raum - scoutete, starb leider 2017 an Herzversagen.
Thomas Doll war einer seiner Lieblingstrainer, er lud ihn regelmäßig zum Tee in der Mehlfabrik ein. Nach einem 2:3 gegen Antalya entließ er Doll, bereute das schnell und stellte ihn wieder ein. Doll blieb nicht, bei der Abschieds-PK flossen Tränen.
© imago images
Thomas Doll war einer seiner Lieblingstrainer, er lud ihn regelmäßig zum Tee in der Mehlfabrik ein. Nach einem 2:3 gegen Antalya entließ er Doll, bereute das schnell und stellte ihn wieder ein. Doll blieb nicht, bei der Abschieds-PK flossen Tränen.
1 / 1
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung